Ausserrhoder Bächen geht es gut – den Fischen weniger
AR. Alle fünf Jahre wird der Zustand der wichtigsten Ausserrhoder Bäche untersucht. Im Laufe des letzten Jahres wurden an 49 Stellen Wasserproben entnommen und ausgewertet.
Erstmals wurde auch der Fischbestand an sieben ausgewählten Stellen untersucht. Schön ist: Der Gewässerzustand hat sich gegenüber früheren Untersuchungen leicht verbessert. Die Fischpopulation an den untersuchten Stellen ist aber unbefriedigend.
Lebendige Bäche und sauberes Wasser sind kostbar. Durchs Appenzellerland sprudeln viele kleinere und grössere Bäche, teilweise noch sehr natürlich und ursprünglich. Die intensive Nutzung von Wasser und Boden hinterlässt allerdings ihre Spuren. Mit regelmässigen Untersuchungen können Veränderungen am und im Wasser aber erkannt und rechtzeitig Massnahmen geplant werden.
Im April, Juni und September 2008 wurden an 49 Stellen Proben genommen und ausgewertet. Die Entnahmestellen befinden sich in den Einzugsgebieten von Glatt, Urnäsch, Sitter, Goldach und Rheintaler Binnenkanal. Geleitet wurden die Untersuchungen durch das kantonale Amt für Umwelt – und umfassten die Wasserchemie, den biologischen Zustand sowie den äusseren Aspekt des Gewässers. Zusammen ergaben die Daten Aufschluss über dessen Qualität.
Trotz guter Reinigungsleistungen problematisch
Die Appenzeller Bäche verlaufen insbesondere in den Tobeln natürlich und ungestört. In Siedlungs- und Landwirtschaftsgebieten sind sie aber oft eingeengt, verbaut – und damit in ihrer Funktion als Lebensraum beeinträchtigt. Im Vergleich mit früheren Untersuchungen hat sich der allgemeine Zustand der Bäche zwar verbessert. Dennoch lässt die Wasserqualität und der äussere Aspekt vielerorts noch zu wünschen übrig. Obwohl die Kläranlagen gut reinigen, belastet das eingeleitete gereinigte Abwasser die Bäche wegen dem schlechten Verdünnungsverhältnis. Mit dem Gülleaustrag gelangen zudem vermehrt organische Stoffe in die Gewässer. Dies führt zu unerwünschtem Algenwachstum.
Die Glatt ist als belastetes Gewässer einzustufen. Bereits im Oberlauf werden viele Nährstoffe durch die Landwirtschaft eingetragen. Im Unterlauf kommt das gereinigte Abwasser der ARA Herisau dazu – und führt zeitweise zu Schaumbildungen und Verfärbung. Die Urnäsch ist im Oberlauf wenig beeinträchtigt. Durch das Abwasser verschiedener kleiner Kläranlagen und die Landwirtschaft verschlechtert sich die Wasserqualität aber im Unterlauf. Die Sitter weist fast überall eine erhöhte Belastung auf. Dies ist hauptsächlich auf das via Klösterlibach und Rotbach eingeleitete Kläranlagenwasser aus den ARA Teufen und Bühler/Gais zurück zu führen. Die Goldach ist mässig organisch belastet, die gesetzlichen Grenzwerte sind eingehalten. Im übrigen Vorderland entfällt die Belastung der Gewässer durch Abwasser, weil dieses in die ARA Altenrhein und Rosenbergsau abgeleitet wird.
Groppen sind zurück
Die Fischpopulationen wurden in der Urnäsch, im Rotbach und im Klusbach untersucht. Neben Groppen und Schmerlen überwiegen die bewirtschafteten Bachforellen. Die Auswertung zeigt ein durchzogenes Bild. Vor allem in der Urnäsch wird die Lebensgemeinschaft der Fische durch menschliche Eingriffe und durch Wasserentnahmen beeinträchtigt. Der Rotbach ist für Fische weniger problematisch, obwohl im mittleren Abschnitt der eintönige Bachverlauf den Lebensraum einschränkt. Schön ist: Im unteren Teil des Rotbachs wurden erstmals wieder Groppen nachgewiesen. Der Klusbach befindet sich in einem guten Zustand, der Lebensraum ist vielfältig und ermöglicht einen guten Bachforellenbestand.
An allen beprobten Stellen ist eine Naturverlaichung möglich. Auffallend ist, dass sich die Stellen, an denen junge Bachforellen ausgesetzt wurden, kaum von denen ohne Besatz unterscheiden. Schlecht nachvollziehbar ist die geringe Anzahl der kleinsten, so genannten 0+Forellen, sowie das schlechte Verhältnis zu den älteren (>0+) Forellen. Ursache ist möglicherweise das Hochwasserereignis von 2006 mit hohen Verlusten in der Fischfauna. Nach solchen Ereignissen können Fische im Folgejahr als Kompensation mehr Laich ablegen. Dies würde den starken 1+Jahrgang erklären, der die 0+Fische im Kampf um geeignete Schutznischen verdrängt haben könnte.
Bewusster Umgang mit Wasser hilft
Dank guter Reinigungsleistung der Kläranlagen und vermehrtem Umweltbewusstsein der Landwirte hat sich der Zustand der Ausserrhoder Fliessgewässer grundsätzlich verbessert. Handlungsbedarf besteht dennoch. Die Kläranlagen sind allerdings bereits gut ausgerüstet – eine weitere, massive Verbesserung der Reinigungsleistung wäre mit hohen Kosten verbunden. So prüfen viele Gemeinden die Möglichkeit der Ableitung des Abwassers in grosse Anlagen – wie im Vorderland.
In der Landwirtschaft ist vermehrt auf einen zeitlich richtigen und dosierten Düngeraustrag zu achten. Einzuhalten ist auch genügend Abstand zu Gewässern, Drainagen, entwässerten Wegen und Plätzen. Damit kann die Aus- und Abschwemmung von Nährstoffen gering gehalten werden. Oberflächenwasser von Dächern und Plätzen soll wenn möglich versickern – und nicht direkt in die Gewässer eingeleitet werden. Durch den bewussten Umgang mit Wasser und Umwelt können alle dazu beitragen, dass die Bäche im Appenzellerland ungestört und sauber sprudeln.



























