Der Schweizer Boden geht den Bach hinunter
Tänikon. Jährlich geht in der Schweiz ein mit 100 Metern Erde bedecktes Fussballfeld wortwörtlich den Bach hinunter. Zudem fällt viel fruchtbare Erde dem Hang zum Einfamilienhaus zum Opfer. Besserer Schutz tut not, scheitert aber noch oft.
So lautet das Fazit der jährlichen Tagung der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon vom Freitag in Tänikon. Die belebte Bodenschicht der Erde – die Lebensgrundlage – ist dünn, brachte Agroscope in einer Mitteilung das Problem auf den Punkt. Auf einer angehauchten Billiardkugel stellt die dünne Schicht des kondensierten Wasserdampfs diese Bodenschicht dar.
Extremniederschläge beschleunigen Erosion
Diese wichtige Ressource geht durch Erosion zunehmend verloren. Allein in der Schweiz gehen pro Jahr 840 000 Tonnen Erde ohne Schutzmassnahmen von Ackerflächen verloren, wie Modellrechnungen aufzeigen. Das sind 2,1 Tonnen pro Hektare.
Zwar stehe die Schweiz damit im internationalen Vergleich gut da, teilte Agroscope mit. Doch auch hierzulande können die wegen des Klimawandels zunehmenden Extremniederschläge die Abtragung beschleunigen. Schon heute würden auf einzelnen Äckern Spitzenwerte von 50 Tonnen Bodenverlust pro Hektare und Jahr gemessen.
Hinzu kommt das Problem der Überbauung. Nirgendwo in der Schweiz wird nach Agroscope-Erkenntnissen der Bodenversiegelung durch Bauten wirksam Einhalt geboten. Einzig Waldflächen seien geschützt.
Obwohl die Schweizerinnen und Schweizer offene Flächen bevorzugen, ist es damit vorbei, wenn es ums Einfamilienhaus am Dorfrand geht. Hier müsste das Bewusstsein bei Kantonen und Gemeinden gefördert werden.
Gepflügt wirkt ordentlich
Beim Bodenverlust in der Landwirtschaft wären Lösungen vorhanden. So wird bei der Direktsaat der Acker nicht umgepflügt. Die Elemente erhalten dadurch weniger Angriffsfläche.
Diese Anbaumethode scheitert aber oft an der Tradition und an ästhetischen Argumenten, hiess es an der Tagung. Ein gepflügtes Feld werde als sauber und aufgeräumt wahrgenommen. Ein Feld mit vielen Resten gelte dagegen als verwahrlost.
Hier könne die Zusammenarbeit mit lokalen Behörden einsetzen. Die Verwaltung könne das Bewusstsein für den Bodenschutz bei den Bauern fördern und sie mit Massnahmenplänen unterstützen. Diese Pläne könnten zu Verträgen für das Anlegen von Grasstreifen, den Wechsel auf Direktsaat und die Einführung einer Zwischenbegrünung führen.



























