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Das Steuerparadies für Unternehmen

Herisau. Überall, wo Ausserrhoden die tiefsten Unternehmenssteuern der Schweiz vorstellt, sind Treuhänder und Banker in Massen gekommen.

In München, Stuttgart, Zürich, Winterthur und Herisau: Jedes Mal war das Interesse der Finanzberater am neuen attraktiven Steuerklima Ausserrhodens enorm: Bereits 2007 hätten die Firmengründungen im Kanton zugenommen, sagt der Ausserrhoder Wirtschaftsförderer Ruedi Aerni.

Weit vorn
Die Anfragen häufen sich. Punkto Interesse seien die Erwartungen erfüllt, sagt Aerni. Jetzt geht es darum, konkrete Ansiedlungsprojekte zu realisieren. «Wenn die Mittler ihre Kunden entsprechend motivieren, sollte sich etwas bewegen», sagt Aerni.

«Das starke Steuersignal aus Ausserrhoden ist angekommen», stellt Finanzdirektor Köbi Frei fest. Sein Steuersignal heisst: Zusammen mit Obwalden die tiefsten Unternehmenssteuern der Schweiz, hinter Bulgarien, Zypern und Irland der attraktivste Steuerstandort Europas mit nur sechs Prozent kantonaler Steuerbelastung. Mit der Bundessteuer sind es 12,5 Prozent.

Herzensangelegenheit
Die Wurzel der tiefsten Unternehmenssteuern lägen in der Vergangenheit, sagt Köbi Frei. Seit 600 Jahren seien tiefe Steuern ein wichtiges Anliegen der Appenzeller – so wichtig, dass sie Anlass zu den Unabhängigkeitskriegen waren.

Als sich die Appenzeller weigerten, dem Fürstabt von St. Gallen weiterhin den Zehnten abzuliefern, holte der Kirchfürst die Habsburger gegen die unbotmässigen Bauern zu Hilfe. Aber die Appenzeller besiegten das starre österreichische Heer bei Vögelinsegg und am Stoss auf etwas unkonventionelle Art.

«Seither sind tiefe Steuern eine appenzellische Herzensangelegenheit», sagt Köbi Frei. Der Kanton hat Probleme: Die Bevölkerung schrumpft, der einstige Industriekanton braucht eine andere Wirtschaftsstruktur. Gefragt sind jetzt Dienstleister.

In der Mitte
Europäisch gesehen liege Ausserrhoden nicht «am Rand» sondern zwischen Stuttgart, München und Mailand, sagt Ruedi Aerni. Der Wirtschaftsförderer propagiert die unbürokratische Unterstützung durch die Behörden, attraktive Löhne, niedrige Lohnkosten, tiefe Baulandpreise.

Punkto finanzieller Wohnattraktivität liege Ausserrhoden an sechster Stelle der Kantone, sagt der Banker Thomas Rühl: Das bedeutet, das frei verfügbare Einkommen ist hier besonders hoch, deutlich über dem Schweizer Durchschnitt.

Die Steuerexperten rechnen vor: Eine Gesellschaft bezahle in Ausserrhoden bei einer Million Gewinn 126’600 Franken Steuern. In Deutschland müsste sie 400’000 Franken bezahlen, Ersparnis: satte 273’400 Franken. Auch Aktionäre kommen in Ausserrhoden besser weg als in den Kantonen der Region und viel besser als in Deutschland.

Gemeinden müssen Steuern senken
Für 2010 kündigt Köbi Frei eine weitere Steuergesetz-Revision an. Dabei gehe es um die Entlastung kleinerer und mittlerer Einkommen und die Senkung der Vermögensteuer. Dann aber sei der kantonale Spielraum ausgereizt.

Doch jetzt müssten die Steuerfüsse in den Gemeinden purzeln. Ausserdem werde der Bund die Unternehmenssteuer mit der Zeit ebenfalls senken, sagt Frei.

Zum Schluss der Informationsveranstaltungen der Ausserrhoder Finanzfachleute wurden jeweils Siedwürste, Chäshörnli und Chäsflade serviert. Der Andrang der «Mittelsmänner», darunter ganz wenige Frauen, am warmen Buffet war enorm.

Appenzell AusserrhodenAppenzell Ausserrhoden / 03.01.2008 - 09:58:00