«Auskommen mit dem Einkommen»
Herisau/AR. Das «Auskommen mit dem Einkommen» war zweimal das Thema an der Realschule: Eine Fachfrau besuchte die ersten Klassen.
Jeder vierte Jugendliche in der Deutschschweiz und jeder dritte Schweizer unter 25 Jahren ist verschuldet. Ein Präventionsprojekt des Kantons Thurgau soll die Jugendlichen vor dem Eintritt in das Erwerbsleben für dieses Thema sensibilisieren. Der Umgang mit dem Geld wurde kürzlich auch in allen ersten Klassen der Realschule Herisau im Unterricht thematisiert.
Carmen Sieber, Leiterin der Budgetberatungsstelle Thurgau, sprach zu und mit den Schülerinnen und Schülern. «Die Jugendlichen haben das neueste Handy, rauchen, fahren Roller und tragen die angesagten Klamotten. In der Werbung wird propagiert, sich alle Wünsche sofort zu erfüllen. Ist das immer möglich?»
«Ich frage mich dann…..»
Das Einkaufen bildet für 85 Prozent der 14- bis 24-Jährigen eine wichtige Freizeitbeschäftigung. Bei manchen Menschen besteht gar eine Suchtgefahr, Dinge zu kaufen, die gar nicht gebraucht werden. Die Gruppen- und Einzelarbeiten, der Erfahrungsaustausch und die Diskussion in den Schulzimmern zielten am vergangenen Donnerstag unter anderem darauf hin, den Jugendlichen den Rahmen aufzuzeigen, der es ermöglicht, «mit dem Einkommen auszukommen».
Zum Beispiel ging es um die Ausgaben im Alltag: Wieviel kostet ein SMS, ein Päcklein Zigaretten, ein paar neue Turnschuhe, eine Stunde beim Fahrlehrer, eine Monatsprämie der Krankenkasse, ein Liter Milch? Wenn ein Jugendlicher in der ersten Realklasse im Monat über 100 Franken Taschengeld habe und erkläre, er könne jeweils bei den Eltern noch um mehr Geld nachfragen, wenn es nicht reiche, laufe früh etwas falsch. «Ich frage mich dann: Welchen Reiz kann zwei Jahre später der Lehrlingslohn darstellen? Und wie können diese jungen Leute nachher zurecht kommen?»
Wieviel bleibt?
Die Schülerinnen und Schüler erstellten anhand von Angaben ein Lehrlings-Budget: An welche Rückstellungen für Schulmaterial oder Fahrkosten ist zu denken? Wieviel Geld bleibt nach den Abgaben zuhause und den festen Kosten noch für Ferien oder Sparen? In ihrem Büro würden junge Menschen auftauchen, die kurz nach dem Eintritt ins Erwerbsleben Schulden von 30’000 oder 40’000 Franken aufweisen, sagt Carmen Sieber. «Deshalb ist es wichtig, frühzeitig auf die Gefahren einer Verschuldung aufmerksam zu machen.»
Zwei Tage vor dem Besuch in den Klassen hatte die Realschule Eltern und weitere Interessierte zu einem Referat der Fachfrau in die Aula eingeladen. Es gelte die Eltern unter anderem darauf aufmerksam zu machen, die Jugendlichen fern zu halten von Kreditkarten, Leasingverträgen und ähnlichem. «Alles, was sie von uns oder den Eltern mitbekommen, kann ihnen auf dem Weg helfen, eine Verschuldung zu vermeiden.»
Informationen: www.budgetberatung.ch



























