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Die Frodos aus dem Appenzellerland

Appenzell. Philippe Büchel und Samuel Weishaupt fahren mit ihrer grossen Liebe - dem Auto - in zwei Jahren rund um die Welt. Gestern starteten sie auf dem Landsgemeindeplatz.

50 Länder, zwei Männer, ein Traum. Mit diesen Vorstellungen starteten am 8. Januar um 20.08 Uhr Philippe Büchel aus Wald und Samuel Weishaupt aus Appenzell ihre Weltreise.

Mehr als zwei Jahre arbeiteten sie an der Erfüllung ihres Traumes und mehr als 2’500 Arbeitsstunden investierten sie in ihr Gefährt, mit dem sie die ganze Welt bereisen werden. Ihre Reise führt sie von Appenzell nach Italien, in die afrikanische Wüste, über den Iran und Usbekistan per Seidenstrasse nach Südostasien, nach Australien, auf die «andere Seite» in die USA, bis nach Südamerika und via Holland wieder nach Appenzell – um ein Bruchteil der Reiseroute zu nennen. Nicht zuletzt will es der Zufall, dass das Auto die Nummer AI 8108 trägt.

Der 24-jährige Globetrotter Philippe Büchel verrät unserer Zeitung, warum er die Peking-Ente dem Cervelat vorzieht und weshalb die Verliebtheit in eine blechige Dame ein Muss ist.

Gestatten Sie mir den Vergleich mit Frodo und seinen Gefährten aus dem Film «Herr der Ringe». Er kommt aus dem Auenland, sie aus dem Appenzellerland. Sie und er gehen in die weite Welt hinaus. Wissen Sie, was auf Sie wartet?
Philippe Büchel: Im Grossen und Ganzen weiss man nie genau, was einen erwartet. Doch der Reiz, Neues, Kulturen und andere Welten zu entdecken, überwiegt in unserem Fall. Wir wollen für einmal die Schweiz hinter uns lassen und sehen, was es da sonst noch alles gibt.

Nervosität spielt so kurz vor dem Start bestimmt eine Rolle – vor lauter Ungewissheit oder ist es eher Vorfreude?
Von beidem ein bisschen. Doch die Vorfreude dominiert. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, um der Hektik und dem Stress der Schweiz ade zu sagen.

Was ist Ihre grösste Sorge?
Dass uns der Karren geklaut wird oder ihn jemand mutwillig zerstört. Nicht zu unterschätzen ist die politische Situation in den verschiedenen Staaten. Was, wenn plötzlich irgendwo ein Krieg ausbricht und wir ausgerechnet da durch müssen? Wir werden uns vorbereiten, in dem wir die politische Lage stets im Auge behalten. Vielleicht bleibt uns dann nichts anderes übrig, als in solch einem Fall die Route zu ändern.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Weltreise zu machen?
Ich kenne das Leben eines Backpackers. Dann kam eines Tages der Reiz etwas Grösseres zu unternehmen. Zuerst wollte ich eigentlich mit dem Töff durch Europa fahren. Doch dann kam mein Freund Samuel mit der Idee einer Weltreise.

Ich bin schon früher viel mit meinen Eltern in ferne Länder gereist. Mit ihnen lernte ich auch schon schwierige Länder wie Indien mit dem Rucksack kennen und sie lehrten mich, Neues zu schätzen. Sie sind schon zu Beginn hinter der Idee gestanden und haben mich stets unterstützt. Klar gibt es auch Personen, welche dieses Vorhaben als gefährlich einschätzen. Doch wir tun alles für die Sicherheit. In Afrika befahren wir zum Beispiel aus Sicherheitsgründen nur den Norden des Kontinents.

Liegt das an Ihrer Persönlichkeit, dass sie Dinge tun, von denen andere nur träumen?
Um solch ein Traum verwirklichen zu können, muss man alles geben und viel arbeiten – und ich war bereit das zu tun. Die Voraussetzungen stimmten in meinem Falle: Ich hatte ein gutes Einkommen und die Unterstützung meiner Eltern im Rücken. Wir freuen uns, auf dem Landweg die Welt zu sehen und zu entdecken. Mit all den verschiedenen Leuten, Kulturen und Topografien – das wird uns prägen.

Gibt es ein Land, welches Sie mehr als andere reizt?
Ich bin gespannt auf China. Ich habe vieles darüber gehört und gelesen, obwohl wir voraussichtlich nur fünf Tage da sein werden. Ich freue mich auch sehr auf die Wüste in Afrika und die Seidenstrasse. Doch von der Kirgisischen Botschaft haben wir bis anhin noch keine Erlaubnis für die Einreise erhalten. Ich hoffe sehr, dass wir bis zu unserer Abreise die Einreisebewilligung noch erhalten werden.

Welches Land erfordert von Ihnen am meisten Respekt?
Die Türkei finde ich zurzeit etwas heikel. Doch sonst kommt es ganz auf die Einstellung drauf an mit der man der Welt begegnet. Man muss offen sein für Neues und mit einer neutralen Meinung das Land bereisen. Ebenso wenig ist Südamerika zu unterschätzen. Wir sind jedoch zuversichtlich, da wir für dieses heisse Pflaster schon viele nützliche Tipps von Leuten erhalten haben, welche bereits diese Erfahrung gemacht haben.

Wie haben Sie sich kennen gelernt?
Mit 14 Jahren war ich einmal mit Freunden am Bodensee campen, als Samuel auch dazu stiess. Wir merkten schnell, dass wir die gleichen Interessen haben und es einfach passte. Wir teilen die gleichen Ansprüche, die gleichen Vorraussetzungen und Ideen – nur so kann unsere Weltreise und Freundschaft funktionieren.

Welchen Luxusartikel gönnen Sie sich?
Sauberes Wasser und einen Bord-Computer, mit dem wir Routen planen können, Fotos bearbeiten, Filme schneiden und unsere Homepage mit News füttern werden.

Wie bezeichnen Sie Ihre Beziehung zu ihrem Gefährt. Ist es Freundschaft oder schon Liebe?
Das muss Liebe sein. Wir haben bereits mehr als 2’500 Arbeitsstunden in das Auto investiert. Etwas anderes gibt es nicht. Ich liebe sie.

Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, wie es nach der Reise weiter geht?
Mehr oder weniger. Doch im Moment bin ich mit meinen Gedanken ganz bei der Reise. In zwei Jahren kann so vieles passieren. Vielleicht finde ich unterwegs mein Plätzchen, wo ich mich niederlassen werde…

Man sagt, jeder Mann sollte in seinem Leben ein Buch geschrieben haben. Ist bei Ihnen eines in Planung?
Direkt nicht, doch wir haben uns auch schon Gedanken darüber gemacht. Wenn, dann werden wir die Idee erst im Nachhinein umsetzen. Doch Samuel ist fest davon überzeugt, dass er aus den gesammelten Rezepten ein Kochbuch schreiben möchte.


Entweder oder…

Strassenkarte oder Instinkt?
Wir haben es auch schon ohne GPS versucht, doch der Schuss geht meistens nach hinten los.

Frostbeulen oder Sonnenbrand?
Wir sind Sonnenmenschen und möchten dem kalten Winter in der Schweiz entfliehen. Ich bevorzuge eindeutig den Sonnenbrand.

Gestein oder Meer?
Obwohl wir wahrscheinlich mehrheitlich im Gebirge unterwegs sein werden, sind wir passionierte Meer-Liebhaber. Samuel ist zudem begeisterter Taucher.

Cervelat oder Peking-Ente?
Ich freue mich auch auf eine kulinarische Reise.

Outback oder Mexico City?
Definitiv Outback. Unser Auto ist für solches Gebirge perfekt ausgelegt. Obwohl der Wagen auch stadttauglich ist, reizt uns die Weite des Outbacks mehr.

Weitere Informationen und News findet man unter www.einmalumdiewelt.ch

Appenzell InnerrhodenAppenzell Innerrhoden / 09.01.2008 - 13:21:00