Ängste und Anpassung
AR/AI. Morgen ist internationaler Tag der Behinderten. Ein Gespräch mit Vreni Fricker, stellvertretende Heimleiterin Werkheim Neuschwende.
Am Montag, 3. Dezember, ist internationaler Tag der Behinderten. Der Tag wurde von der World Health Organisation (WHO) vor elf Jahren ins Leben gerufen und soll an die Probleme der Menschen mit Behinderungen in unserer Gesellschaft erinnern. Oft werden auch heute noch behinderte Menschen Opfer von Diskriminierung.
«Wir haben täglich ‚Tag der Behinderten’», sagt Vreni Fricker, Stellvertretende Heimleiterin des Werkheims Neuschwende in Trogen. Im Werkheim gibt es an diesem Tag keinen speziellen Anlass. Dennoch: «Dieser Tag ist sehr wertvoll. Den Menschen wird wieder bewusst, dass es auch Behinderte gibt. Man lernt an diesem Tag, auch mehr auf die Behinderten zu achten.» Im Werkheim Neuschwende leben zurzeit 30 behinderte Personen in Wohngruppen. Tagsüber arbeitet jeder und jede in einer der fünf Werkstätten.
Im Zug nach Zürich
«Heute wird mehr über Behinderte gesprochen und auch mehr darüber publiziert», erklärt Fricker. «Wenn man mit dem Zug von St.Gallen nach Zürich fährt, sieht man oft Behinderte. Das war früher nicht so. Die Behinderten werden nicht mehr einfach weggeschlossen, sie nehmen aktiv am Leben teil und somit ergibt sich auch eine Vermischung von behinderten und nicht behinderten Menschen.»
Das grösste Problem sind laut Fricker die Ängste, welche viele Leute haben, wenn sie Behinderten begegnen. «Diese Ängste entstehen, weil Verständnis und Wissen fehlen. Wenn ein Behinderter laut zu schreien beginnt, ist es verständlich, dass man Angst bekommt. Aber oft kennen dann diese Personen die Ursache für das Schreien gar nicht. Wenn mehr Wissen da wäre, würde man folglich auch weniger Ängste haben.»
Wichtige Anpassung
Das häufigste Vorurteil gegenüber Behinderten ist laut Fricker, dass sie nichts können. Im Laufe der Zeit, hat sich dieses Vorurteil zwar abgebaut, ist aber immer noch präsent. «Heutzutage spielen Behinderte in Theatern mit oder machen Musik und plötzlich merken die Leute ‚hey, die können ja auch etwas’», erzählt Fricker, die auch Initiantin des Trogener Adventsmarkts ist. An diesem etwas anderen Adventsmarkt bieten auf dem Landsgemeindeplatz rund 50 Institutionen, in denen Menschen mit Behinderungen tätig sind, ihre Produkte an.
Das Arbeiten mit Behinderten ist für Fricker eine ständige Herausforderung. Ihr wird es den ganzen Tag nie langweilig. «Mann hat natürlich auch eine gewisse Vorbildfunktion für diese Menschen», so Fricker. Es sei sehr wichtig, dass man sich den Behinderten anpasse und sich ändere, um auf diese Menschen richtig eingehen zu können. Denn: «Ich kann mich anpassen, sie können es nicht.»
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