
«Das kostet Nerven»
Teufen. Im Mai 2010 wird Gerhard Frey als Gemeindepräsident den Hut nehmen. Bis dann hat er noch einiges vor, wie er kürzlich in einem Interview offen legte.
Eigentlich wollte Gerhard Frey im kommenden Mai zurücktreten, doch gestaltet sich die Suche nach einem Nachfolger offenbar schwierig (siehe Artikel). Nun bleibt er bis Mai 2010. In der Zwischenzeit wollen die Parteien versuchen, die Entschädigungsfrage für das Gemeindepräsidium neu zu regeln. Offenbar hat man Mühe, geeignete Kandidaten zu finden mit dem heutigen Honorarreglement. Allerdings wurde auch nicht gerade für die Bevölkerung sichtbar gesucht, sondern wohl eher nur hinter den Kulissen.
Im Ostschweizer Unternehmermagazin LEADER hat Gerhard Frey vor wenigen Wochen in einem grossen Interview über seine Art der Amtsführung, die Herausforderung für Teufen und künftige Projekte gesprochen. Wir publizieren das Interview aus gegebenem Anlass leicht gekürzt:
Gerhard Frey, Sie haben früher bei der damaligen PTT Telecom bis zu 1200 Personen geführt. In Teufen sind es rund 250 Personen auf der Lohnliste, verteilt auf 175 Stellen. Rein quantitativ haben Sie also einen Abstieg hinter sich?
Das sehe ich nicht so. Nach meinem Verständnis gibt es gewisse Phasen im Leben, die entsprechenden Zeitintervalle liegen für mich bei sieben bis elf Jahren. Danach ist Zeit für eine neue Herausforderung. Ich musste damals beim Übergang von der PTT Telecom zur Swisscom viele in die Frühpensionierung schicken. Es schien mir angezeigt, für mich nicht mehr in Anspruch zu nehmen als das, was für diese Menschen galt, also bin ich mit 55 Jahren aus dem Unternehmen geschieden. Ende 1999 habe ich meinen Geschäftspartnern eine Karte mit einem Segelmotiv geschickt, auf der «Aufbruch zu neuen Ufern» stand. Allerdings hatte ich damals keine Ahnung, welche Ufer das sein würden… Ein halbes Jahr später war ich Gemeindepräsident von Teufen. Ungeplant und als Quereinsteiger.
Sie wurden damals für eine Kandidatur angefragt und hätten auch einfach Nein sagen können.
Ich war nach der Führungsaufgabe in einem Unternehmen bereit, mich für die Öffentlichkeit zu engagieren. Und ich hatte eine konkrete Motivation: Unser System funktioniert meiner Meinung nach nur dank dem Einsatz von Menschen, deren Arbeit nicht der Karriere dient, sondern die sie als Beitrag zugunsten der Allgemeinheit verstehen.
Wäre die Swisscom direkt nach der Umwandlung von der ehemaligen PTT Telecom kein reizvolles Feld gewesen?
Ich habe ja in meiner Periode den Wechsel vom Monopolisten zum börsenkotierten Unternehmen noch mitgemacht. Unsere Aufgabe war es, mehr als 1000 Mitarbeitende auf die neuen Strukturen vorzubereiten und einen eigentlichen «mind change» zu erreichen. Ich bin rückblickend durchaus stolz darauf, wie gut uns das gelungen ist. Es war eine Kehrtwende um 180 Grad.
Mussten Sie nach dem Amtsantritt bei einer Gemeindeverwaltung ebenfalls eine solche einleiten?
Ich erinnere mich an einen meiner ersten Sätze nach der Wahl. Er lautete: Die Gemeindeverwaltung ist für die Einwohner da – und nicht umgekehrt.
Hat man das gerne gehört?
Ich habe noch weitere Aussagen in diese Richtung gemacht, die nicht alle gut ankamen. So habe ich beispielsweise gesagt, dass die Fluktuationsrate bei der Verwaltung mindestens bei sechs bis acht Prozent liegen sollte, damit es eine gewisse Auffrischung gibt.
Sie sind damals angetreten unter der Voraussetzung, dass Sie damit keinem Jüngeren vor der Sonne stehen. Letztlich waren Sie dann der einzige Kandidat. Worauf führen Sie das zurück?
Das hat wohl unter anderem mit dem Verständnis von Demokratie in unserem Kanton zu tun. Mit Ausnahme von Herisau sind alle Gemeindepräsidenten teil- oder nebenamtlich tätig. Selbst die Mitglieder der Regierung sind ja im Haupt- und nicht im Vollamt gewählt. Auch in Teufen, immerhin zweitgrösste Gemeinde im Kanton, handelt es sich um ein Teilamt, das zudem finanziell nicht besonders lukrativ ist. Für Leute mit Führungserfahrung in der Wirtschaft ist das Amt daher aus dieser Perspektive vermutlich nicht sehr attraktiv.
In der Privatwirtschaft ist klar, dass man gut zahlen muss, um fähiges Personal zu finden. Müsste das bei einer Gemeinde nicht ebenso sein? Sie arbeiten ja vermutlich in der Realität nicht Teil-, sondern Vollzeit.
Es ist tatsächlich ein gewisser Spagat, den man hier machen muss. Für Menschen, die ein solches Amt ausführen möchten und davon leben müssen, sollte man das miteinander vereinbar machen. Bei früheren Wahlen wurde das Amt des Gemeindepräsidenten hier in Teufen als 50-Prozent-Job bezeichnet. Ich sage dazu spasseshalber: Das kann schon stimmen, die Frage ist nur, von welchem Wert man 50 Prozent nimmt: Von 8 Stunden oder von 24?
Gleichzeitig haben Sie das Amt als faszinierend bezeichnet. Sehen Sie das immer noch so?
Absolut. Der Spielraum ist gross, die Aufgaben sind ausserordentlich vielfältig. In unserem politischen System erledigen die drei Ebenen Bund, Kantone und Gemeinden die ihnen zugewiesenen Aufgaben; der Bund beispielsweise Aussenpolitik, der Kanton Gesundheit und Sicherheit, die Gemeinde Schule und soziale Dienste. Bei diesen Aufgaben ist jede Ebene direkt dem Stimmbürger gegenüber verantwortlich. Deshalb stehen Bund, Kantone und Gemeinden für mich auf gleicher Stufe, nicht in einer Über- und Unterordnung. Ich habe zudem keinen Verwaltungsrat, Aktionäre oder eine Delegiertenversammlung über mir, sondern die Gesamtheit der Bevölkerung. Daraus ergibt sich der erwähnte Spielraum.
Wie stellen Sie den Dialog mit der Bevölkerung sicher, der Sie Rechenschaft ablegen müssen?
In Teufen gibt es keine Einwohnerversammlung mehr, sie wurde auf Initiative der Bevölkerung abgeschafft, weil der Prozentsatz der Teilnehmenden als zu klein betrachtet wurde. Statt dessen führen wir bei wichtigen Geschäften öffentliche Orientierungsversammlungen durch. Wenn man kein Parlament und keine Gemeindeversammlung hat, werden automatisch mehr Fragen an der Urne entschieden, gleichzeitig hat der Gemeinderat etwas mehr Kompetenzen. Letztlich ist das die demokratischere Lösung, weil die Stimmbürger öfter entscheiden können.
Können Sie aus eigener Initiative zumindest eine spontane Idee in erster Phase aufgreifen und vielleicht einen Versuchsballon starten?
Das können wir durchaus. Der fundamentale Unterschied ist, dass in der Wirtschaft zum Schluss der Chef den Entscheid fällt und die Verantwortung trägt. In der Politik gibt es diese Hierarchie in dieser Weise nicht, am Ende fällt ein demokratischer Entscheid unter neun Gemeinderatsmitgliedern oder 4000 Stimmberechtigten. Das ist die Ursache für den grösseren Zeitbedarf. Ich erinnere mich an meine erste Sitzung im Gemeinderat: Wir diskutierten eine halbe Stunde an einer Sache herum, bis ich sagte, dass genug geredet sei und wir nun einen Entscheid fällen sollten. Das hat einen kleinen Aufruhr verursacht, und mir als Quereinsteiger wurde erklärt, dass das nicht so funktioniert.
Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Sie wollen Teufen verstärkt als Standort von Unternehmen im Gesundheitsbereich positionieren. Wenn Sie diese Idee erst einmal haben, können Sie dann einfach loslegen?
Natürlich diskutieren wir eine solche Idee zunächst im Gemeinderat. In diesem Fall haben wir danach zwei Studien in der Form von Diplomarbeiten von Absolventen der Fachhochschule St.Gallen in Auftrag gegeben. Aus dem Ergebnis heraus haben wir die Arbeiten daran weiter getrieben und sind voraussichtlich Ende Jahr in der Lage, über diese standortstrategische Ausrichtung unter dem Arbeitstitel «Gesundheitsressort Teufen» zu entscheiden. Derzeit arbeiten wir zudem an Verbesserungen im öffentlichen Verkehr: Die Konzentration der Einkaufsmöglichkeiten im Zentrum führt dazu, dass Einwohner, die nicht so mobil sind, Probleme haben, zu den Läden zu gelangen. Für den Aufbau eigener Verkehrsbetriebe ist Teufen zu klein. Wir denken deshalb an eine Lösung in der Art des bekannten Publicar. Das ist eine Idee, die wir verfolgen, später wollen wir an einer Orientierungsversammlung prüfen, wie die Bevölkerung darüber denkt. Danach wird es eine Abstimmungsvorlage geben, und dort ist die Frage, ob die Bürger bereit sind, dafür Geld auszugeben.
Das sind Beispiele für den erwähnten Spielraum, den man als Gemeinde hat?
Richtig. In solchen Fragen besteht die Freiheit, etwas zu tun oder es nicht zu tun. Theoretisch könnten wir auch die Hände in den Schoss legen und warten, bis die Bevölkerung selbst die Initiative ergreift. Aber wir verstehen unsere Aufgabe anders, wir wollen innovativ sein und vorangehen. Teufen wird in verschiedenen Bereichen immer wieder als Lokomotive von Ausserrhoden betrachtet. Die Gemeinde hat eine optimale Grösse: Wir sind kleiner und daher beweglicher als Herisau, haben aber mehr Möglichkeiten als ganz kleine Gemeinden.
Wie viele dieser Anstösse müssen von Ihnen persönlich kommen?
Da liegt eben ein weiterer Unterschied: Führungspersonen in der Privatwirtschaft werden nach einem langen Evaluationsprozess ausgewählt und stellen danach 100 Prozent ihrer Arbeitsleistung dem Unternehmen zur Verfügung. In einer Gemeinde ist der Auswahlprozess schwammiger, bei der Wahl eines Gemeinderates spielt nicht nur der Leistungsausweis eine Rolle, es kommen persönliche Kriterien dazu. Und nach der Wahl ist der Betreffende nur nebenamtlich und mit eingeschränkten zeitlichen Möglichkeiten tätig. Ein Gemeindepräsident ist daher als Vordenker und Initiator gefordert, weil er sich mit diesen Fragen am meisten und stärksten beschäftigt.
Vordenker, Initiator und Kritiker. Sie sind bekannt dafür, dass Sie kein Blatt vor den Mund nehmen, beispielsweise im Dialog mit dem grossen Nachbarn, der Stadt St.Gallen, wenn es um Themen wie Lastenausgleich oder Pendlerströme geht. Sind Sie ein einsamer Rufer in der Wüste?
Dank meinem Werdegang habe ich den Vorteil, unabhängig zu sein. Ich muss keine Rücksicht mehr auf eine spätere Karriere nehmen. Das ist ein Umstand, den man gar nicht hoch genug schätzen kann. Was die erwähnten Diskussionen angeht: Das hat auch mit dem unterschiedlichen historischen Hintergrund zu tun. 2013 wird Ausserrhoden 500 Jahre Zugehörigkeit zur Eidgenossenschaft feiern, St.Gallen beging vor wenigen Jahren das 200-Jahre-Jubiläum. St.Gallen ist fürstäbtisch geprägt, Ausserrhoden basisdemokratischer. Daraus ergibt sich ein anderes Selbstverständnis, eine andere Identität. Und diese wollen wir bewahren.
Sehen Sie sie gefährdet?
Eine mögliche Gefahr sieht man am Beispiel Zürich: Die Gemeinden in der Agglomeration der Stadt gehen in dieser auf. Das ist eine Entwicklung, die wir nicht wollen, wir möchten unsere Kraft zur Wahrung und Pflege der eigenen Identität einsetzen. Die Kantonsgrenze zwischen uns und St.Gallen ist dabei sicher hilfreich. Fördern wollen wir die Identität auch mit unserer aktiven Vereinsinfrastruktur und einem besseren Verhältnis zwischen Wohnen und Arbeiten. Teufen ist eine bevorzugte Wohnlage; das ist positiv, aber es besteht deshalb eine Neigung zum reinen Wohnort. Das ist auch der Grund für Initiativen wie diese zu einem Gesundheitsressort.
Gleichzeitig gehört Teufen bei aller Abgrenzung eindeutig zur Region St.Gallen.
Das ist die andere Seite. Wir sind Bestandteil der Region St.Gallen, sei es wirtschaftlich, verkehrstechnisch oder kulturell. Die Verflechtungen sind sehr eng. Überspitzt gesagt: Geht es St.Gallen gut, dann geht es auch Teufen gut – und umgekehrt. Trotzdem wollen wir die eigene Identität wahren, und diese beiden Elemente unter einen Hut zu bringen, ist eine Herausforderung. Dazu kommt, dass die Wirtschaftsregion Ostschweiz verglichen mit Bern, Basel und Zürich zu wenig wahrgenommen wird. Bei aller Eigenheit, die wir schützen wollen, müssen wir also auch zusammenstehen und die ganzheitliche Situation verbessern. Mit dem aktuell amtierenden Stadtrat von St.Gallen haben wir diesbezüglich grosse Fortschritte gemacht, das Verhältnis ist heute wesentlich entspannter und kooperativer als noch vor einigen Jahren. Und das zum Nutzen beider Seiten. Aber ich will festhalten: Als Juniorpartner werden wir auch künftig darauf achten, nicht «eingesackt» zu werden.
Teufen steht im Wettbewerb der Standorte, auch bezüglich Zuzüger. Wie stark forcieren Sie das Wachstum?
Auf kantonaler Ebene läuft das Projekt «Bauen und Wohnen», da Ausserrhoden bevölkerungsmässig seit Jahren eine unterdurchschnittliche Entwicklung verzeichnet. In dieser Beziehung ist Teufen die Ausnahme, wir weisen einen mässigen, aber ständigen Zuwachs auf. Das ist auch unser Ziel, aber nur in dem Ausmass, dass sich die Neuzuzüger integrieren lassen und die Gemeinde nicht in der Anonymität versinkt.
Günstige Familienwohnungen scheinen in Teufen eher Mangelware. Das steht diesem Ziel doch entgegen.
Wo die Steuern tief sind, da sind die Bodenpreise höher. Wir gehören steuermässig je nach Einkommensklasse zu den attraktivsten drei Gemeinden in der Ostschweiz – und das wollen wir gemäss unserem Leitbild auch bleiben. Kommt dazu, dass Teufen durch die Hanglage nicht prädestiniert ist für grosse Wohnblöcke, in denen die einzelne Wohnung entsprechend günstig ist. Andererseits wird seit Jahren bekanntlich beklagt, dass die Schweizer ein Volk von Mietern seien. Die Eigentümerquote liegt bei etwas über 30 Prozent – in Teufen sind es mehr als 50 Prozent. Wir haben also das, was ständig gefordert wird, erfüllt. Die Kehrseite ist, dass der Markt an Mietwohnungen kleiner ist, da vor allem Eigentum gebaut wird. Das ist eine gewisse Problematik, aber die Möglichkeiten der Gemeinde sind beschränkt. Wir bieten um die 50 oder 60 gemeindeeigene Wohnungen an, betrachten es aber nicht als Aufgabe der öffentlichen Hand, im Wohnungsmarkt tätig zu sein. Das können Private besser.
Teufen ist nicht nur die Oase der Wohneigentümer, sondern auch der Gutbetuchten, wenn man den Klischees glaubt. Wieso dient Ihre Gemeinde als Paradebeispiel für ein Millionärsparadies?
Das war schon immer so. Nehmen Sie das Buch «Die Geschichte von Teufen». Dort ist beschrieben, wie bereits vor 100 und mehr Jahren wohlhabende Textilunternehmer ihre Firma an der Teufenerstrasse in St.Gallen betrieben und in Teufen wohnten.
Dann ist es kein Klischee und heute noch so?
Eine gute gesellschaftliche Durchmischung ist unser Ziel. Ich prüfe jeden Monat die Liste «Zu- und Wegzüge in der Gemeinde». Dort sind jeweils auch die Berufsangaben verzeichnet. Ich stelle fest, dass die Zuzüge aus sämtlichen Bereichen, vom Arbeiter bis zum CEO, kommen. Deshalb habe ich keine Angst, dass die gesellschaftliche Schichtung einseitig wird, sie ist sogar breit gefächert. Von aussen wahrgenommen werden meist nur einzelne Personen, die nach Teufen ziehen, und der Gesamteindruck, der daraus abgeleitet wird, stimmt nicht mit der Realität überein.
Dazu kommt, dass einige der Zuzüger exponierte Persönlichkeiten sind, die zu reden geben. Reiche Neuankömmlinge lösen oft Neid aus. Dabei könnte man sich doch auch über die neuen Steuerzahler freuen?
Neid muss man sich verdienen. So gesehen werden wir gerne beneidet. Wenn man noch tiefer bohrt, stellt man fest: 20 Prozent der Einwohner zahlen 80 Prozent der Steuern. Dank dieser Erträge können wir uns auch eine überdurchschnittliche Infrastruktur leisten. Sportanlage, Schwimmbad, Dreifachturnhalle, neues Schulhaus und neues Alterszentrum: Das alles wurde und wird mit Steuergeldern finanziert. Nutzniesser sind nicht einzelne, sondern die breite Bevölkerung. Es gibt also einen klaren Interessensausgleich zwischen sogenannten Wohlhabenden und sogenannten Normalverdienern.
Und diese Wohlhaben sind kein Klumpenrisiko?
Nein, ganz klar nicht. Ich sage immer: Wir wollen ein Tausendfüssler sein und nicht auf einem einzigen Bein stehen. Wir hatten übrigens auch schon Wegzüge aus Teufen nach Appenzell oder Zug zu verzeichnen. Einem Tausendfüssler wird das nicht zum Verhängnis.
Könnten Sie sich vorstellen, noch einmal auf eine andere Ebene zu wechseln, beispielsweise innerhalb der Politik?
Nein. Ich bin ganz klar ein Auslaufmodell werde und keine neuen unbefristeten Aufgaben mehr übernehmen. Dass ich auch im Kantonsrat sitze, hat ebenfalls praktische Gründe: In meinen ersten zwei Jahren im Amt sass kein Vertreter unserer Gemeinde für Teufen im Kantonsrat. Wir haben es als Mangel empfunden, dass diese Verbindung nicht besteht. Darauf folgte die Diskussion, wer das übernehmen könnte – und es hiess schliesslich, das sei eine präsidiale Angelegenheit.
Gehören solche Zusatzaufgaben zum erweiterten Pflichtenheft eines Gemeindepräsidenten?
Es wird ganz allgemein unterschätzt, was neben der eigentlichen Funktion noch alles damit verbunden ist – insbesondere, wenn man einer der grösseren Gemeinden im Kanton wie Herisau, Heiden oder eben Teufen vorsteht. Wenn beispielsweise ein Vorsitzender der Gemeindepräsidenten gesucht wird, klopft man zuerst dort an. Oder auch, wenn es um die Brücke zwischen öffentlicher Hand und Wirtschaft geht. Ich bin unter anderem Präsident der AR-NET Informatik AG, einer Firma, die das EDV-Netzwerk über den ganzen Kanton und ein Rechenzentrum betreibt. Hier gehen Privatwirtschaft und öffentliche Hand fliessend ineinander über.
Zur Person
Gerhard Frey war bis Ende 1999 Leiter der Ostschweizer Direktion der Telecom PTT und begleitete den Übergang zur Swisscom. Seit dem Jahr 2000 wirkt er als Gemeindepräsident von Teufen und vertritt die FDP im Ausserrhoder Kantonsrat. Er wird im Mai 2010 als Gemeindepräsident zurücktreten.