Bosch übernimmt sia Abrasives
Frauenfeld. Die deutsche Bosch-Gruppe ist bei sia Abrasives am Ziel. Bosch hält über seine Tochter Scintilla über 60 Prozent der sia-Aktien, die bereits im Aktienregister eingetragen sind. Für die restlichen Aktien läuft ein Übernahmeangebot.
Der Solothurner Elektrowerkzeug-Hersteller Scintilla, der seit 1954 vollständig zu Bosch gehört, bietet den Aktionären des Thurgauer Schleifmittelherstellers 435 Fr. pro Aktie in bar. Das Angebot wird durch eigene Mittel der Bosch-Gruppe finanziert.
Das Angebot läuft bis zum 19. Dezember. Eine Verlängerung um bis zu 40 Börsentage sowie weitere Nachfristen sind möglich. Der sia-Verwaltungsrat unterstütze das Angebot der Scintilla einstimmig, heisst es im Angebotsprospekt, der am Mittwoch veröffentlicht wurde.
Neuer Verwaltungsrat
Die Aktionäre von sia Abrasives werden am 16. Dezember über die Aufhebung der statutarischen Stimmrechtsbeschränkung entscheiden. Auch soll der Verwaltungsrat neu bestellt werden.
Bosch schlägt den bisherigen Präsidenten Peter Schifferle sowie neu UBS-Generaldirektor und Bosch-Verwaltungsrat Urs Rinderknecht sowie die Bosch-Manager Boris Gleissner, Bernhard Schuster und Max Siegmann vor.
Die übrigen bisherigen sia-Verwaltungsräte sollen ihr Mandat nach dem Willen von Bosch zur Verfügung stellen. Es soll keine Abgangsentschädigungen geben. Das Top-Management wird nicht umbesetzt. Scintilla hat bereits alle nötigen Bewilligungen der Wettbewerbsbehörden.
Behrs Kehrtwende
Giorgio Behr, sia-Grossaktionär und Ex-Saurer-Präsident, verkaufte Anfang Oktober sein 40-Prozent-Aktienpaket an den deutschen Konzern. Bosch zahlte ihm dafür 515 Franken pro Aktie – deutlich mehr als den übrigen Aktionären jetzt angeboten wird. Die Transaktion wurde am Montag vollzogen.
Behr machte mit diesem Verkauf eine Kehrtwende: Nachdem sein Anteil die Beteiligungsgrenze von einem Drittel überschritten hatte, lancierte er Ende August ein Übernahmeangebot über 385 Fr. je Aktie. Der sia-Verwaltungsrat befand die Offerte aber als ungenügend.
Bosch will sia Abrasives von der Börse nehmen, die Marke aber weiterführen. Es ist geplant, den Standort Frauenfeld zum Bosch-«Weltkompetenzzentrum» für flexible Schleifmittel auszubauen. Sia soll in die Bosch-Sparte Power Tools integriert werden, die vor allem Elektrowerkzeuge und Zubehörgeräte für Haus und Garten herstellt.
Sia Abrasives beschäftigt rund 1150 Mitarbeiter und erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von knapp 300 Mio. Franken. Der Bosch-Konzern zählt weltweit rund 271 000 Angestellte und kam 2007 auf einen Umsatz von 46,3 Mrd. Euro. Die Sparte Power Tools erzielte einen Umsatz von 3,1 Mrd. Euro.



























