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Die Ostschweiz in der Finanzkrise

Die Ostschweizer Wirtschaft hat 2008 die Folgen der Finanzkrise und der Rezession gespürt. Auf der andern Seite flossen den Raiffeisen- und Kantonalbanken dank der Krise neue Gelder zu.

Die Ostschweizer Wirtschaft hat 2008 die Folgen der Finanzkrise und der Rezession gespürt. Es kam zu Stellenabbau und Kurzarbeit. Auf der andern Seite flossen den Raiffeisen- und Kantonalbanken dank der Krise Milliarden neuer Gelder zu.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) St. Gallen-Appenzell beschrieb Anfang Dezember die Stimmung in den Unternehmen als «vorsichtig angespannt bis panisch». Allzu pessimistisch äusserten sich die Experten am Konjunkturforum «Zukunft Ostschweiz» der IHK aber nicht. Sie rechneten mit einer kurzen rezessiven Phase.

Im November nahm die Arbeitslosigkeit überdurchschnittlich zu. Im Kanton St. Gallen wurde von 80 Betrieben Kurzarbeit vorangemeldet. 3500 Angestellte, vor allem in Betrieben der Exportindustrie, müssen in den nächsten Monaten mit Kurzarbeit rechnen.

Stellenabbau bei Benninger
Eine Hiobsbotschaft bekam Ende September das Personal der Benninger AG Uzwil zu hören. Der Textilmaschinen-Hersteller will am Hauptsitz rund 110 Stellen abbauen, gestaffelt über die nächsten anderthalb Jahre. Benninger begründete dies mit der schlechten Konjunktur.

Die Gewerkschaften forderten von Benninger einen grosszügigen Sozialplan. Ein Drittel der Belegschaft in Uzwil werde die Arbeit verlieren, befürchteten sie. Mitte Dezember teilten die Gewerkschaften und die Geschäftsleitung mit, man habe sich auf einen Sozialplan geeinigt.

Andere Branchen, etwa die Ostschweizer Banken, profitierten zum Teil von der Finanzkrise. Verunsicherte Anleger, die ihr Vermögen nicht mehr den angeschlagenen Grossbanken anvertrauen wollten, parkierten ihr Geld lieber bei den Raiffeisen- und den Kantonalbanken.

Zwölf Milliarden für Raiffeisen
Die Raiffeisenbanken verzeichneten schweizweit über das ganze Jahr einen Neugeld-Zufluss von zwölf Milliarden Franken. Etwa ein Drittel davon stammt von vormaligen Kunden der Grossbanken, wie Raiffeisen-Sprecher Franz Würth am Hauptsitz in St. Gallen auf Anfrage mitteilte.

Die Raiffeisenbanken gewannen rund 100 000 neue Genossenschafter und 150 000 neue Kunden. Die Bankengruppe rechnet mit einem guten Jahresergebnis 2008, wenngleich das Spitzenresultat des Vorjahrs nicht mehr ganz erreicht werde. Für 2009 erwartet Raiffeisen nochmals eine Zunahme des Volumens im Kerngeschäft.

Auch der St. Galler Kantonalbank (SGKB) flossen im ersten Halbjahr 1,4 Milliarden Franken an neuen Kundenvermögen zu. Dieser Trend hielt in der zweiten Jahreshälfte an, wie SGKB-Sprecher Simon Netzle gegenüber der Nachrichtenagentur SDA erklärte.

Gleichzeitig erlitten Kunden der SGKB und ihrer Tochtergesellschaften aber auch Verluste, etwa durch den Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers infolge der Finanzkrise. SGKB-Chef Roland Ledergerber bezifferte die Verluste in einem Interview im «St. Galler Tagblatt» auf 33,6 Millionen Franken.

Staatsgarantie als Trumpf
Als Trumpf für die Kantonalbanken erwies sich die Staatsgarantie. Das «Label Staatsgarantie» erlebte 2008 eine Renaissance. Verunsicherte Anleger, die ihr Vermögen nicht mehr den Grossbanken anvertrauen wollten, parkierten ihr Geld lieber bei Kantonalbanken.

Laut Netzle macht die SGKB aber – im Gegensatz zu andern Kantonalbanken – nicht aktiv Werbung mit der Staatsgarantie. Um den Zufluss neuer Kundengelder zu bewältigen, wurden in St. Gallen auch keine zusätzlichen Berater angestellt, wie der SGKB-Sprecher sagt.

Auch der Appenzeller Kantonalbank flossen neue Kundengelder zu – knapp 75 Millionen waren es im ersten Halbjahr. Die Bilanzsumme überstieg erstmals in der knapp 110-jährigen Geschichte des Bankhauses die Zwei-Milliarden-Grenze.

ThurgauThurgau / 18.12.2008 - 12:02:00