Bündnis gegen Depression
TG. Als Pionierprojekt in der Schweiz will der Kanton Thurgau mit dem Kanton Luzern ein in vielen Teilen gemeinsames Bündnis gegen Depression starten.
Neben personellen und finanziellen Einsparungen erhoffen sich die beiden Kantone davon auch neue Erkenntnisse und eine stärkere Unterstützung durch das Bundessamt für Gesundheit. An der Startveranstaltung in Luzern nahm Regierungsrat Bernhard Koch teil.
Regierungsrat Bernhard Koch hat sich bei der Kickoff-Veranstaltung des Kantons Luzern als Gast des Luzerner Regierungsratspräsidenten Markus Dürr aus nächster Nähe über den Stand des Projektes in Luzern informiert und gibt mit seiner Präsenz und seinem Engagement zu Gunsten der Vorbeugung von psychischen Erkrankungen dem in der Anfangsplanung stehenden Thurgauer Bündnis gegen Depression den politischen Rückhalt.
Die Verbreitung der psychischen Erkrankungen ist regional unterschiedlich. Die Thurgauer Bevölkerung steht nicht abseits, sondern nimmt, wenn man den Zahlen des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums aus dem Jahre 2005 glaubt, einen Spitzenrang ein. Die Chefärzte der Psychiatrischen Kliniken des Kantons Thurgau (Münsterlingen, Littenheid und Jugendpsychiatrischer Dienst Weinfelden) haben diese Problematik bereits seit längerem mit Sorgen beobachtet. Der Thurgauer Gesundheitsdirektor Bernhard Koch hat in Abstimmung mit den Psychiatrie-Chefärzten und dem kantonsärztlichen Dienst entschieden, dem Problem der psychischen Gesundheit der Thurgauer Bevölkerung mehr Gewicht zu verleihen.
Nach den Kantonen Zug, Bern, Appenzell und Luzern soll im Kanton Thurgau in naher Zukunft das zwischenzeitlich europaweit erprobte Präventionsprogramm «Bündnis gegen Depression» lanciert werden. Erstmals wurde dieses wissenschaftlich evaluierte Programm im Jahre 2000 bis 2002 in Nürnberg erfolgreich durchgeführt. Die Gesellschaft, aber auch die Wirtschaft müssen über diese behandelbare Erkrankung aufgeklärt werden. Die Arbeitgeber sollten an der Vorsorge, Erkennung und Behandlung der Depression ein eminentes Interesse haben, könnte doch ein zeitgemässer und adäquater Umgang mit diesem Krankheitsbild die Produktivität ihrer Belegschaft deutlich steigern.
Psychische Störungen zählen zu den häufigsten Krankheiten. Neben Angststörungen und Suchtkrankheiten stehen die Depressionen im Vordergrund. 18 Prozent der Bevölkerung haben Depressionssymptome. Die Verhütung und Behandlung der psychischen Krankheiten ist leider immer noch ungenügend. In der Schweiz lässt sich nur jeder Vierte mit mittleren Symptomen, respektive jeder zweite mit schweren Symptomen behandeln. Die Depression als Krankheit wird unterschätzt. Sie tritt im Gegensatz zu körperlichen Krankheiten häufig im jungen und mittleren Lebensalter auf und wird wegen Unwissen und schamhaftem Schweigen zu wenig diagnostiziert und ungenügend behandelt. Der Verlauf ist aus diesen Gründen häufig chronisch mit der damit verbundenen Einbusse an Lebensqualität und Schaffenskraft. Erst in den letzten Jahren beginnen die Verantwortlichen des öffentlichen Gesundheitswesens europaweit die Bedeutung dieser Erkrankung zu erkennen.
Jährlich gibt es in der Schweiz 1300 bis 1400 Selbstmorde, zwei- bis dreimal mehr als Verkehrstote. Rund 8 Milliarden Franken wurden im Jahre 2004 in der Schweiz für die Behandlung psychischer Erkrankungen ausgegeben, circa 16 Prozent der gesamten Gesundheitskosten. Wenn man bedenkt, dass die direkten Behandlungskosten knapp 20 Prozent der effektiven Kosten einer Krankheit ausmachen (der Rest fällt in der Taggeld-, Invaliden- und Arbeitslosenversicherung sowie in der Sozialhilfe an), so haben die psychischen Krankheiten eine erhebliche volkswirtschaftliche Bedeutung.



























