«Beste Verdiener waren grösste Versager»

Walenstadt/SG. SP-Nationalrätin Hildegard Fässler hat an der 1. Mai-Feier die Wirtschaftskrise ins Zentrum ihrer Rede gestellt.

Bald werde es auf der Welt 90 Millionen Menschen mehr geben, die Hunger leiden müssten,
sagte Fässler. Das sei ein humanitärer Skandal und ein Armutszeichen für all jene, die Macht und Einfluss hätten, dies zu ändern. Diese Situation sei für sie fast unerträglich, sagte Fässler gemäss Redetext. Weltweit litten Familien unter finanzieller Unsicherheit, und das wegen der Gier und Unersättlichkeit von Finanzjongleuren.

Geld kein Perpetuum mobile
Die Liberalisierung habe versagt. Aus Geld könne man nicht einfach mehr Geld machen; dieses Perpetuum mobile sei entlarvt. Es brauche immer Energie, damit etwas laufe. Und für diese Energie habe über kurz oder lang jemand zu zahlen, sagte Hildegard Fässler.

Die Grossbank UBS, auch unter Kaspar Villiger und Oswald Grübel, habe nichts dazu gelernt. Kosten würden durch Entlassungen gesenkt, aber weiterhin Boni in Milliardenhöhe verteilt. Das lasse sich nicht vereinbaren. Es sei eine Mär, dass mit Super-Löhnen beste Leute zu haben seien: «Beste Verdiener waren grösste Versager.»
Nun sei Handeln angesagt. Handeln zu Gunsten aller Generationen, zum Schutz der Umwelt, für die Menschen in den Entwicklungs- und Schwellenländern – gegen Hunger, Arbeits- und Perspektivelosigkeit.

Konkret forderte die SP-Nationalrätin, der Bund solle die Krankenkassenprämien für Kinder und Jugendliche übernehmen. Zudem müsse der politische Fokus in der Schweiz weg vom Finanzplatz hin zum Werkplatz. Es seien Investitionsprogramme mit nachhaltiger Wirkung zu schnüren und der Frankenkurs müsse gesenkt werden.

Umdenken tut not
Die Schweiz müsse auch international Hilfe bieten. Investitionen vor Ort brauche es. So sollte die Völkergemeinschaft in Somalia für den Schutz der Fischgewässer vor dem Überfischen kämpfen, statt gegen die Piraten; denn diese wären lieber erfolgreiche Fischer als zu miesen Bedingungen gedungene Kriminelle, so die SP-Politikerin.

Hildegard Fässler stellte Forderungen an eine neue Wirtschaftspolitik: Moral sei kein Luxus, sondern die Basis einer gerechten sozialen Marktwirtschaft.

Moral gehöre zum Betriebskapital für jedes Unternehmen, genau so wie Ethik und ein geschärfter Gerechtigkeitssinn. Gerade jetzt tue ein Umdenken not.

St.Gallen / 01.05.2009 - 19:00:00
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