Der Landammann schiesst auch mit
Vom 23. bis 25. Mai findet das Eidgenössische Feldschiessen statt. Im Gespräch mit Landammann Jakob Brunnschweiler
Auf Einladung des Kantonalschützenvereins von Ausserrhoden beteiligt sich auch Landammann Jakob Brunnschweiler aktiv am Schützenfest.
Herr Landammann, Sie sind vom Ausserrhoder Kantonalschützenverein zum diesjährigen Eidgenössischen Feldschiessen eingeladen worden. Freuen Sie sich darüber?
Ja, selbstverständlich! Speziell freut mich, dass ich von meinen Nachbarn eingeladen worden bin – und auch Gäste mitnehmen darf.
Sie werden sich aktiv am grössten Schützenfest der Welt beteiligen. Haben Sie schon früher einmal am Feldschiessen teilgenommen?
Ich habe eine Motorfahrer-RS in Lausanne und Morges absolviert. Ich war der Sanität zugeteilt – und habe eine Pistole erhalten. An einem Feldschiessen teilgenommen habe ich daher noch nie. Aber keine Sorge: Mit dem Sturmgewehr bin ich vertraut.
Zur Zeit werden Unterschriften für die Eidgenössische Volksinitiative «Für den Schutz vor Waffengewalt» gesammelt. Die Initianten wollen die Armeewaffen ins Zeughaus verbannen. Wie stehen Sie persönlich zu dieser Initiative?
Das Thema ist heikel und kontrovers. Die Tradition der zu Hause aufbewahrten Ordonnanzwaffe ist während des Zweiten Weltkriegs aufgrund der akuten Bedrohungslage eingeführt worden. Angesichts der Stabilität in Europa ist diese Notwendigkeit heute eigentlich nicht mehr gegeben. Ich unterstütze grundsätzlich eine Kompromisslösung: Die Munition wird im Zeughaus aufbewahrt, die Waffe zuhause.
Diese Initiative bringt die Schützen und ihre Tradition arg in Bedrängnis. Auch wenn jetzt von einigen Politikern das Gegenteil behauptet wird, bei Annahme der Initiative steht das obligatorische ausserdienstliche Schiesswesen vor dem aus. Sehen Sie das anders?
Die Abgabe der Dienstwaffe würde wahrscheinlich das Ende des obligatorischen Schiessens einläuten. Zwar wäre die Erfüllung der obligatorischen Schiesspflicht weiterhin möglich; aber nur mit grossem logistischen Aufwand. Denn jeder müsste vor dem Schiessen seine Waffe im Zeughaus abholen und sie nach dem Schiessen wieder ins Zeughaus zurückbringen. Wir alle haben uns bewusst für eine Schweizer Milizarmee entschieden und den Bürger zum Soldaten gemacht. Wir nehmen damit die Ausbildung an der Waffe in Kauf. Und dazu gehört auch das obligatorische ausserdienstliche Schiesswesen. Denn dieses hat zum Ziel, die Beherrschung der persönlichen Waffe als Teil der fachlichen Kompetenzen der Armee sicherzustellen.
Verstehen Sie den Ärger der Schützen über diese Initiative? Gerade das Eidgenössische Feldschiessen mit weit über 100’000 Telnehmerinnen und Teilnehmern ist doch der Beweis dazu, dass die Schützen mit ihrer Waffe verantwortungsbewusst umgehen können und dies auch wollen. Das Schweizervolk wird entwaffnet und wie sieht es mit den Ausländern aus.
Ich verstehe den Ärger der Schützen. Denn der Umgang mit Waffen wird in einigen Kreisen mit Tod und Verderben assoziiert. Doch Schiessen ist auch eine sportliche Tätigkeit. Eine Leistung, die sich durch die Verbindung von Konzentration, Körperbeherrschung, Präzision und Disziplin auszeichnet. Schützen sind in erster Linie Sportler, ihre Schusswaffe ist das Sportgerät. Sie sind keine Menschen, die Gewalt verherrlichen, nur weil sie ihren Sport mit einer Schusswaffe ausüben. Eine Waffe ist weder gut noch böse. Sie ist ein Gegenstand. Schlussendlich ist es der Mensch, der die Waffe bedient und eingesetzt: Als Sportgerät, als Arbeitsgerät und leider auch als Tatwerkzeug. Schützen übernehmen aber bewusst und sichtbar ihre Verantwortung. Am eidgenössischen Feldschiessen ist dies zu sehen!



























