«An einem Angebot hängen bleiben»
Herisau. Freizeitmöglichkeiten kennenlernen, sich integrieren: Das ist die Idee hinter der «Vereinsgüxli»-Woche im Schulhaus Wilen
Um den Schülerinnen und Schülern sinnvolle Freizeitbeschäftigungen näher zu bringen und auf bestehende Angebote aufmerksam zu machen, wurde im Primarschulhaus Wilen eine «Vereinsgüxli»-Woche durchgeführt.
«Die Idee entstand aus Gesprächen zwischen Eltern und Lehrpersonen», erklärt Vorsteherin Sidonia Zwyssig. Manche Kinder würden einen Grossteil der Freizeit vor dem Computer oder dem Fernseher verbringen. «Und auch die Zeit, in der sie draussen sind, können sie zum Teil nicht sinnvoll nutzen.» Die Folgen würden von Langeweile über Unzufriedenheit und das Fehlen sozialer Kontakte bis zu Aggressionen führen. In Zusammenarbeit mit dem Elternforum Wilen erarbeiteten die Lehrpersonen das «Vereinsgüxli»-Projekt, das in der vergangenen Woche stattfand.
Tauchen, Tanzen, Babysitten
An den Vormittagen wurde von Montag bis Freitag der gewohnte Unterricht in den Klassen abgehalten. An den Nachmittagen und Abenden sowie am Samstag besuchten die Erst- bis Sechstklässler Kurse. «Wir haben zahlreiche Vereine, Funktionäre, Jugendorganisationen, Einzelpersonen, Eltern mit entsprechenden Kontakten usw. angefragt. Das Ergebnis war sehr erfreulich.» Die Organisationen konnten die Kurse als Werbung präsentieren. Nicht weniger als 62 Angebote wurden ausgeschrieben (zum Teil handelte es sich um Parallelkurse zu verschiedenen Zeiten resp. für unterschiedliche Altersgruppen).
Die Bandbreite war gross, umfasste sportliche, musikalische und andere kulturelle Bereiche. «Schwimmen, Tauchen, Wasserspiele, das macht Spass. Komm vorbei beim Schwimmclub Herisau», hiess beispielsweise die Ausschreibung Nummer 7. «Für alle, die Freude am Tanzen haben. Es fördert die Koordination und ist Fun pur.» Dieser Hinweis galt dem Kurs 44 – Kinderdance für Mädchen. Es wurde Querflöte und Unihockey gespielt, gemalt, gesungen, im Wald gekocht, in die Aufgaben als Babysitter eingeführt. Hausaufgaben gab es während der «Vereinsgüxli»-Woche keine.
Fünf bevorzugte Kurse
Das Projekt sei bei den Kindern sehr gut angekommen, ergänzt Sidonia Zwyssig. Die Schülerinnen und Schüler hatten nach dem Studium der umfangreichen Kurs-Broschüre fünf «favorisierte» Angebote auswählen können, worauf die Einteilung erfolgte. Eigene feste Musik- und Sportstunden sowie weitere Vereinstätigkeiten, die man nicht absagen wollte, wurden auch berücksichtigt. Die Kurse waren für die Schülerinnen und Schüler gratis. Gewisse Kosten für die Infrastruktur und den Bus-Transport zum Beispiel ins Sportzentrum übernahm die Schule.
Die Lehrpersonen leisteten die nicht zu unterschätzende Arbeit im Telefondienst und in der Koordination im Falle von Absenzen und Mutationen, begleiteten zum Teil die Angebote. «Es kamen auch manche Eltern in die Kurse mit, erfreulicherweise gerade auch solche, die entsprechende Angebote selber noch nicht kannten.» Die Rückmeldungen aller beteiligten Kreise seien positiv gewesen, sagt die Vorsteherin.
Ziel: Quote von 20 Prozent
Hemmschwellen abbauen, zu körperlicher wie geistiger Bewegung motivieren, das Schulhausklima verbessern: Diese Stichwörter sind im «Vereinsgüxli»-Konzept als weitere Anliegen formuliert. Das Kennenlernen von Angeboten und das Schnuppern in den Kursen seien zentral, die Woche beinhalte aber auch eine konkrete Zielsetzung, ergänzt Sidonia Zwyssig. «Wir hoffen, dass 20 Prozent der Kinder, die bis anhin noch keine regelmässig stattfindende, sinnvolle Freizeitbeschäftigung haben, in einem solchen Angebot ‚hängen bleiben’.»
Nach Möglichkeit wurden die Kurse «eins zu eins» durchgeführt, zu den regulären Zeiten also. Damit entstanden konkrete Erkenntnisse wie diese: «Ich muss für diese Beschäftigung zu diesem bestimmten Zeitpunkt losmarschieren, oder ich kann jenen Bus nehmen, um ins Training und wieder nach Hause zu kommen.» Bei der Mehrheit der Angebote war das Schulhaus Besammlungs- und Schlussort. Nur für einzelne Kurse wurden Privatautos eingesetzt.



























