Aufruf zum Streik
Nun hat also auch unsere Region einen Ikea. Dort bekommt man für wenig Geld ein Möbel; wenn man dann auch noch einen Bekannten hat, der ein Ingenieurstudium absolviert und so eine Chance hat, den Bausatz zusammenbauen, ist das Glück perfekt.
Was Ikea und Olma miteinander zu tun haben, fragen Sie? – Ganz einfach. Ich fordere Sie feierlich zum Ikea-und-Olma-Streik auf. Nicht etwa, weil ich etwas gegen den schwedischen Möbelriesen oder die Ausstellung mit Degustationshalle hätte. Im Gegenteil, ich bin ein begeisterter Olma-Gänger, und Ikea schafft viele heiss ersehnte Arbeitsplätze in der Region.
Aber mit meinem kleinen Streik-Aufruf möchte ich diejenigen Stadtbewohner bestrafen, die nicht müde werden, uns Appenzellerland-Bewohnern ein schlechtes Gewissen einzureden. Die uns vorwerfen, auf dem Land zu wohnen und in der Stadt zu arbeiten, mit der Pendlerei das städtische Verkehrsnetz zu belasten, ohne dafür zu bezahlen und so weiter. Ja, liebe Stadt-Aktivisten, dann lassen wir doch einfach für einmal auch Eure Aushängeschilder Ikea und Olma links liegen. Denn wir wollen ja Euern Strassenbelag nicht unnötig abnützen. Wenn Ihr uns nicht als arbeitende Pendler wollt, warum sollt Ihr uns dann als zahlende Konsumenten kriegen? Ach ja, richtig: In dieser Rolle sind wir natürlich hoch willkommen.
Natürlich, zunächst würden nur Olma und Ikea darunter leiden, wenn sich eine Region mit über 60’000 Menschen aus diesem Konsumkreislauf ausklinkt. Aber später müssten sich auch einige Politiker ihre Gedanken machen. Zum Beispiel darüber, dass niemand nur Bewohner oder nur Angestellter oder nur Pendler oder nur Käufer ist – wir alle sind vieles gleichzeitig. Lange genug wurde, wer im Appenzellerland wohnt und in St.Gallen arbeitet, als eine Art umweltverpestender Leistungsschmarotzer dargestellt. Dieses Bild lässt sich nur revidieren, wenn wir bei Gelegenheit zeigen, was wir sonst noch alles sind – zum Beispiel, indem wir eben in einen kleinen Streik treten.
Aber ernsthaft: Ich selbst werde wohl der erste Streikbrecher sein. Denn wenn ich Ikea boykottiere, riskiere ich die Scheidung.



























