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Das Holz-Feuer brennt

Urnäsch. In der Heizzentrale des Wärmeverbunds Urnäsch wird nun gefeuert. Kann Holz ab jetzt das Heizöl ersetzen?

Die in den letzten Monaten erstellte Heizzentrale der Wärmeverbund Urnäsch AG ist seit letzten Samstag in Betrieb und gibt über das ebenfalls neu erstellte, rund drei Kilometer lange Leitungsnetz Wärme an die Bezüger ab. Vor der Inbetriebnahme wurden die Aktionäre an Ort und Stelle über die Anlage und deren Funktionieren.

Gegen 70 Liegenschaften werden im Verlaufe der nächsten Tage und Wochen ans Urnäscher Fernwärmenetz angeschlossen. «Wir hoffen, dass die Wärmeübergabestationen in den einzelnen Häusern jetzt rasch installiert und in Betrieb genommen werden», sagt Gemeindeförster Christian Schaerer, der für den Betrieb der Heizzentrale verantwortlich ist. Vorerst genügt es, wenn nur der kleinere Holzheizkessel befeuert wird, «doch je rascher wir auch den grossen Heizkessel in Betrieb nehmen können, desto besser die Rentabilität der ganzen Anlage.»

Geschlossenes Fernwärmenetz
Das Fernwärmenetz ist rund drei Kilometer lang und verbindet die Heizzentrale im Unterdorf mit dem engeren Dorfkern. In östlicher Richtung dehnt sich das Netz bis zum Reka-Feriendorf und in Richtung Westen bis ins Gebiet Restaurant Sonne aus. Separate Stränge führen zur Schulanlage Mettlen und zum Heim Columban.

Wirtschaftlichkeit vorausgesetzt sind später auch noch weitere Anschlüsse ans Netz möglich. Das in der Heizzentrale auf 75 bis 85 Grad erwärmte Wasser fliesst in einem geschlossen Kreislauf durchs Leistungsnetz.

In Wärmeübergabestationen mit Wärmetauschern in den angeschlossen Liegenschaften wird dem Wasser Wärme entzogen, die dann ganzjährig für die Warmwasseraufbereitung und in der kälteren Jahreszeit auch zum Heizen genutzt wird. Mit dem mit der Fernwärmeversorgung möglichen Ersatz von Heizöl durch Holz kann der Kohlendioxidaustoss pro Jahr um etwa 1500 Tonnen reduziert und gleichzeitig einheimisches Holz sinnvoll verwertet werden.

Insgesamt hat die Wärmeverbund Urnäsch AG gegen sechs Millionen Franken investiert. Für Bau und technische Infrastruktur waren das Ingenieurbüro Schällibaum + Partner, Wattwil/Herisau, sowie die Hälg & Co. AG, Engineering, St.Gallen, zuständig.

Heizzentrale und Schnitzelhalle
In der Heizzentrale im Unterdorf stehen zwei Holzschnitzel-Heizkessel mit einer Leistung von 1600 beziehungsweise 600 Kilowatt. Dazu kommt noch ein Ölheizkessel mit einer Leistung von 1600 Kilowatt. Damit kann der Wärmebedarf bei Spitzenlasten bei sehr tiefen Aussentemperaturen oder beim Ausfall eines Holzschnitzel-Heizkessels abgedeckt werden.

In der an die Heizzentrale angebauten Holzschnitzelhalle können rund 1500 Kubikmeter Holzschnitzel gelagert werden, was bei einer extremen Kälteperiode für die Wärmeversorgung während drei Wochen ausreichen sollte. Die Beschickung der Öfen erfolgt vollautomatisch über einen Schubboden und zusätzliche Förderschnecken.

Der jährliche Schnitzelbedarf wird auf 9000 Kubikmeter geschätzt, etwa 5000 Kubikmeter davon stammen aus Urnäscher Wäldern, 2000 Kubikmeter aus nahen Sägereien und der Rest wird in der Umgebung zugekauft.

Damit kann der theoretische Heizölbedarf von rund 300 Einfamilienhäusern abgedeckt werden. Dank einem Elektrofilter erreichen die Staubemissionen nur 15 Prozent des zulässigen Grenzwerts und entsprächen damit auch einer allfälligen verschärften Luftreinhalteverordnung.

Bei der Schnitzelhalle ist ein Lagerplatz für Rundholz eingerichtet, von dem aus direkt in die Lagerhalle gehäckselt werden kann. Bei der Beschaffung der Holzschnitzel arbeitet der Gemeindeförster eng mit Heinrich Baumann zusammen, der in der Zürchermühle eine eigene Firma für Holzschnitzel betreibt.

Wärmebezüger als Aktionäre
Hinter dem Wärmeverbund Urnäsch AG standen zu Beginn die Gemeinde Urnäsch, die Elektrizitätswerk Urnäsch AG sowie die Säntis Naturstrom AG. Die drei Träger waren je zu einem Drittel am Aktienkapital der Wärmeverbund Urnäsch AG von insgesamt 300 000 Franken beteiligt. Die Gemeinde Urnäsch und die Säntis Naturstrom AG stellen dem Wärmeverbund zudem ein verzinsliches Darlehen von je einer Million Franken zur Verfügung.

Im Hinblick auf die Inbetriebnahme tritt die Elektrizitäts-werk Urnäsch AG den Grossteil ihrer Aktien an die Säntis Naturstrom AG ab. Diese wird die Aktien ihrerseits an die Bezüger von Fernwärme abgeben oder auch an andere Interessierte verkaufen.

Grösste Aktionärin ist mit 120 Aktien die Säntis Naturstrom AG, die Gemeinde Urnäsch hält 100 Aktien und 20 Aktien liegen noch beim Elektrizitätswerk Urnäsch. Die am Aktienkapital der Wärmeverbund AG beteiligten Wärmebezüger werden an der Generalversammlung im kommenden Februar auch einen Vertreter in den Verwaltungsrat des Wärmeverbunds zur Wahl vorschlagen.

Um der Bevölkerung und weiteren Interessierten einen Einblick in das Funktionieren der Heizzentrale zu ermöglichen findet am Samstag, 3. November, 10 bis 17 Uhr, ein «Tag der offenen Tür» statt.


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Appenzell AusserrhodenAppenzell Ausserrhoden / 03.09.2007 - 13:00:00