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«Bisch meeschtelos?»

Sie verstehen nur Bahnhof? Nein, dies ist keine Fantasiesprache, sondern bedeutet im altehrwürdigen Innerrhoder Dialekt «Bist du appetitlos» oder auch «schlecht aufgelegt».

In der heutigen Zeit der Medien-Dauerpräsenz und der daraus resultierenden Anglisierung – Verenglischung – gehen einzelne Wörter, Ausdrücke und über kurz oder lang, ganze Sprachen verloren.

Auch dem charakteristisch starken Innerrhoder Dialekt blüht dieses Schicksal, wenn auch nicht im selben Tempo, wie in es in urbanen Gegenden geschieht. Für Joe Manser eine völlig nachvollziehbare, wenn auch bedauernswerte Entwicklung. Er hat nach insgesamt 27 Jahren Recherche die vierte Auflage des Nachschlage-Werks «Innerrhoder Dialekt» veröffentlicht. Im Halbkanton Appenzell Innerrhoden avancierte das Buch gleich zum Bestseller.

Junge Menschen sprechen nicht wie ihre Grosseltern
«Die Innerrhoder fühlen sich mit dem Buch bestätigt. Sie finden es schön, wenn ihr Wissen über Wörter oder Wendungen durch das Buch bestätigt wird», erklärt sich Manser den Erfolg.

Dass jüngere Menschen durch das Buch wieder zum Ursprung des Dialekts finden, erhofft sich Manser aber nicht: «Verlorenes Sprachgut ist nicht wieder zu holen. Jede Generation hat ihre Sprache, das war schon immer so.»

Die erste Auflage erschien 2001. Dafür hat Manser ganze 20 Jahre (!) recherchiert: «Ich habe mich mit älteren Leuten unterhalten, die bestimmte Wörter oder Ausdrücke noch gebrauchten oder von ihren Grosseltern kannten». Dies machte er nebst seiner beruflichen Tätigkeit als Sekundarlehrer. Als es mit dem Buch in den Endspurt ging, nahm er Urlaub und arbeitete acht Stunden am Tag für sein Werk. Nur Ausdrücke und Wörter, die nachweislich an mindestens zwei Orten bekannt seien, wurden ins Vokabular aufgenommen. Nur so ist auch die Authentizität gewährleistet. Mit der im September erschienenen Auflage ist das Vokabular um 25 Seiten dicker geworden.

Eigens für das Buch ein Schreib-System erarbeitet
Die grösste Schwierigkeit an der Realisierung seines Dialektbuchs, war für Manser das Übersetzen von Mundart – gesprochener Sprache – in die geschriebene: «Es gibt im Innerrhoder Dialekt feine Unterschiede zwischen den Vokalen; es gibt das offene «e» und das geschlossene. Wie etwa bei beten und betten. Dass ein Unterschied besteht, ist klar, doch wie sollte man den darstellen?» Oft werden Schweizerdeutsche Wörter mit Akzenten versehen, wie man sie aus dem Französischen kennt. Dies habe aber nichts mit dem Schweizerdeutschen zu tun, meint Manser. Deshalb hat er eigens dafür ein neues System erarbeitet. Nach dem Manser’schen System werden offene Vokale, wie das «e» bei beten, oder das «o» bei Rat, etwas tiefer als die anderen Buchstaben gesetzt.

Nebst den Feinheiten bei den Vokalen ist der Innerrhoder Dialekt typisch für seine vielen Redewendungen – der bekannte Appenzeller Witz. «Oft wird darunter fälschlicherweise verstanden, dass wir besonders witzig sind», sagt Manser. Damit habe das aber nichts zu tun. Mit dem Appenzeller Witz ist die Sprachgewitztheit des Innerrhödlers gemeint; die Fertigkeit mit wenigen Worten viel zu sagen. «Dadurch können wir auch sehr verletzlich sein», sagt Manser.


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Appenzell InnerrhodenAppenzell Innerrhoden / 31.10.2008 - 14:00:00