«Bienenfleiss – honigsüss»
Appenzell. Zwei Bienenvölker verwandeln das Museum in ein Bienenhaus. Die Ausstellung «Bienenfleiss - honigsüss» ist eine fesselnde Reise durch die Kultur- und Naturgeschichte der Honigbiene.
Anlass zur grossen Bienen-Ausstellung ist der 85. Imkerkongress der deutschsprachigen Imker im September in Appenzell. Die Kuratorinnen Birgit Langenegger und Anna Katharina Geisser haben eine dreiteilige Ausstellung gestaltet: Naturkunde, Imker-Handwerk und Kulturgeschichte sind für Kinder und Erwachsene mitreissend dargestellt.
Attribut der Mächtigen
«Float like a butterfly, sting like a bee» war das Kampfgeheimnis des Schwergewichtsboxers Muhammad Ali. Mit Bienenfleiss, Waben und Armbrust warb die Schweiz um 1950 für Qualität. Kirche und Banken schmücken sich mit Bienenattributen.
Napoleon machte die Biene zu seinem Wappentier. Damit wollte er sich in die fränkische Tradition stellen: Im Grab des Merowinger-Königs Childerich I. (436-482) waren 300 goldene Bienen gefunden worden.
Honigbienen sind zwar die drittwichtigsten Haustiere des Menschen, aber sie bauten ursprünglich ihre Waben in Hohlräumen von Bäumen. Schon vor 12’000 Jahren «jagten» die Menschen Honig und Wachs. Strohkörbe waren die ersten Behausungen, mit denen der Mensch Bienen domestizierte.
Bienen im Spiegel
Ein Bienenvolk lebt im Strohkorb im Museum: Durch eine Röhre gelangen die Tiere ins Freie. In einem Spiegel kann die Arbeit der Immen beobachtet werden. Bis ins 19. Jahrhundert war die Imkerei ein hoch angesehener Beruf und ein Riesengeschäft.
Die in Zünften organisierten Imker lieferten kostbaren Süssstoff und Bienenwachs. Die Schweizer erfanden im 19. Jahrhundert den Schweizerkasten. Der war praktischer als der Korb. Die neusten Kästen bestehen aus Styropor, sind potthässlich und leicht.
Alte Schleudern, auch eine Rucksack-Schleuder für Wander-Imker, und Geräte illustrieren die Honig-Technik. Die Berufsimkerei starb aus, als Zuckerrüben, Rohrzucker und synthetische Wachse Honig und Bienenwachs verdrängten. Heute gibt es nur noch Freizeit-Imker.
Ein riesiges Bienenmodell, Lupen, Mikroskop und eine Beobachtungswabe mit Bienenvolk ermöglichen Schulklassen die Arbeit in der Bienenwerkstatt. Hier wird auch die Bestäubungs-Leistung der Bienen gewürdigt: Sie rückt angesichts des dramatischen Bienensterbens immer mehr in den Fokus.
Jeden Tag eine neue Biene
Religiöse und satirische naive Malerei findet sich auf slowenischen Bienenbrettern. Sie schlagen eine Brücke zur zeitgenössischen (Bienen)-Kunst: Roman Signer zeigt kleine Helikopter mit Bienenaugen: «Apikopter».
Bienen des Art Brut-Künstlers Klaus Mücke schmücken die Wände. Jeden Tag malt er eine neue Biene. Bezaubernde kleine Kunstwerke und Heiligenfiguren formten Nonnen aus Wachs: Die Biene ist auch ein Attribut Marias, ein Keuschheits-Symbol.
Wachs und Honig galten als heilig, da man glaubte, die Bienen pflanzten sich parthenogenetisch (jungfräulich) fort. Von der Biene Maja über die «kesse Biene» und Bienenkorbfrisuren bis zu Tugenden wie Sparsamkeit und Staatstreue reicht die Bienen-Symbolik.
So waren die Biene Maja-Romane des deutschen Schriftstellers Waldemar Bonsels von 1912 letztlich ein Aufruf zur Kaisertreue. Die «Biene Maja» im Polizeijargon, ein gelb-schwarz gestreifter Verkehrsteiler, sorgt «nur» noch für Ordnung im Strassenverkehr.
Notiz: Museum Appenzell: «Bienenfleiss – honigsüss – Zur Kultur- und Naturgeschichte der Honigbiene»; 9. Juni bis 16. November; Öffnungszeiten: Täglich 10-12 und 14-17 Uhr, ab 2. November: Dienstag bis Sonntag 14-17 Uhr.



























