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«Die Caritas ist nötiger denn je»

Arbon. Trotz Wirtschaftsaufschwung öffnet sich die Schere zwischen Arm und Reich immer stärker. Dieses Fazit zieht die Caritas.

„Die Caritas ist nötiger denn je!“ lautete das Fazit von Sabine Tiefenbacher, Präsidentin der Caritas Thurgau anlässlich der Jahresversammlung vom vergangenen Freitag im Schloss Arbon. Trotz florierender Wirtschaft brauche es bei nur wenig, bis Menschen durch das soziale Netz fielen oder an den Rand der Gesellschaft gerieten. Ein Unfall, eine zerbrochene Ehe, der Verlust des Arbeitsplatzes genügten. Zu den existenziellen Ängsten der Betroffenen gesellten sich häufig Gefühle des Versagens, der Schuld und des Ausgeschlossenseins. Entsprechend haben „die Hilferufe per Telefon oder an der Tür der Caritas Thurgau“ im Berichtsjahr stark zugenommen, wie dem Jahresbericht entnommen werden kann.

Die Kumulation von Problemen
Meist betreffe es Menschen die „auf dünnem Eis“, lebten. Erstprobleme seien meistens beruflicher, gesundheitlicher oder familiärer Natur. Die Kumulation verschiedener dieser Faktoren ziehe oft finanzielle Folgeprobleme nach sich. Besonders betroffen seien Familien. Untermauert wurden diese Aussagen durch Geschäftsleiter Rupert Summerauer mit konkreten Zahlen.

Bei der Schuldenberatung betreffe 40 Prozent aller Ratsuchenden die Altersklasse der unter Dreissigjährigen. Beinahe jeder zweiten Person, die diesen Dienst aufsuche seien Konsumkredit- oder ein Leasingverträge zum Verhängnis geworden. Caritas-Markt und -Boutique konnten ihren Umsatz um 10.5 beziehungsweise 39.4 Prozent erhöhen. Der Umsatzsteigerung der Caritas-Boutique sei in erster Linie dem grossen und attraktiven Angebot an neuen Kleidern aus Restposten zu verdanken.

Das Patenschaftsprojekt „mit mir“, das Beziehungen zwischen freiwilligen Gotten oder Göttis und Familien in einem Engpass knüpft, erweise sich als Schritt in die richtige Richtung. Der Bedarf sie ausgewiesen. Im Bereich Animation und Bildung beschränkt sich die Caritas auf die Begleitung der letzten Lebensphase. Enttäuscht zeigt man sich am geringen Echo aus den Pfarreien zu diesem Thema.

Im Migrations- und Flüchtlingsbereich habe sich namentlich die Dolmetschervermittlung bewährt. Der Bedarf sei ausgewiesen. Die Zahl der Flüchtlinge habe abgenommen.

Finanzen in Griff bekommen
Die Jahresrechnung der Caritas Thurgau schliesst zum wiederholten Mal in Folge mit einem Defizit ab. Der Rückschlag in der Vereinsrechnung beträgt rund 12‘000 Franken. Beinahe alle Bereiche weisen Defizite aus. Vor allem im Bereich Migration hat der Bund gemäss Summerauer in den letzten Jahren die leistungsabhängigen Entschädigungen laufend gekürzt oder die Bedingungen zum Nachteil der Anbieter verschlechtert.

Zudem habe er Projektbeiträge wie beispielsweise für die Dolmetschervermittlung abgebaut und dem Kanton übertragen. Dieser sei aber bis heute nicht in diese Lücke gesprungen. Sorge bereiten Vorstand und Geschäftsleitung vor allem der enorm hohe Substanzverlust durch Abbau der Reserven. In spätestens zwei Jahren wolle man den Turnaround erreichen. Massnahmen seien eingeleitet. Nach acht Jahren Vorstandsarbeit, sechs Jahre davon als Präsidentin, wurde Ruth Dudli, Weinfelden. Sie wurde ersetzt durch Reto Marty, Amriswil. Die übrigen Vorstandsmitglieder wurden bestätigt.

ThurgauThurgau / 29.06.2008 - 09:50:00