Die Ostschweizer Wirtschaft singt den Blues
AI/AR. Der Abschwung in der Wirtschaft ist in vollem Gang: Nach den Exporten sind die Investitionen unter Druck geraten. Die Rezession ist angekommen und macht sich auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar.
Mit einer Verzögerung von gut einem Jahr haben die dramatischen Ereignisse auf den Finanzmärkten zu einer ungewöhnlich schnellen und weltweiten konjunkturellen Abwärtsdynamik geführt. In allen grossen Industrieländern sind die Konjunkturindikatoren inzwischen regelrecht abgestürzt. Das Wachstum der Weltwirtschaft wird mittlerweile für 2009 noch auf 0.5 Prozent veranschlagt.
Exportbranchen unter Druck
Erstes Opfer der weltweiten Wirtschaftskrise sind die Exporte geworden. So sanken die Ausfuhren des Kantons St.Gallen im 4. Quartal 2008 gegenüber dem Vorquartal um 28 Prozent. Im Durchschnitt des letzten Jahres mussten sechs Kantone einen Rückgang der Exporte in Kauf nehmen, darunter befinden sich gleich drei aus der Ostschweiz: St.Gallen, Appenzell Ausserrhoden und Thurgau. Am schwersten traf der Exporteinbruch die Regionen Rorschach und Werdenberg. Hersteller von Industriemaschinen, Apparaten der Elektrotechnik / Elektronik, Präzisionsinstrumenten und Textilien leiden besonders stark unter der Exportflaute.
Investitionen rückläufig
Wie in einem konjunkturellen Abschwung üblich, nimmt die Investitionstätigkeit stark ab. Darunter leiden insbesondere die Maschinen-, Elektro- und Kunststoffindustrie. Im laufenden Jahr ist mit einem Rückgang der Ausrüstungsinvestitionen von sechs bis neun Prozent zu rechnen. Die Signale des Abschwungs werden nun auch in der bis anhin resistenten Bauwirtschaft wahrgenommen. Im Hoch- und Tiefbau sind vermehrt – inzwischen bei einem Drittel der Umfrageteilnehmer – sinkende Umsätze zu registrieren. Die Geschäftslage wird aber nach wie vor als zufriedenstellend empfunden. Im Ausbaugewerbe ist die Stimmung aufgrund eines hohen Umsatzvolumens gut. Die Baufirmen zeigen sich beim Blick in die Zukunft nicht unberührt vom rezessiven Umfeld. So erwartet die grosse Mehrheit der Umfrageteilnehmer aus der Baubranche eine erhebliche Zunahme des Preisdrucks.
Arbeitsmarkt bröckelt
Unerwartet schnell hinterlässt die Wirtschaftskrise ihre Spuren auch auf dem Arbeitsmarkt. Wie schon im Dezember 2008 hat die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen auch im ersten Monat des neuen Jahres stark zugenommen. Dass im Winter die Arbeitslosigkeit steigt, ist zwar nicht ungewöhnlich. Neben den saisonalen Einflüssen ist diesmal aber etwa die Hälfte des Anstiegs auf den Konjunktureinbruch zurückzuführen. Gesamthaft ist in den Ostschweizer Kantonen St.Gallen, Thurgau, Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden die Zahl der Arbeitslosen im Januar um 878 Personen auf 10‘209 angestiegen.
Die Folgen des Konjunkturtiefs werden auch bei der Kurzarbeitsstatistik sichtbar. In keinem anderen Kanton sind so viele Arbeitnehmer von Kurzarbeit betroffen wie im Kanton St.Gallen. Die meisten Gesuche stammen aus den exportorientierten Branchen des St.Galler Rheintals. Diese Region weist mit 3.4 Prozent auch die höchste Arbeitslosenquote innerhalb der Ostschweiz aus. Gemäss Konjunkturumfrage dürfte sich der Rückgang der Beschäftigung in der Industrie in den kommenden Monaten fortsetzen. Dennoch gibt es einen Lichtblick auf dem Arbeitsmarkt: Die Zahl der offenen Stellen ist im Januar 2009 angestiegen.
Sanfte Landung im Detailhandel
Laut den Resultaten der jüngsten Konjunkturumfrage läuft es im Detailhandel noch immer zufriedenstellend. Bei den Ostschweizer Detaillisten hat sich der Umsatz im Dezember dank des starken Weihnachtsgeschäfts erfreulich entwickelt, die Kundenfrequenz ist gestiegen und auch die Ertragslage hat sich verbessert. Der private Konsum wirkt weiterhin konjunkturstützend, denn die Detailhandelsbranche erwartet auch in den kommenden Monaten einen guten Geschäftsgang und steigende Umsätze. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass zahlreiche Arbeitnehmer höhere Löhne erhalten und ihr Haushaltsbudget gleichzeitig durch die abklingende Inflation entlastet wird. Trotz allem wird auch der private Konsum nicht ungeschoren davon kommen. Mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung dürfte er zu einer sanften Landung ansetzen und das Jahr 2009 mit einer bescheidenen Zuwachsrate beenden.
Für die Konjunkturumfrage St.Gallen / Appenzell werden rund 500 Unternehmen aus der Industrie-, dem Baugewerbe und dem Detailhandel von der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) befragt. Die Daten für die Ostschweiz werden im Auftrag der St.Galler Kantonalbank durch die Firma ecopol ag ausgewertet.



























