Besichtigung des Regierungsgebäudes
Herisau. Im Rahmen von «Quartier geht ins Zentrum» trafen sich Mitglieder und Jugendliche vom Quartierverein Herisau-Ost am Donnerstagabend zu einer Besichtigung des Regierungsgebäudes auf dem Obstmarkt
Die Präsidentin Isabelle Angehrn konnten zur traditionellen „Betriebsbesichtigung“ über 40 Erwachsene und zahlreiche Jugendliche willkommen heissen. Staatsarchivar Peter Witschi orientierte über die Baugeschichte. Mit dem anschliessenden Rundgang durch das Gebäude wies er auf die Bauweise des Staats- und Kantonalbankgebäudes hin, führte die Beteiligten durch die Räume des Sitzungszimmers des Regierungsrates und des Kantonsrates. Erwachsene und auch jugendliche Ostquartierler zeigten grosses Interesse an der Besichtigung, die grossen Anklang fand.
Wissenswertes aus der Baugeschichte
Wichtige Anhaltspunkte gab Peter Witschi über den Bau als Staats- und Kantonalbankgebäude. Das heutige Regierungsgebäude wurde im Jahre 1912-1914 von der 1877 gegründeten Kantonalbank gebaut. Die damalige „Baumode“ im Jahre 1910 war ein barokisierender Heimatstil. Der Obstmarkt war bis zum Neubau geprägt von dörflichen hölzernen Bürgerhäusern. Der Bau nahm Bezug auf die dominierende Kirche, wodurch sich eine Verschiebung des Zentrums vom Platz in Richtung Osten ergab.
Das Gebäude hat zwei Eingänge, einer im Osten mit Bärenwappen welches den Staat symbolisiert und einer im Westen mit Merkurstabes als Zeichen des Handels, während die Aussenfries mit einer Bildfolge zum Volksleben und Ausserrhodischen Dorfbildern versehen wurden. Von 1984-1978 erfolgte eine Gesamterneuerung als Regierungsgebäude, nachdem zuvor die Kantonalbank das Gebäude für einen Franken dem Kanton abgetreten und die Landsgemeinde den Umbaukredit genehmigt hatte.
Interessanter Rundgang
Im Dachstock wies Peter Witschi auf die sehr moderne Betonskelettkonstruktion hin, die das tragende Element des gesamten Baus bildet, wobei der gesamte Dachstock am Stahlbetonrahmen aufgehängt ist. Im ersten Stock befindet sich das Sitzungszimmer des Regierungsrates versehen mit Wandtäfer und Schnitzereien, die Weisheit und Klugheit (Eule), Freiheit (Falke), Friede (Taube) und Kraft/Scharfblick/Ausdauer (Adler) präsentieren.
Der siebenköpfige Regierungsrat mit Landammann Jakob Brunnschweiler kommt einmal in der Woche zusammen und behandelt die anfallenden Geschäfte und gibt diese an das Parlament weiter. Zusätzlich wurden im Treppenhaus eine Auflistung aller Namen der Landammänner und Daten der Amtsantritte von 1597 (Paulus Gantenbein, Gais) bis heute (Jakob Brunnschweiler, Teufen) angebracht.
Eindrucksvoller Kantonsratsaal
Der total den heutigen Anforderungen renovierte Saal des Kantonsrates mit der Porträtgalerie der Landammänner erfuhr eine Auffrischung. Die Innenausstattung ist aus Kirschenbauholz, wobei das Gesamtkunstwerk mit verschiedenen Elementen versehen ist: Stuckiertes Gewölbe, Geschichtsdaten wie Landteilung 1597, Frauenstimmrecht 1989, letzte Landsgemeine 1997 etc., Landammanngalerie und einem speziellen Raum für die geschaffenen Wappenscheiben der 20 Ausserrhoder Gemeinden. Um eine gewünschte Frieswirkung im Saal zu erlangen, wurden die Ölbild-Originale auf ein einheitliches Mass gebracht. Nach dem Anbringen des Bildes von Otto Bruderer war 1968 bereits der letzte Platz im Porträtfries des Ratsaales gefüllt, gab Peter Witschi zu verstehen. Die weiteren Bilder wurden im Foyer aufgehängt, bis auch diese Wand ganz besetzt war.
Nach einem Vorschlag wurden die ältesten Bilder im Saal entfernt und durch die Porträts der neuen Amtsträger/innen ersetzt. Nicht im Archiv, sondern im heutigen Obergerichtssaal in Trogen, im so genannten «Stöckli», sind nun diese Originale aufgehängt. Die drei Bankgruppen der 65 Kantonsräte – die sechsmal tagen – widerspiegeln die drei Regionen Hinterland, Mittelland und Vorderland und nicht etwa Partei-Fraktionen. Grosses Interesse zeigten die Besucher dem Originaldokument der Kantonsteilung aus dem Jahre 1597. Mit einem Apéro im Foyer des «Casinos» bei gemütlichem Beisammensein und Gedankenaustausch klang die Besichtigung aus.
Bilder in Grossansicht
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