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BITg beteiligt sich an wegweisender Entwicklung

Frauenfeld/TG. Ein Forscherteam der Universität Konstanz und des Biotechnologie-Institutes Thurgau hat eine neue Behandlungsmethode für Autoimmunkrankheiten entwickelt.

Die Forschungsergebnisse wurden jetzt im renommierten «nature medicine», der wichtigsten biomedizinischen Fachzeitschrift veröffentlicht. Die Vorbereitungen für klinische Tests laufen.
Bisher werden Autoimmunkrankheiten mit Medikamenten behandelt, die das gesamte Immunsystem blockieren und so den Körper anfällig machen für Infektionen aller Art. Ein Forscherteam um Prof. Dr. Marcus Groettrup, der neben seinem Lehrstuhl an der Universität Konstanz gleichzeitig Vorsitzender der Institutsleitung des Biotechnologie-Institutes Thurgau (BITg) ist, hat jetzt eine Behandlungsmethode entwickelt, die das Immunsystem nur in Teilen drosselt und damit deutlich besser verträglich ist.

Bisherige Behandlungsmethode hat Nachteile

Funktioniert das Immunsystem einwandfrei, erkennt es Viren und startet die Immunabwehr des Körpers. Liegt eine Autoimmunkrankheit vor – zu den häufigsten gehören rheumatoide Arthritis, Typ-1 Diabetes mellitus (jugendlicher Diabetes), Multiple Sklerose und Morbus Crohn (eine entzündliche Dickdarmerkrankung) – ist das Immunsystem gestört. Es wird hyperaktiv und greift körpereigene, gesunde Zellen an. Schwere Entzündungen sind die Folge. Menschen, die unter einer Autoimmunkrankheit leiden, müssen ein Leben lang sogenannte Immunsupressiva einnehmen, die das Immunsystem drosseln: «Das ist zwar gut gegen die Autoimmunkrankheiten, aber häufig problematisch für den Patienten. Denn wenn unser Immunsystem komplett auf Sparflamme gefahren wird, dann kann es auch gegen andere Eindringlinge nicht mehr richtig wirksam sein», so der Immunologe Prof. Marcus Groettrup.

Massgeschneiderte Dämpfung des Immunsystems

In Zusammenarbeit zwischen seinem Lehrstuhl an der Universität Konstanz und Dr. Michael Basler vom Biotechnologie-Institut Thurgau (BITg) wurden wegweisende neue Forschungserkenntnisse gewonnen, die den Schlüssel zu einer massgeschneiderten Dämpfung des Immunsystems bilden. «Das wäre nicht mehr das Alles-oder-Nichts-Prinzip. Feinste Dosierungen und damit eine wesentlich bessere Verträglichkeit für die Betroffenen wären möglich», erklärt Prof. Groettrup.

Die Hauptrolle beim neuen Wirkprinzip spielen das sogenannte Immunproteasom sowie ein Wirkstoff, der eigentlich für die Behandlung von Leukämie entwickelt wurde: PR-957. Hergestellt wird dieser Wirkstoff von Proteolix, einem kalifornischen Biotech-Unternehmen, mit dem die Forschergruppe um Prof. Dr. Marcus Groettrup kooperiert. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit wurde PR-957 versuchsweise zur Behandlung von Mäusen mit rheumatoider Arthritis eingesetzt. Das vielversprechende Ergebnis: kein Fortschreiten der Krankheit, aber ein Immunsystem, das sich erstaunlich gut gegen Viren zur Wehr setzt. Zudem zeigten die Tiere keine erkennbaren Nebenwirkungen. In einem weiteren Schritt testeten die Wissenschaftler den Wirkstoff im Mausmodell auch gegen Typ-1 Diabetes mellitus – mit demselben Erfolg. Auf Grund dieser Ergebnisse plant das Forscherteam bereits die nächsten Tests für weitere Autoimmunkrankheiten wie Multiple Sklerose und Morbus Crohn.

Klinische Erprobung in Vorbereitung

Fünf Jahre Forschungsarbeit brauchte es, um zu diesen Erkenntnissen zu kommen. Sie ebnen den Weg zu einer gut verträglichen und wirksamen autoimmunen Therapie, die gezielt die entzündungsfördernden Mechanismen absenkt, ohne das gesamte Immunsystem lahm zu legen. Im präklinischen Modell konnten die Erfolge der neuen Behandlungsweise  nachgewiesen werden. Die Ergebnisse werden jetzt in der renommierten Zeitschrift «Nature Medicine», dem meistzitierten biomedizinischen Fachorgan, publiziert. Die Vorbereitungen zur Erprobung am Menschen laufen. «Ich schätze, dass es noch zwei bis vier Jahre dauern wird, bis wir wissen, ob die Wirksamkeit und die gute Verträglichkeit auch beim Menschen gewährleistet ist», so Prof. Dr. Marcus Groettrup, der Vorsitzender der Institutsleitung des Biotechnologie-Institutes Thurgau (BITg).

ThurgauThurgau / 15.06.2009 - 12:09:33