«Das Volk wurde übergangen»
AI. In Sachen Flurnamen und Ortsbezeichnungen in Innerrhoden ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Grossrätin Rahel Mazenauer im Interview.
Rahel Mazenauer, Grossrätin aus Meistersrüti, will die vorgesehenen Änderungen nicht kampflos hinnehmen. Im Interview erklärt sie ihre Motive. Lesen Sie hier die Informationen rund um den Flurnamen-Streit in Appenzell Innerrhoden.
Wieso engagieren Sie sich in dieser Sache, was stört Sie hauptsächlich an den geplanten Änderungen?
Rahel Mazenauer: Verschiedenes. Zum einen wurde die Bevölkerung übergangen und darf nicht mitreden. Mit Appenzell haben wir eine etablierte Marke in den Adressbezeichnungen, die nun einfach verloren gehen soll. Zudem fallen hier viel Kosten für keinerlei Nutzen an, und es handelt sich um Steuergelder. Es macht doch keinen Sinn, dass sich ein Kleinkanton mit 15’000 Einwohner auf diese Weise aufspalten muss. Mit dem Verlust von Flur- und Gebietsnamen geht eine weitere Eigenheit von Appenzell verloren. Andere Kantone stellen auch nicht alles auf den Kopf für diese Registerharmonisierung und Volkszählung.
An alten Traditionen hält man immer gern fest, man gewöhnt sich aber auch schnell an Neues. Hätte es denn tatsächlich so grosse, vielleicht sogar wirtschaftliche Auswirkungen, wenn beispielsweise Meistersrüte auch Postanschrift wäre?
Adressänderungen haben kurzfristig für alle finanzielle Auswirkungen. Das Gewerbe muss Logo und Briefpapier ändern, ebenso die Webseite, Autobeschriftungen und vieles mehr. Und langfristig würde kein Gewerbe mehr in Meistersrüte, Steinegg und so weiter ansässig, da Appenzell als Marke von selbst arbeitet. Wer kennt schon Meistersrüte? Und zudem sprechen wir es ‹Meschrüti› aus – wie wird das geschrieben? Bei jeder Adressweitergabe besteht da Erklärungsbedarf.
Beobachter von aussen sagen, die Situation in Innerrhoden mit zum Teil gleichnamigen Adressen sei unübersichtlich, deshalb müsse das Ganze harmonisiert werden. Halten Sie das im Alltag für kein Problem?
Was macht so ein Mensch zum Beispiel in Zürich? Viele haben GPS im Auto, oder dann muss man eben fragen. Bei uns kennt man sich. Bezüglich Rettung und Feuerwehr muss nicht an der Adresse etwas geändert werden, sondern an den Suchfunktionen. Und laut Feuerwehr und Rettung ist es in Innerrhoden kein Problem.
Federführend bei der ganzen Sache ist eigentlich der Bund, der Kanton führt nur aus und setzt um. Erwarten Sie nun von der Standeskommission, dass sie sich aktiv gegen die Pläne des Bundes stemmt?
Der Bund gibt nur Empfehlungen, und die lassen sehr viel Spielraum offen bezüglich Adressbildung. Jedenfalls sagen diese Empfehlungen auch, man soll möglichst nicht zu viele Änderungen vornehmen.
Glauben Sie, dass eine Mehrzahl der Menschen in Innerrhoden Ihre Befürchtungen teilt?
Ich hoffe es, glaube aber, dass sich viele noch nicht bewusst sind, was es heissen würde, wenn der Kanton das durchzieht. Anscheinend wären es etwa 10`000 Einwohner, die eine Andressänderung vornehmen müssten.



























