Der Biber im Kanton St.Gallen

SG. Der Biber ist auf dem Vormarsch. Seit einigen Jahren kann unser grösstes einheimisches Nagetier wieder im Einzugsgebiet von Thur, Sitter und Rhein beobachtet werden.

Der aktuelle Bestand wird auf rund 30 Tiere geschätzt. Mit der Erarbeitung eines Management-Konzepts soll die Grundlage für einen optimalen Umgang mit dem Biber geschaffen werden. 

Der Biber auf dem Vormarsch

Die im Frühjahr 2008 abgeschlossene gesamtschweizerische Bestandesaufnahme durch die
Biberfachstelle des Bundes zeigt ein sehr positives Bild: Rund 1’600 Biber besiedeln wieder die
Gewässer der Schweiz. Der Biber wurde im 19. Jahrhundert in der Schweiz ausgerottet. In den
1960er Jahren fanden die ersten Freilassungen im Kanton Thurgau statt, so dass dieser seltene Nager auch in der Ostschweiz wieder heimisch wurde.

Die ersten sicheren Bibernachweise im Kanton St.Gallen stammen aus dem Jahr 2000, als der Biber in der Glatt in der Nähe von Gossau beobachtet wurde. Schon bald häuften sich die Nachweise im Unterlauf der Thur. Im Raum Niederbüren/Oberbüren hat sich der Biber in der Zwischenzeit fest niedergelassen. Einiges Erstaunen löste im Jahr 2006 eine Beobachtung im Raum Ebnat-Kappel aus, wo sich ein Biber buchstäblich durch einen Gartenhag nagte.  Einzelne «Pioniere» können offenbar weit umherwandern und auch in abgelegene, bisher nicht besiedelte Gebiete vorstossen. Nach einem ersten Bibernachweis am Oberlauf der Sitter, tauchte im Jahr 2006 im Eselschwanz am Alten Rhein der erste Biber im St. Galler Rheintal auf. Die Überraschung war gross, als im Sommer 2008 bei Oberriet ein weiterer Biber auftauchte. Bei Pflegearbeiten im Naturschutzgebiet Loo/Wichenstein wurden die typischen Frassspuren eines Bibers entdeckt. Wenig später tappte der wanderfreudige Geselle in eine Fotofalle.

Im Rahmen des gesamtschweizerischen Bibermonitorings wurde der Biberbestand auch im Kanton St.Gallen erfasst. Die vom WWF ausgebildeten lokalen Biberschützer haben in Zusammenarbeit mit den zuständigen kantonalen Wildhütern die Bestandesaufnahmen durchgeführt. Im Frühjahr 2008 schätzte man den Bestand im Kanton St.Gallen auf etwas mehr als 20 Biber in acht verschiedenen Revieren.

Im letzten Jahr hat sich der Biber im Rheintal offenbar sehr schnell ausgebreitet. Im Winter 2008/09 sind an folgenden Standorten Biber nachgewiesen worden:

– Eselschwanz (Biberfamilie mit Jungtieren)
– Balgach (Biberspur)
– Buchs, Werdenberger Binnenkanal (2 Tiere)
– Mündung des Liechtensteiner Binnenkanal
 
Ziele des Management-Konzepts
Im Kanton St.Gallen verzichten wir auf aktive Wiederansiedlungen des Bibers. Die Situation zeigt, dass der Biber durchaus in der Lage ist, das ursprüngliche Verbreitungsgebiet zurückzuerobern und geeignete Lebensräume selbständig zu besiedeln. Viel wichtiger ist es, dass wir uns gut auf die Rückkehr des Bibers vorbereiten und günstige Voraussetzungen für die Wiederbesiedlung weiterer Lebensräume schaffen. Zu diesem Zweck erarbeiten wir derzeit in enger Zusammenarbeit mit den Naturschutzorganisationen WWF und Pro Natura ein Biberkonzept. 

Ziel des Biberkonzeptes ist es, den Biber im Kanton St.Gallen zu schützen und zu fördern sowie Massnahmen zur Minimierung von Schäden zu erarbeiten. Das Biberkonzept beinhaltet im Wesentlichen folgende Themen:

– Bewertung möglicher Biberlebensräume im Kanton St.Gallen
– Aufzeigen von Defiziten und Aufwertungsmöglichkeiten in potenziellen
Biberlebensräumen
– Erarbeiten eines Schadenmanagements (Konfliktlösung, Schutzmassnahmen)
– Erarbeiten eines Informationskonzepts
 
Das Biberkonzept wird im Sommer 2009 abgeschlossen.
 

St.Gallen / 07.05.2009 - 08:10:03
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