«Die Null-Bock-Mentalität ist fehl am Platz»
Ausserrhoden. Das Projekt «Brücke AR» ist vor sechs Monaten angelaufen - Projektleiter Stefan Gantenbein ist mit dem Start zufrieden, auch wenn einige Jugendliche mit Startschwierigkeiten kämpfen.
Im August 2006 fiel für 57 Jugendliche der Startschuss für das Projekt «Brücke AR», das es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Schulabgängern ohne Lehrstelle ein Praktikum mit einer schulischen Ausbildung zu ermöglichen. Die Praktikumsstellen sind weit gestreut, sie reichen von Verkaufstätigkeiten in Winterthur bis hin zum Spitalverbund in Herisau/Heiden. «Sehr beliebt sind Stellen bei Coiffeurgeschäften – hier haben wir aber nahezu keine Kapazität, weil die Einführungszeit in diesem Bereich sehr lange ist», sagt Stefan Gantenbein, Leiter der «Brücke AR».
Zeitlich am Limit
Insgesamt haben von den 57 Jugendlichen 50 bis 53 eine Praktikumsstelle. Die Zahl kann ein wenig schwanken, da die Dauer eines solchen Praktikums individuell ist. «Grösstenteils sind wir mit den Entwicklungen zufrieden, auch wenn einige Jugendliche gewisse Anlaufschwierigkeiten zu bewältigen haben», meint Gantenbein. Das sei darauf zurückzuführen, dass manchmal grundlegende Kenntnisse wie richtige Umgangsformen oder Pünktlichkeit fehlen würden. «Diese sind bei uns nur bedingt am richtigen Ort – richtig untergebracht wären diese Jugendliche zum Beispiel im ‹Fit for Job› in Heiden oder der Tosam Stiftung in Herisau.» Man hätte zeitlich einfach nicht genügend Kapazität, Umgangsformen gezielt zu trainieren. Auch die Lehrpersonen, die gleichzeitig Coach sind, wären mit Arbeit zugedeckt.
Darum ist nun ein Aufnahmestopp verhängt worden; Jugendliche müssen sich auf einer Warteliste auf einen freien Platz gedulden. «Wir wollen denjenigen Sorge tragen, die bereits in der ‹Brücke AR› sind. Wenn es zu viele Teilnehmer sind, ist dies nicht mehr möglich», sagt Gantenbein.
Blick in die Zukunft
Die Zusammenarbeit mit den Firmen laufe sehr gut und man stosse auf Wohlwollen. Trotzdem sind für das nächste Jahr kleine Änderungen vorgesehen: «Wir werden die Aufnahmekriterien überdenken. Verschärft wird die Frage geklärt, ob die Jugendliche wollen oder nicht. Die ‹Null-Bock-Mentalität› ist fehl am Platz», sagt Gantenbein. Das Ziel sei schliesslich, jedem Schulabgänger einen Praktikumsplatz zu verschaffen – und eine 100-prozentige Abdeckung der Problemfälle sei nicht möglich. Auch wird die «Brücke AR» im nächsten Jahr vermehrt in das BBZ integriert.
Eine weitere Option, die es zu erreichen gilt, ist eine Anschlusslösung der «Brücke AR», wie beispielsweise eine Lehrstelle oder Anlehre. Schwierig sei es da, wenn gewisse Betriebe ihre Lehrstellen schon im Sommer vergeben würden. «Die stärksten Jugendliche sind dann somit weg. Und die Spirale dreht sich immer enger», sagt Gantenbein. Das würde den Verantwortlichen das Leben unnötig schwer machen.
Positive Rückmeldungen der Metrohm AG
Durchaus positive Erfahrungen mit Jugendlichen von «Brücke AR» hat die Firma Metrohm AG in Herisau gemacht. Christoph Buchmann, Vizedirektor und Produktionsleiter: «Es ist eine gute Sache. Schon vorher hatten wir viele Praktikanten. Die Chancen, eine Lehrstelle im Betrieb zu finden, werden erhöht.» Vorher sollte natürlich abgeklärt werden, ob das Angebot überhaupt etwas für den einzelnen Jugendliche sei. Auch sollte die Verbindung zwischen Lehrmeister und Lehrer gesucht werden. «Ich finde dies sehr wichtig. Die Schüler sollten positiv unterstützt werden. Das Brückenangebot kann ein zusätzlicher Einstieg sein.»



























