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Appenzeller Lehrlinge stellen aus

Trogen. Über 200 Lehrlinge aus dem Appenzellerland aus mehr als 40 Berufen stellen ihre Arbeiten aus.

Über 200 Lehrlinge haben an den Arbeiten mitgemacht und geben der Ausstellung «Freizeitarbeiten» den tollen Rahmen. Die Kantonsschule Trogen stellt ihre Infrastruktur zur Verfügung. Der örtliche Gewerbeverein zeigt sich für das Rahmenprogramm verantwortlich. Die Ausstellung richtet sich an Jung und Alt. Ein Ausstellungsrestaurant bietet Möglichkeiten zu Gesprächen. Ständerat Dr. Hans Altherr, Präsident des Industrievereins AR, Trogen gibt sich die Ehre. Am Freitag, 28. März um 17 Uhr ist die offizielle Eröffnungsfeier in der Aula der Kantonsschule Trogen. Die Austellung kann am Freitag von 18 bis 22 Uhr, am Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr bestaunt werden. Auch für musikalische Unterhaltung ist gesorgt. Die Hauptdarsteller, die Lehrlinge selbst, sind auch präsent und geben Auskunft zu ihren Arbeiten. Der Anlass stösst auf breites Interesse und wird durch den Hauptsponsor UBS und das Appenzeller Medienhaus, die Kantone AR/AI, die Gewerbeverbände AR/AI, den Industrieverein AR/AI und durch die Wirtschaftsförderung AR unterstützt. Gret Zellweger, Präsidentin der Kommission Freizeitarbeiten AR/AI, ist sichtlich stolz auf das Geleistete. Sogar die Flyergestaltung wurde durch einen Lehrling (Patrick Koller, Polygraf im 3. Lehrjahr) gemacht. Weitere Informationen können unter www.freizeitarbeiten.ch ersehen werden.

Die Herisauer Zeitung/Appenzeller Rundschau hat sich stellvertretend für alle Lehrlinge bei zwei völlig unterschiedlichen Berufen umgeschaut. Lesen Sie dazu die Meinungen der Lehrlinge und der Lehrmeister selber:

Interview mit Dana Bamme, Mechapraktikerin
Dana Bamme, 19-jährig, aus Wil absolviert ihre dreijährige Lehre bei der PMP Präzisionsmechanik AG in Herisau. Das Unternehmen ist ein reiner Lohnfertigungsbetrieb und kann sich an vollen Auftragsbüchern freuen. Ideal für einen Lehrling, sich in einem solch positiven Umfeld bewegen zu können. Für Dana ist dieser Beruf nicht einfach eine x-beliebige Lehre, sondern Passion pur.

Als Ausstellungsarbeit wählte die angehende Mechapraktikerin, so die graue Berufsbezeichnung, einen Vakuum- Motor, basierend auf Heiss- und Kaltluft. Bei der Arbeit geht es vor allem um die Teilchenfertigung und nicht um das Ausstellungsstück an sich. Die wichtigsten Arbeiten sind Drehen, Fräsen und Bohren. Gefragt ist vor allem genaues Arbeiten, eine schnell Auffassungsgabe und die Möglichkeit, sich etwas bildlich vorzustellen. Oder andersherum ausgedrückt: Aus einem Plan, der die Masse auf den Hundertstel Millimeter vorgibt, das richtige Teil umzusetzen.

Auf die Frage, was denn das Schwierigste an diesem Beruf sei, meint Dana: «Es ist immer der Anfang einer Arbeit. Ist man mal drin, dann geht’s ganz gut voran.» Und mit Klischees hat es die junge Handwerkerin auch nicht: «Das hat überhaupt nichts mehr mit Männerberuf oder Frauenberuf zu tun. Genaues Arbeiten ist gefragt und nicht die körperlich schwere Arbeit, wie das vielleicht noch vor Jahren so war.»

Der Arbeitgeber steht voll hinter dem Projekt. Peter Meier ist denn auch sichtlich stolz auf seinen Schützling. Ihm gefällt vor allem, dass sich seine Lehrtochter für Neues interessiert. Dana hat den technischen Verstand, den es braucht, ist sehr zuverlässig, zeigt Interesse, ist aufgestellt und humorvoll, alles Dinge, die in einer Gruppe von neun Mitarbeitern sehr von Nutzen sind.

Interview mit Erika Fuchs, 16-jährig aus Schlatt Appenzell, Bäcker/Konditor
Erika Fuchs ist schon früh durch ihre Familie zum Beruf Bäcker/Konditor gelangt. Sie absolviert derzeit ihre Lehre bei der Bäckerei Schläpfer in Herisau. Als Ausstellungsstück hat sie sich für ein Notenbuch aus Schokolade entschieden. Lehrmeister Martin Dorner steht höchstens als technischer Berater zur Seite.

Auch hier stellt der Interviewer schnell fest: Die junge Erika hat klare Ziele. Ein Notendurchschnitt von fünf Plus soll es sein. Ohne Passion geht auch hier gar nichts. Man muss sich zu diesem schönen Beruf hingezogen fühlen. Der Zeitaufwand für dieses Notenbuch liege etwa bei fünf vollen Nachmittagen. Gearbeitet wird mit Modelliermasse und eingefärbtem Gelee. Das Ganze ist eine Couverture aufgebaut auf einem Schoko-Gestell. Der Innenraum ist hohl.

Das Schwierigste an dieser Arbeit seien die Rahmen gewesen. Aber auch die Notenblätter mit Schokolademasse gerade zu zeichnen gehört mitunter zum Schwierigsten, was ein Konditor überhaupt machen kann. Es braucht eine ruhige Hand, viel Gefühl und einen Schuss Geduld.

Auf die Frage, ob sie denn keine Mühe habe, den vielen süssen Versuchungen zu widerstehen, gibt sie gerne zu: «Ja, zwischendurch darf es schon mal etwas Süsses sein. Wenn man sich aber den ganzen Tag mit dieser Materie abgibt, dann ist das nicht so wild.»

Lehrmeister Dorner ist seinem Schützling von Anfang an beratend zur Seite gestanden. «Machen müssen sie es schon selber, aber als Coach kann und soll man doch den einen oder anderen Tipp geben.» Die wichtigste Frage sei immer zuerst: Ist das überhaupt machbar oder nicht. Und wenn Erika mal nicht in der Backstube steht, dann spielt sie in ihrer Freizeit Trompete.

Appenzell AusserrhodenAppenzell Ausserrhoden / 26.03.2008 - 09:06:00