Das traditionsreiche Wirtshaus «Kreuz» ist Vergangenheit

Wolfhalden/AR. In den letzten Tagen wurde das traditionsreiche, am vielbegangenen Witzwanderweg gelegene Wirtshaus «Kreuz» in Wolfhalden abgebrochen. Als letzte Wirtin geht Erika Signer in die von vielen Wechseln geprägte «Kreuz»-Geschichte ein.

Das «Kreuz» im Weiler Hub in Zelg-Wolfhalden gehört zu den alten Orten der Einkehr am Weg von Heiden nach Walzenhausen. 1875 fiel das Gebäude einer Feuersbrunst zum Opfer. Eigentümer Christian Jakob baute leicht zurückversetzt ein neues «Kreuz», wo später Johannes Hohl als Wirt wirkte. 1923 wurde die stattliche Liegenschaft vom Herisauer August Güntensperger erworben. August junior trat 1935 in die Fussstapfen des Vaters, und gemeinsam mit Gattin Lina wurde der nebst dem Restaurant auch Gästezimmer, Landwirtschaftsbetrieb, Kolonialwarenladen und Kleintransporte umfassende Mehrfachbetrieb weitergeführt.

Haus für bodenständige Musik
Jetzt wurde das Haus zum Mekka für Freunde bodenständiger Musik. Wie die Eltern waren auch die Söhne Willi und Kurt überaus musikalisch, so dass im «Kreuz» regelmässig musiziert wurde. Die volkstümlichen Klänge fanden grossen Anklang, so dass das «Kreuz» an Samstagen und Sonntagen aus allen Nähten zu platzen drohte. Nach der 40jährigen Ära Güntensperger wurden 1963 Hans und Mina Tobler neue «Kreuz»-Wirtsleute, die dann aber fünf Jahre später in die «Harmonie» im Sonder (Wolfhalden) wechselten, wo Tochter Ruth noch heute als Wirtsfrau tätig ist.

Hort der guten Literatur

Als neue Wirtsleute begannen nun Camilla und Ueli Frehner-Vogel im «Kreuz» zu wirken, und auch jetzt war das traumhaft gelegene Restaurant gerne aufgesuchter Ausflugsort. 1980 folgten Angehörige der vom «Falken», Walzenhausen, stammenden Familie Wild als Wirte. Wirtin ab 1985 war Ida Kellenberger-Buschor, die 1988 den «Ochsen», Zelg, übernehmen konnte.

1989 hielten Werner Bucher und Irene Bosshart im «Kreuz» Einzug, das nun zum Hort der guten Literatur wurde. Das Paar betrieb in der Wirtschaft den Orte-Buchverlag und verlegte hier die renommierte Schweizer Literaturzeitschrift «Orte». 2006 bot sich dem Paar Bucher/Bosshart die Gelegenheit, die Wirtschaft «Reutegg» hoch über Oberegg zu erwerben.

Vom Restaurant zum Wohnhaus
Als letzte Wirtin im «Kreuz» geht Erika Signer in die wechselvolle Geschichte des Hauses ein. Ende April/Anfang Mai 2009 wurde das stattliche Gebäude samt der benachbarten Remise abgebrochen. In den kommenden Wochen und Monaten werden die Firmen Baugeschäft Hohl AG, Heiden, und Holzbau Nägeli AG, Gais, ein neues Wohngebäude im Heidenhausstil erstellen. Damit verschwindet nach den Restaurants «Grüner Baum», «Grütli», «Erika», «Rose», «Hirschen», «Schweizerbund», «Gemsli» und «Fernsicht» eine weitere Gaststätte im äusseren, an Walzenhausen und Lutzenberg grenzenden Gemeindeteil von Wolfhalden.

Noch bestehende Restaurants im erwähnten Gebiet sind der «Ochsen» (Zelg), die «Blume» (Plätzli), die «Harmonie» (Sonder) und die Besenbeiz (Högli). Derzeit ist im Museum «Alte Krone» in Wolfhalden eine informative Ausstellung rund um verschwundene Wirtschaften und Pensionen zu bewundern. Das Museum ist jeden Sonntag von 10 bis 12 Uhr geöffnet.

Appenzell Ausserrhoden / 05.05.2009 - 08:36:02
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