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Dem Trauerspiel ein Ende bereiten

Kommentar. Im Fall rund um Armeechef Roland Nef aus Urnäsch hilft unabhängig von der Beweislage wohl nur ein klarer Entscheid. Und der müsste Abschied heissen.

Der Stolz in der Region war durchaus gross, als mit Roland Nef ein Urnäscher an die Spitze der Armee aufstieg. Nachdem sein Vorgänger Keckeis nicht zuletzt durch ein etwas undurchsichtig vom Bund mitfinanziertes Buch in die Kritik geraten war, stand Nef für einen sauberen Neuanfang. Die fachlichen Qualifikationen wurden ihm von allen Seiten attestiert.

Inzwischen bestreitet der Urnäscher praktisch im Alleingang den Kampf der Medien gegen das gähnende Sommerloch. Zugegeben: Die Enthüllungen, wonach Nef von seiner ehemaligen Freundin wegen Nötigung angezeigt worden sei, dass es angeblich zu «Stalking» in Form böser E-Mails und anderen unschönen Begleiterscheinungen einer zu Ende gehenden Beziehungen gekommen sei, sind für die Medienwelt zeitlich perfekt aufgetaucht. Aber nur die Nachrichtenflaute für die grosszügige Berichterstattung verantwortlich zu machen, wäre billig. Die Affäre Nef wäre auch im Herbst und im tiefsten Winter zur Schlagzeile geraten. Vor allem, weil sich die Anschuldigungen mit Dementi und diese mit neuen Anschuldigungen abwechseln. Mit dem Vorwurf, Nef habe sich das Schweigen seiner Ex-Freundin durch eine Art Schweigegeld erkauft und sei nur dank dieser Massnahme zum hohen Amt gekommen, hat der Fall einen neuen Höhepunkt erreicht.

Nicht mehr glaubwürdig
Einen Höhepunkt, der Handeln nötig macht. Inzwischen ist die Frage, welche der Vorwürfe zutreffen und welche nicht, schon fast nebensächlich. Ob ein Amtsinhaber tragbar ist oder nicht, hängt nicht nur von seiner Amtsführung ab, sondern auch davon, ob er glaubwürdig ist und Respekt geniesst. Nef könnte unschuldig sein wie ein Neugeborenes: Vor der Öffentlichkeit ist er schwer angeschlagen. Angesichts einer Armee, die ohnehin von Skandal zu Skandal schlittert und einem zuständigen Bundesrat, der lieber den Partei-Revoluzzer spielt, statt sich um sein Departement zu kümmern, ist der gesamte Militärkomplex derart angeschlagen, dass es nun mehr als je zuvor eine starke, von der Bevölkerung getragene und den Armeeangehörigen respektierte Persönlichkeit an der Spitze braucht. Diese Rolle kann Nef nach der medialen Schlacht der letzten Tage beim besten Willen nicht mehr übernehmen. Völlig egal, unter welchen Umständen das «Schweigegeld» zu seiner Ex-Lebenspartnerin geflossen ist.

Festes Ablaufdatum
Es ist eines der ewigen Mysterien, weshalb Amtsinhaber immer als allerletzte merken, dass sie nicht mehr tragbar sind. Während sich sogar das wohlgesinnte Umfeld längst fragt, warum sich der Betreffende das noch antut, obwohl er mit Sicherheit unter diesen Umständen nichts Positives mehr bewegen kann, hält – für den Moment – auch Roland Nef an seinem Posten fest. Es ist ein Verharren mit festem Ablaufdatum, denn es ist gar keine Frage, dass der Urnäscher sein Amt sehr bald räumen muss. Die Armee kann sich eine solche Spitze derzeit nicht leisten, und der einzige, der die Hand schützend über Nef halten könnte, ist ein Bundesrat, der berühmt dafür ist, für seinen eigenen Machterhalt kaltblütig alles zu opfern. Bundesrat Schmid ist in der Affäre selbst schwer angeschlagen, kann aber mit einem Befreiungsschlag etwas Zeit gewinnen. Und in welche Richtung dieser Schlag gehen wird, ist klar.

Appenzell AusserrhodenAppenzell Ausserrhoden / 09.12.2008 - 15:01:30