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«Die Farben sind zurückhaltend und elegant»

Teufen. Die Gemeinde hat ein neues Alterszentrum. Entworfen hat es Alex Jäggi. Im Interview erklärt er unter anderem, wieso er diese nicht alltägliche Fassade gewählt hat.

Fassadengestaltung ist in mancher Hinsicht ein wichtiges Thema. Schließlich ist die Fassade die Visitenkarte eines Gebäudes. Sie spiegelt den Zeitgeist der Epoche ihrer Entstehung wider, ihre Farbigkeit lässt auf den Geschmack des Besitzers schließen.

Wer bei der Farbgebung den falschen Ton trifft, hat diese «Sünde» zehn oder mehr Jahre vor Augen. Die Architekten des neuen Alterszentrums Gremm in Teufen, Alex Jaeggi und Peter Meyer, haben sich in der Fassadengestaltung etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Im Folgenden Interview äussert sich Alex Jaeggi darüber.

Alex Jaeggi, worauf ist im Allgemeinen bei der Gestaltung einer Fassade eines Gebäudes zu achten?

Alex Jaeggi: Das ist schwierig zu beantworten, aber grundsätzlich gilt, was auch für das Gebäude als Ganzes gilt. Eine Fassade soll gut konstruiert sein, damit sie dauerhaft ist. Sie soll ihre Funktionen erfüllen, das heisst sie schützt das Gebäude vor Wärmeverlust im Winter und vor eindringendem Wasser, vor Überhitzung im Sommer. Sie schützt aber auch die Bewohnerinnen und Bewohner vor unerwünschten Einblicken, lässt jedoch die richtigen Ausblicke zu.

Wir haben beim Alterszentrum Fenster bis zum Boden gebaut, damit auch der nähere Aussenbereich für die Bewohner sichtbar ist, also nicht nur der Alpstein, sondern auch der Vorgarten.

Sie sehen, viele Aspekte einer Fassade sind im Grundriss oder im räumlichen Konzept angelegt. Eine Fassade besteht aus vielen Teilen wie Fenstern, Geländern, Sonnenschutz, Verputz. Dann kann man anfangen zu überlegen, wie die einzelnen Teile aussehen sollen. Dabei spielt natürlich eine Rolle, wie ein Haus mit seiner Umgebung umgeht, ob es sich einfügt, zurücktritt oder selbstbewusst in den Vordergrund tritt. Was beim Alterszentrum Gremm dem einen auffällt, ist das Geländer, welches wir speziell für dieses Haus entwickelt haben. Andere werden sich über den Verputz oder die Farbgebung wundern.

Eben genau der Verputz und die auch die Farbgebung sind nicht alltäglich. Erklären Sie uns Ihre Idee hinter dem Konzept der Zweifarbigkeit?

Unsere Absicht war es, das doch grosse Volumen über die Farbigkeit mit dem Naturraum zu verbinden. Deshalb kam eine weisse Aussenhülle zum Beispiel nie in Frage. Dann haben wir das Volumen in verschiedene Flächen aufgegliedert, welche aber nicht einfach die drei Baukörper darstellen, sondern eine komplexere Gliederung darstellen. Oder einfach gesagt:

Wir wollten das Volumen auseinander nehmen und anders wieder zusammenfügen, als man das vielleicht im ersten Moment erwarten würde. Die Zweifarbigkeit kam erst danach. Wir haben gesehen, dass ein rauer Kellenwurf andere plastische Eigenschaften hat als die heute sehr beliebten möglichst glatten Verputze. Dann haben wir festgestellt, dass man diesen Kellenwurfputz mit einer Farbe durchgehend streichen und darüber mit einer zweiten Farbe nur die vorderen Teile des Putzes abrollen kann. So erhält man eine Art eines impressionistischen Bildes.

Welche Wirkung wird damit erzielt?

Die Wirkungen sind vielfältig. Die Farbwahrnehmung wird instabiler. Die Fassade wirkt lebendiger, da sie öfters anders daher kommt. Weil die zwei Farbtöne nicht weit auseinander liegen, wirkt das Sandgelb manchmal nur so, als ob die Fassade im Streiflicht stehen würde. Wenn zwei solche Flächen in einer Innenecke aufeinander treffen, und man befindet sich nahe an der einen Fläche, dann wirkt die perspektivisch verkürzte Fassade recht gelb, die andere jedoch braun. Das kommt daher, dass man bei der einen Fläche fast nur die Vordergrundfarbe sieht, bei der andern jedoch die Hintergrundfarbe viel mehr Gewicht hat.

Spannung in die Fassade bringen, Perspektiven manipulieren. Die nun gewählten Farben von sandgelb und sandbraun repräsentieren eher eine konservative Farbe. Warum wurden keine knalligeren und progressiveren Farben gewählt?

Ich empfinde die gewählten Farben nicht als konservativ, sondern als zurückhaltend und elegant. Im Idealfall werden sie in einigen Jahren als klassisch empfunden. Es gibt viele Moden, die einem nach drei Tagen, Wochen oder Monaten verleidet sind. Stark bunte Farben im Aussenbereich gehören aus meiner Sicht oft dazu. Das Alterszentrum Gremm steht nicht nur in einem Dorf, sondern ebenso in einem Landschaftsraum. Man sieht vom Gremm den Säntis, also sieht man auch vom Säntis theoretisch das Gremm. Es wäre mir nicht recht, wenn man es tatsächlich von dort sehen könnte.

Manche Betrachter der Fassade könnten behaupten, dass bei einem Flächenübergang der Unterschied sehr gross, das heisst der Kontrast zu hart ist. Besteht nicht die Gefahr, dass gerade solche abrupten Übergänge das ganze Gesamtkonzept und Ihre Idee stören.

Wir glauben, dass die Übergänge gerade dank der geringen Unterschiede in der Farbigkeit nicht zu abrupt sind und dass es dank der Vermischung der beiden Farben im Kellenwurfputz eben eine Kontinuität rund ums Haus gibt. Es gibt noch vieles, was man behaupten könnte, aber es ist gefährlich, Ideen zu lancieren, weil diese dem unvoreingenommenen Betrachter die Sicht auf die Dinge vernebeln könnten.

Welche Konzessionen mussten Sie bei der Wahl der nun vorhandenen Farben gegenüber Bauherrschaft und eventuell auch bezüglich Kompatibilität mit der Landschaft eingehen?

Keine. Das Farbkonzept haben wir in mehreren Schritten mit der Bauherrschaft und für diese entwickelt. Ausprobieren und mehrmaliges Bemustern war notwendig, nicht nur für die Kommission, sondern auch für uns selber. Dabei wurden wir kompetent begleitet vom FAOT, einer Gruppe von Fachleuten, welche die Gemeinde berät bei Gebäuden in der Kernzone oder grösseren Bauten ausserhalb dieser Zone.

Fühlen Sie sich manchmal gerade bei der Wahl von Fassadenfarben in Ihrer künstlerischen Freiheit eingeengt?

Nein. Aber das kommt vielleicht beim nächsten Haus. Die künstlerische Freiheit halte ich aber für einen Begriff, welcher oft benutzt wird, um einer Begründung auszuweichen. Aber natürlich spielt das Gefühl eine grosse Rolle bei jeder gestalterischen Arbeit.

Appenzell AusserrhodenAppenzell Ausserrhoden / 29.08.2008 - 07:25:00