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Das Geheimnis der Brücke

Ich bin froh, dass ich zur schreibenden Zunft gehöre, denn mit dem Sprechen habe ich ein wenig Mühe, seit...

..ich mir an diesem vermaledeiten Plastikkönig einen halben Zahn ausgebissen habe. Um mich herum haben alle gejubelt – also, nicht wegen dem Zahn – und irgendeiner hat mir diese dämliche Krone auf den Kopf gesetzt, während ich schon das Telefonbuch in der Hand hatte, um herauszufinden, welcher Notfall-Zahnarzt am Wochenende Dienst schiebt. Eigentlich sind meine Beisser ja in gutem Zustand, aber nach dieser kombinierten Weihnachten- und Silvester-Fresserei haben die Kariesbakterien ja bei jedem kurzfristig für einige Tage Oberwasser und schlagen dann natürlich heimtückisch zu, wenn sich so eine hervorragende Gelegenheit bietet wie eben mit diesem Plastikkönig.

Ich will jetzt hier nicht grundsätzlich über Traditionen wie den Dreikönigstag lästern, aber vielleicht müssten wir uns schon einmal Gedanken darüber machen, warum wir einmal im Jahr dieses klebrige Zeug essen in der dauernden Gefahr, uns an einem unförmigen weissen Stück Plastik zu verschlucken, das man nur mit sehr viel Fantasie als «König» erkennt. Und jeder, der einen Funken Selbstachtung im Leib hat, wird es entrüstet ablehnen, mit dieser billigen Papierkrone auf dem Kopf einen Tag lang herumzurennen.

Nun kann man sich natürlich fragen: Wieso kommt der Heri Sauer jetzt, wo schon fast wieder Mitte Jahr ist, mit dem Drei-Königs-Tag? Ganz einfach. Ich habe ausser dieser Sache mit dem Zahn im neuen Jahr noch nichts anderes erlebt, über das es sich zu berichten lohnen würde.

Meiner Ansicht nach könnte man diese Pseudowoche zu Beginn des Jahres abschaffen. Theoretisch wäre ja ab 2. Januar wieder das ganz normale Leben, aber haben Sie schon einmal versucht, in der ersten Woche des Jahres jemanden zu erreichen? Oder fahren Sie mal Bus oder Zug in diesen Tagen – Sie haben einen persönlichen Taxiservice. Häufigster Ausspruch in dieser Zeit ist «Ich mache die Brücke.» Was sich so harmlos anhört, diese «Brücke», ist ja eigentlich nichts anderes als eine nachhaltige Schädigung unseres Wirtschaftsstandortes. Eine geschlagene Woche lang geht gar nichts in unserem Land. Dann seien wir doch so ehrlich und erklären gleich diese ganze Woche zu verlängerten Neujahrsferien für alle. Dann muss auch niemand diese komische «Brücke» als Argument nennen.

Und mein Zahn, fragen Sie? Ja, der wurde repariert. Allerdings erst am Tag nach Drei-König und nicht sofort. Mein Zahnarzt machte gerade die Brücke.

Appenzell InnerrhodenAppenzell Innerrhoden / 12.01.2008 - 11:10:00