
Berufswahlschule: Gruppen-Camp einrichten
Herisau/AR. Die Berufswahlschule führt in diesen Tagen zweimal ein Projekt durch, das im Schulzimmer vorbereitet und im Freien realisiert wird: Ein Augenschein zwischen Fähnchen, Blachen und Ästen.
Ein Waldabschnitt oberhalb des Schwingplatzes im Bereich Schluuch. «Haben Sie uns noch eine zweite Säge?», fragt der Jugendliche den Lehrer. «Nein, ihr müsst schauen, dass ihr so zurecht kommt.» Es früher Donnerstagabend; fünf Gruppen sind damit beschäftigt, je ein Camp aufzubauen und einzurichten, mit Feuerstelle, Dach, Verpflegung. Fähnchen in verschiedenen Farben markieren die Felder der Gruppen. «Sehr geehrte Waldbesucher, die Fähnchen gehören zu einem Projekt der Berufswahlschule Herisau. Wir bitten Sie, die Fähnchen nicht zu entfernen oder zu versetzen», ist auf Plakaten an Bäumen zu lesen. Es handelt sich also nicht einfach um einen fröhlichen Grillabend, sondern um die Umsetzung einer Vorgabe.
Wechsel in der zweiten Woche
«Im Hinblick auf den Übergang zur Berufsbildung oder zu weiterführenden Schulen gewinnt die Ausbildung der überfachlichen Kompetenzen an Bedeutung», heisst es in den Weisungen des Departementes Bildung für das 9. Schuljahr. So werden etwa Selbstständigkeit, Kommunikations- und Teamfähigkeit als entscheidende Elemente eingestuft. Im Unterricht sollen entsprechende Lernsituationen geschaffen werden. Mit diesem ersten Kleinprojekt sollen die Jugendlichen der drei Klassen der Berufswahlschule überlegen und erfahren, was berücksichtigt werden muss, wenn man ausserhalb der gewohnten Infrastruktur eine Veranstaltung plant. Die eine Hälfte der Schülerinnen und Schüler beschäftigt sich mit dem «Outdoor»-Projekt, die andere widmet sich einem Berufspraktikum. In der Woche vom 14. bis 18. September wird gewechselt.
Ohne Handy auskommen
Das aktuelle Projekt dient als Vorbereitung auf eine persönliche Arbeit, die im Januar gestartet wird. Zuerst werden im Schulzimmer während drei Tagen die theoretischen Grundlagen erarbeit. Woran muss gedacht werden? Wie wird vorgegangen? «Die Gruppenzusammensetzung erfolgte per Los», erklärt Erich Alder. Der Lehrer stellt fest, die Jugendlichen seien bei der handwerklichen Arbeit im Wald sehr motiviert am Werk. Sie fällt vielleicht im einen oder anderen Fall leichter als die theoretische Planung im Schulzimmer. Handys müssen an diesem Nachmittag zu Hause gelassen werden – noch schnell bei einem Kollegen per SMS etwas Wichtiges zu organisieren, entspricht nicht den Vorgaben.
Improvisation gefragt
Probieren kann man es ja. «Haben Sie vielleicht Klebeband dabei?», wird der Zeitungsfotograf gefragt. Der kann und darf nicht helfen. Materielles ist bei diesem Projekt eindeutig definiert: 30 Meter Schnur stehen zur Verfügung, Blache, Baumschere, Schaufel, Säge, Hammer. Und fünf Franken pro Schüler für die Verpflegung. Bis nach 22 Uhr halten sich die Klassen am Donnerstag im Wald auf; am nächsten Tag wird aufgeräumt und Rückblick gehalten. Die Lehrpersonen beurteilen die Arbeiten aufgrund von Kriterien wie Kreativität, Wettertauglichkeit und Nützlichkeit. Die am besten bewerteten Gruppen erhalten einen Gutschein für eine Pizza. Da ist durchaus Platz für Improvisation: Eine Gruppe errichtet aus Ästen und einem Velopneu eine Art Basketballkorb.