• Aargau
  • Appenzell Ausserrhoden
  • Appenzell Innerrhoden
  • Basel-Landschaft
  • Basel-Stadt
  • Bern
  • Freiburg
  • Genf
  • Glarus
  • Graubünden
  • Jura
  • Luzern
  • Neuenburg
  • Nidwalden
  • Obwalden
  • Schaffhausen
  • Schwyz
  • Solothurn
  • St.Gallen
  • Stadt Winterthur
  • Stadt Zürich
  • Tessin
  • Thurgau
  • Uri
  • Waadt
  • Wallis
  • Zug
  • Zürich

Bundesangestellte vor dem Hungertod

Glosse. Nicht etwa in einer Bananenrepublik, sondern bei uns: Angestellten des Bundes droht der Hungertod aufgrund zu spät bezahlter Löhne.

Dieses menschliche Schicksal lässt aufhorchen, die Nachricht sorgte für Entsetzen bei jedem, der sie hörte. Mehrere 10’000 Angestellte des Bundes erhielten nicht wie vorgesehen am letzten Freitag ihren Lohn. Eine technische Panne sorgte dafür, dass das Geld erst gestern Montag oder heute Dienstag auf dem Konto landete. Aufgebrachte Bundesangestellte protestierten seit Freitag lautstark bei ihren Vorgesetzten. Diese reagierten sofort – und kulant. Wer auf seinem Konto aufgrund der verspäteten Lohnzahlung eine Schuld hat und Verzugszinsen zahlt, der erhält diese vermutlich zurück erstattet. Ohnehin wird man beim Bund schauen, dass die zweitägige Verspätung des Gehalts punkto Zinsen ausgeglichen wird.

Hoffentlich! Denn es ist ein Skandal sondergleichen. Bereits gegen Montag mittag wurden Heerscharen von Sachbearbeitern, Juristen und Buchhaltern gesichtet, die rudelweise belebte Strassen und Plätze bevölkerten und dort um eine milde Gabe bettelten. Die Gefahr, dass die gesamte Familie nach dem Ausbleiben des Lohns am Freitag übers Wochenende einen grausamen Hungertod sterben könnte, hatte sie zu dieser Verzweiflungstat getrieben.

Dass die Situation so eskalieren musste, war klar. Die Bundesangestellten haben, wie es bekanntlich gesetzlich vorgeschrieben ist, ihr Erspartes bis pünktlich Donnerstag abend restlos ausgegeben und sich auf Freitag morgen gefreut. Als dann das Geld ausblieb, entstanden in einer Sekunde mehrere zehntausend Härte- und Fürsorgefälle. Ingenieure, Polizisten und Strassenplaner schickten ihre Kinder zum Bäcker, wo sie ihre kleinen Händchen hungrig zur Verkaufstheke hochstreckten und mit Tränen in den Augen einen harten Brotkanten erflehten.

Übrigens: Dass die derart schlecht behandelten Lohnempfänger nun grosszügig behandelt werden, dürfte dem Bund auch helfen, vakante Stellen zu besetzen. Bereits jetzt haben sich gerüchtehalber tausende von Kleinunternehmern auf Bundesstellen beworben. Da selbständig Erwerbende sich ihren Lohn sehr oft stark verspätet oder gar nicht auszahlen können, scheint ihnen die Aussicht, einmal in 20 Jahren zwei Tage länger warten zu müssen und dann auch noch Zinsen auf die verlorenen Tage zu erhalten, ziemlich attraktiv.

Appenzell InnerrhodenAppenzell Innerrhoden / 29.07.2008 - 07:28:00