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Appenzellerland feiert Silvester

Urnäsch. Das Appenzellerland feiert am Samstag den alten Silvester.

Das bunte Treiben der «schöne», «wüeschte» und «schö-wüeschte» Chläuse beobachten dieses Jahr auch Vertreter der Schweizer Armeeführung.

Im ausserrhodischen Hinterland ist am Samstag zum zweiten Mal Silvester. Gemäss dem Julianischen Kalender endet das Jahr am Fuss des Säntis nämlich erst am 13. Januar. Das feiern die Einheimischen mit dem alten Silvester, dem eindrücklichsten Winterbrauch im Appenzellerland.

Wenn der 13. Januar, wie dieses Jahr, auf einen Sonntag fällt, feiern die Appenzeller am Samstag. Ganze Cars und Extrazüge voller Touristen fahren ins Urnäscher Tal, um die farbenprächtig herausgeputzten Chläuse zu sehen und zu hören wie sie singen.

Auf Einladung der Ausserrhoder Regierung sind dieses Jahr auch Vertreter der Schweizer Armeeführung, darunter Divisionär Peter Stutz, in Urnäsch zu Gast. «Die Regierung wird sich mit den Gästen einem ´Schuppel´ anschliessen», sagte der Ausserrhoder Ratschreiber Martin Birchler.

Diese «Schuppel», oder Gruppen, ziehen bereits in der Morgendämmerung von Hof zu Hof. Vor dem Haus stellen sie sich in einem Kreis auf, schellen und rollen und singen ein «Zäuerli», den typisch appenzellischen, melodiösen, langgezogenen Jodel ohne Worte. Die Bewohner auf den Höfen bedanken sich mit Glühwein und Geldspenden.

Rollenweiber und Schellenchläuse
Ein Schuppel von schönen Chläusen besteht üblicherweise aus sechs Burschen, zwei «Rolli» und vier «Schelli». Die Rollenweiber tragen gewaltige radförmige Hauben auf dem Kopf und sind in eine Art Frauentracht gekleidet.

Die Schellenchläuse tragen auf dem Rücken und der Brust je eine Senntumsschelle. Auf den Köpfen haben die Schellenkläuse flache, rechteckige Hüte.

In den Nischen der Hauben und auf der oberen Fläche der Hüte werden mit sorgfältig geschnitzten Figürchen Szenen aus dem ländlichen Leben dargestellt, eine Alpfahrt zum Beispiel oder Handwerker und Bauern an der Arbeit.

Furchterregende Masken
Die «wüeschten» Chläuse tragen oft furchterregende Masken, die aus Papiermaché, Schweine- oder Rinderzähnen, Knochen und anderen Naturprodukten angefertigt werden. Hosen, Kopfbedeckung und Mäntel werden mit Heu, Stroh, Tannenreisig, Stechlaub oder ähnlichen Materialien besteckt.

Die Natur- oder Waldkläuse, im Volksmund als die «schö-wüeschte» bezeichnet, sind eine Zwischenform, die in den sechziger Jahren entstanden sind. Für Mäntel und Hüte werden Naturmaterialien verwendet. Auf den Kopfbedeckungen und in Nischen an den Mänteln werden ähnliche Szenen dargestellt, wie sie die schönen Kläuse zeigen.

Alter Männerbrauch
Das Chlausen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in einigen Dörfern im Urnäschtal wieder aufgenommen und ist in den letzten Jahren zur Touristenattraktion geworden. Chlausen ist ein Männerbrauch und körperlich anstrengend: Der «Schelli» mit den grössten Glocken trägt zwischen zwanzig und dreissig Kilo mit sich herum.

Die Schuppel machen deshalb immer wieder Pausen, denn der Silvestertag ist lang, zumal die Chläuse am Abend von Restaurant zu Restaurant ziehen und sich den vielen Besuchern aus nah und fern zeigen.

Appenzell AusserrhodenAppenzell Ausserrhoden / 11.01.2008 - 14:49:00