• Aargau
  • Appenzell Ausserrhoden
  • Appenzell Innerrhoden
  • Basel-Landschaft
  • Basel-Stadt
  • Bern
  • Freiburg
  • Genf
  • Glarus
  • Graubünden
  • Jura
  • Luzern
  • Neuenburg
  • Nidwalden
  • Obwalden
  • Schaffhausen
  • Schwyz
  • Solothurn
  • St.Gallen
  • Stadt Winterthur
  • Stadt Zürich
  • Tessin
  • Thurgau
  • Uri
  • Waadt
  • Wallis
  • Zug
  • Zürich

Dank Rapper Bligg erlebt das Hackbrett einen Boom

TG. Der Thurgauer Hackbrettspieler Nicolas Senn tritt am Wochenende zusammen mit dem (Platin-)Rapper Bligg am «Moon and Stars» in Locarno und am Open Air in Frauenfeld auf.

Ein Indikator dafür sind Stelleninserate, die von Musikschulen geschaltet und in denen Hackbrett-Pädagogen gesucht werden. Die Region rund um den Säntis ist schon lange eine Hackbrett-Hochburg. Bei der Streichmusik Alder schwingt Walter Alder seit Jahrzehnten die Ruten; er ist quasi «The Godfather of Appenzeller Hackbrett».

Im Appenzellerland und im Toggenburg tun es Walter Alder viele jüngere Kollegen gleich; sie entlocken dem wahrscheinlich aus Persien stammenden Instrument hauptsächlich volkstümliche Klänge. Seit Anfang der 1980er-Jahre erlebt das Hackbrett eine Blütezeit.

Hackbrettbauer in Appenzell
Die Hackbrettspieler, -lehrer und -bauer kennen sich; sie sind untereinander vernetzt. Einer von ihnen ist Johannes Fuchs aus Appenzell. Sein verstorbener Vater Johann Fuchs («chlinn Fochsli») baute Anfang der 1950er-Jahre als erster Ostschweizer der Neuzeit wieder Hackbretter. Johannes Fuchs trat dann in Vaters
Fussstapfen.

Er stellt heute in seinem Ein-Mann-Betrieb jährlich 10 bis 20 Hackbretter her, wie er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA sagt. Pro Instrument wendet er rund 80 bis 90 Arbeitsstunden auf. Ein Hackbrett aus Fuchs’ Werkstatt kostet rund 4400 Franken. «Im Vergleich mit anderen Instrumenten ist das
erschwinglich», sagt er.

Cimbalon World Association
Fuchs ist seit 2003 im Vorstand der Cimbalon World Association (CWA). Gerade retour vom CWA-Kongress in Mexiko sagt er, das Hackbrett sei in unterschiedlichen Formen auf der ganzen Welt verbreitet. In China würden 400’000 Menschen das Hackbrett spielen. Dort wird das Instrument «Yang Qin» (fremde Zither) genannt.

Dass in der Schweiz immer mehr Kinder und Jugendliche Hackbrett spielen lernen wollen, hat für Fuchs zwei Gründe: «Zum Einen erlebt die Volksmusik allgemein einen Boom, zum Anderen verhelfen Spieler wie Nicolas Senn dem Instrument zu grösserer Bekanntheit, weil die Auftritte vom Fernsehen übertragen werden – je länger, je öfters.»

An der Olma neugierig geworden
Tausendsassa Nicolas Senn: Er spielt Hackbrett, fotografiert – und beginnt nach den Sommerferien, die er auf der Bühne verbringen wird, ein Studium. Der mit dem Nachwuchs-«Prix Walo» ausgezeichnete Thurgauer wurde Jahressieger im «Musikantenstadl» und präsentierte das Appenzeller Hackbrett schon in Russland,
Kenia und Hong Kong.

Seit Herbst 2008 tourt der 20-Jährige nun mit dem Rapper Bligg durch die Schweiz. Mit Senn findet das Hackbrett den Weg auf die Bühnen grosser internationer Festivals. Am «Moon and Stars» auf der Piazza Grande in Locarno treten nicht nur Bligg und Senn auf, auch Tracy Chapmann, Deep Purple, Gloria
Estefan oder Amy Macdonald.

Unterricht bei Töbi Tobler
Als kleiner Junge besuchte Nicolas Senn zusammen mit seiner Familie die Olma (Schweizer Messe für Landwirtschaft und Ernährung) in St. Gallen. Dort wurde er auf das Hackbrett aufmerksam. Im Alter von sieben Jahren bekam er Hackbrett-Unterricht von Töbi Tobler. Tobler ist ebenfalls eine Hackbrett-Grösse
(«Appenzeller Space Schöttl»).

Längst flattern Nicolas Senn Anfragen von Musikschulen ins Haus, ob er nicht die eine oder andere Hackbrett-Stunde geben könnte. Weil ihm die Zeit fehlt, musste er den Musikschulen einen Korb geben.

Die Tonmischer grosser Festivals haben mit dem Hackbrett derzeit noch etwas Mühe. Aus diesem Grund musste für Senn ein neues Instrument entwickelt werden. Dafür zuständig ist Johannes Fuchs. Er steht am Samstag in Locarno auf der. Piazza Grande, um ganz genau zu hören, wie Senns neues Hackbrett an der Seite von Bligg klingt.

ThurgauThurgau / 09.07.2009 - 08:25:00