Begegnen helfen erfahren
Der Verein Entlastungsdienst stellt sich zur Aufgabe, Familien zu unterstützen, welche geistig-, körperlich- oder sinnesbehinderte Angehörige zu Hause betreuen.
Familie Fischer aus Heiden holte sich Unterstützung vom Entlastungsdienst.
«Ein behindertes Kind benötigt sehr viel Zeit, zumindest unseres», sagt Andrea Fischer aus Heiden. Sie hat zwei Söhne. Manuel ist zehn Jahre alt und Roman sieben. Roman ist mit dem Downsyndrom auf die Welt gekommen und leidet an weiteren gesundheitlichen Problemen. Für die Familie war klar, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Da sie keine Verwandtschaft in ihrer Nähe haben, beanspruchen sie seit der Geburt von Roman den Entlastungsdienst.
Betreuen
Mägi Gächter vom Entlastungsdienst betreut die Familie seit dem Herbst 2001. Der Verein sucht seine Betreuerinnen oder Betreuer nicht über Inserate. So war es eine Zeit lang für die Familie Fischer sehr schwierig ohne Fremdhilfe zu funktionieren. «Wir können nur mit Fremdhilfe funktionieren. Roman besucht drei Mal in der Woche verschiedene Therapien. Da sind wir in alle Himmelsrichtungen unterwegs.»
Als Mägi Gächter im Jahr 2001 bei der Familie Fischer mit der Betreuung anfing, war sie drei Mal in der Woche im Einsatz. Roman musste fast täglich zum Arzt oder in die Therapie. Während der Abwesenheit der Mutter, passte die Betreuerin auf Manuel auf. Mit Roman geht alles ganz langsam. Zum Beispiel dauert ein Essen über eine Stunde, und das drei bis vier Mal pro Tag. Der kleine strahlende Junge beansprucht soviel Zeit, dass für andere Dinge oder für den Bruder kaum Zeit bleibt. Später war es dann so, dass Mägi Gächter Roman betreute, wenn sich die Mutter einen Nachmittag nur für Manuel Zeit nahm. Oder sie betreut zur Entlastung der Mutter beide Kinder.
Unterstützten
Am Anfang machte sich Andrea Fischer Gedanken darüber, dass sie ihre Kinder fremd betreuen lässt, erkannte aber, dass es ihr auch keine Sorgen bereiten würde, wenn sie ihr Kind jemandem aus der Verwandtschaft anvertraute. Jemand Fremdem die Betreuung zu übergeben ist für viele ein grosser Schritt. Für Andrea Fischer ist heute klar: «Jetzt könnte ich es mir gar nicht anders vorstellen, ich wüsste nicht wie. Manuel sagte mir eines Tages: Weisch Mami, d’Mägi isch wiä äs zweits Mami. Es war für mich die Bestätigung, dass auch Fremde meinen Kindern eine gute Obhut bieten. Ich kann die Kinder Mägi übergeben und völlig entspannt aus dem Haus gehen. Ich weiss, sie sind in besten Händen.»
Gegenwärtig ist Mägi Gächter am Montagnachmittag bei der Familie und zusätzlich nach Bedarf auch mal abends. Nächstens findet Romans Schulgespräch statt, er ist im Dorfkindergarten integriert und wird einen weiteren Schritt wagen. Manchmal darf Manuel «seine» Mägi für sich alleine beanspruchen. Er geniesst es dann, zwei Stunden mit ihr Monopoli zu spielen.
Weiterbildungen
Überall dort, wo Hilfe benötigt wird, sind Betreuerinnen und Betreuer im Einsatz. Die behinderten Personen werden, bis zum AHV Alter tageweise oder während einzelner Stunden betreut. Die Dachorganisation Entlastungsdienst ist bestrebt, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterbilden. Letztes Jahr waren es zwei Weiterbildungen, nämlich der Kurs «Familien unterstützen mit Mass und Grenzen» sowie ein Konfliktseminar im Columban Urnäsch. Für Mägi Gächter ist die Betreuung von Roman eine unschätzbar kostbare Aufgabe. Mit der Erfahrung aus der Familie Fischer sowie den stetigen Weiterbildungen wagte sie es, im Jahr 2004 als Betreuerin in einem Plussport-Lager zu arbeiten.
Finanzierung
Der Verein Entlastungsdienst für Familien mit Behinderten ist Mitglied des Verbands Entlastungsdienstes St.Gallen und Appenzell. Er wird finanziert durch Betreuungsbeiträge, Mitglieder- und Bundesbeiträge, Kollekten und Spenden. Die Eigenfinanzierung erweist sich für manche Eltern schwierig. Denn durch die neuen Gesetzgebungen in den Sozialversicherungen hat sich einiges geändert. Sobald die Kinder mindestens zwei Jahre alt sind, haben sie Anrecht Hilflosenentschädigung der IV zu beantragen.
Sonnenschein
Das Leben mit Roman macht der Familie Fischer Freude. Sie sind mit ihm und den Herausforderungen gewachsen und geben zu verstehen: «Wir sind keine griesgrämige Familie, einer lacht immer, und das ist unser Sohn Roman.»
Mehr Infos unter: www.entlastung.ch Kontaktadresse der Vermittlung: Rita Harzenmoser Telefon 071 333 29 05.



























