Betriebsanalyse für Altersheim Müllersberg
Heiden. Eine neue Situation ergibt sich durch den Rücktritt von Vize-Gemeindepräsident J.-J. Solenthaler.
Durch den Rücktritt von Vize-Gemeindepräsident Johann-Jakob Solenthaler per Ende Mai aus dem Gemeinderat, ergibt sich für das Altersheim Müllersberg eine neue Situation. Es ist fraglich, ob ein neues oder anderes Mitglied des Gemeinderates im Präsidium der Kommission Heime einen ähnlich grossen Einsatz leisten kann oder will, wie dies J. Solenthaler als «Pfleger» für das Heim Müllersberg getan hat. Mit einer Betriebsanalyse hat sich der Gemeinderat die nötigen Informationen beschafft, die ihm als Grundlage dafür dienen, die nötigen Vorkehrungen für die Zeit ab dem 1. Juni 2008 zu treffen. J. Solenthaler wird als administrativer Heimleiter angestellt.
Mit dem Erarbeiten der Betriebsanalyse hat der Gemeinderat die Firma H Focus AG, Baar, beauftragt. Diese Firma ist spezialisiert auf die Strategieberatung, die Erarbeitung von Konzepten einschliesslich Bedarfsanalysen und Betriebsoptimierungen im Bereich der Altersbetreuung und -pflege.
Betrieb als «Wohngemeinschaft»
Für die Betriebsanalyse bot sich folgende Ausgangslage: Die Gemeinde Heiden betreibt das Wohn- und Altersheim Müllersberg mit Platz für 18 Pensionäre. Der drei-geschossige Bau – ursprünglich das Waisenhaus von Heiden – ist zirka 150 Jahre alt und wurde mittlerweile laufend renoviert. Das Betriebskonzept geht von der Idee einer Wohngemeinschaft der Pensionäre aus, bei der Pensionäre im Rahmen ihrer Möglichkeiten im Heim ihren Beitrag zum Heimleben leisten. Inzwischen sind einzel-ne Heimbewohner pflegebedürftig geworden, so dass – neben dem Hauswirtschaftspersonal – auch Pflegefachpersonen eingestellt wurden. Die Leitung des Heims obliegt einer Heimleiterin, welche ihre Führungsaufgabe mit Hilfe der Kommission Heime unter der Leitung des bisher zuständigen Gemeinderates Johann-Jakob Solenthaler als «Pfleger» wahrnimmt.
Sichtbare Trends berücksichtigen
In der Analyse wird der grosse Arbeitseinsatz von J. Solenthaler sowie der Heimleitung und des gesamten Personals ausdrücklich anerkannt. Besonders hervorgehoben wird auch die familiäre Atmosphäre und die Tatsache, dass die Pensionärinnen und Pensionäre hier so leben können wie in der Umgebung, aus der sie herkommen. Das Heim bietet einen bescheidenen Komfort. Dies wird aber sehr geschätzt, weil dadurch auch die Pensionspreise günstig gehalten werden können. Im Detail ging es jedoch weniger um eine Rückschau, sondern um Ideen, wie die Zukunft des Heimes aussehen wird und welche Organisation der künftige Betrieb verlangen wird. Als eindeutige Trends sind erkennbar:
• Ältere Menschen bleiben heute länger in einer körperlichen Verfassung, durch die das Eintreten von altersbedingten Beschwerden und von Pflegebedürftigkeit immer weiter hinaus geschoben wird. Sie leben daher viel länger zu Hause in ihrer gewohnten Umgebung.
• Das Alter, in dem ältere Menschen in ein Altersheim eintreten, steigt. Beim Eintritt in ein Heim sind die meisten Menschen bereits pflegebedürftig. Dies bedeutet, dass sich auch Altersheime zunehmend in Pflegeheime wandeln.
• Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer sinkt. In vielen Heimen sank sie in den letzten 5 Jahren von 3-4 Jahren auf noch 1-2 Jahre.
Das Altersheim Müllersberg kann heute noch auf langjährige Bewohner(innen) zählen. Es muss aber auch hier damit gerechnet werden, dass mehr und mehr pflege-bedürftige Menschen in höherem Alter ins Heim kommen. Daher wird das Heim sein Betriebskonzept auf diese Entwicklung hin anpassen und ausrichten müssen.
Anpassungen an zunehmenden Pflegebedarf
In Bezug auf die heutige Situation und mit Blick auf die Zukunft sind – so eine wichtige Folgerung aus der Betriebsanalyse – im Betrieb des Altersheims Müllersberg einige Anpassungen vorzunehmen durch Massnahmen, die zum Teil projektmässig umzusetzen sind.
• So ist im Bereich Pflege und Betreuung der Einsatz der Pflegefachpersonen zu optimieren. Der Aufbau eines Pflegeteams soll darauf ausgerichtet werden, dass, wenn nötig, Pflegefachpersonen ganztägig anwesend sein können. Die Führung des Pflegeteams ist so zu organisieren, dass die Verantwortlichkeiten und Kompetenzen klar geregelt sind.
• Es ist ein Betreuungskonzept zu entwickeln mit häufigen Aktivierungsmöglichkeiten.
• Das Finanz- und Rechnungswesen soll kompakter gestaltet und mit einem modernen, aber einfachen Controlling ergänzt werden.
• Die Personalführung ist auf eine moderne Grundlage zu stellen, welche die Bedin-gungen des Personalreglements erfüllt. Dazu gehört auch die Optimierung der Arbeitszeit-Erfassung und -Verwaltung sowie der Arbeits- und Präsenzzeiten selbst.
• Das Betriebskonzept ist zu aktualisieren und mit einer modernen Taxordnung und einem Heimreglement zu ergänzen
J. Solenthaler wird administrativer Heimleiter
Der Gemeinderat hat beschlossen, für die Umsetzung dieser Massnahmen weiterhin auf die Dienste von Johann-Jakob Solenthaler zu zählen. Er wird mit Wirkung ab 1. Juni 2008 mit einem Arbeitsvertrag der Gemeinde als administrativer Heimleiter des Altersheims Müllersberg angestellt. Zu seinem Pflichtenheft gehören u.a.
• die Personalführung; • Umsetzung der in der Betriebsanalyse enthaltenen (und oben zusammenfassend beschriebenen) Vorschläge für Verbesserungen im operativen Bereich; • die Mithilfe bei der Budgetierung zuhanden der Kommission Heime;
• die Mitverantwortung für die Wartung technischer Einrichtungen;
• die Mithilfe bei der Organisation von Anlässen;
• die Anwerbung von Bewohnerinnen und Bewohnern;
• der Kontakt mit Sozialversicherungen und der Heimaufsicht.
J. Solenthaler wird anstelle von Monika Brander beratendes Mitglied der Kommission Heime. Monika Brander wird sich auf die betriebliche Führung des Heimes konzent-rieren. Die hier getroffene Lösung soll es ihr vor allem auch ermöglichen, die Heimlei-ter-Ausbildung absolvieren und bis Ende April 2011 abschliessen zu können.
Bis zum selben Zeitpunkt wird vom Gemeinderat die Zukunft der Altersheime Müllersberg und Quisisana unter Einbezug der Möglichkeiten in der Liegenschaft «Chäs-lädeli» evaluiert.



























