«Absecklen, wenn es Zeit ist»
Arbon. Am Samstag, 17. Mai, um 19 Uhr öffnen sich ein weiteres Mail die Türen des Arboner ZIK.
Nach den ersten beiden Bühnenprogrammen «Miniaturen» und «Teilwahrheiten», mit denen die Hohen Stirnen in Kleintheatern der ganzen Deutschschweiz aufgetreten sind, präsentieren sie in Arbon ihr drittes Programm «Absecklen, wenn es Zeit ist» – eine literarisch-musikalische Reise, ein melancholisches Zusammenspiel zwischen Wort und Klang, zwischen Poesie und Piano.
Auf der Bühne des ZIK zu Gast sein werden Pedro Lenz und Patrik Neuhaus, Ersterer gelernter Maurer mit eidgenössischer Matur, Schriftsteller, Kolumnist und seines Zeichens Berns bekanntester Slam-Poet, Zweiterer ein Virtuose an Klavier und Akkordeon.
Gemeinsam erzählen sie die Geschichte des vergessenen Berner Universalgenies Prudenz Meister, von seinen Fluchten, seinen Werken und seiner grossen Liebe. Wunderkind, Tagträumer, Weltenbummler und rastloser Künstler, alldies und noch viel mehr war der Berner Heimwehpoet; alldies erwecken die zwei Berner nun zu neuem (Bühnen)Leben.
«Absecklen, wenn es Zeit ist»
Erzählt wird von einem Prudenz, dessen Vater ständig durstig war. Der eine Mutter hatte, die krank war an der Seele. Nur der kleine «Dänzi» ist ihr Augenstern – und der merkt schon bald ein paar Sachen, die andere ein ganzes Leben lang nicht kapieren.
Darum beschliesst er eines Tages, dass er das Meer nicht nur in Büchern bestaunen will. Das heisst für ihn «Absecklen, wenn es Zeit ist», «Absecklen, solange noch Zeit ist», «Absecklen» auch vor Marie-Louise, der geliebten «Aaretaube», die verheiratet und Projektionsfläche für Prudenz› romantische Sehnsüchte und Fantasien ist.
Bei ihr wird er zum Wolkenschieber, zum Liebesbriefprinz. Der Schriftsteller Pedro Lenz und der Musiker Patrik Neuhaus skizzieren mit Prudenz Meister das Bild eines Dichters und Denkers, der einen Rucksack voll zerschlagenen Geschirrs mit sich herumträgt. Und dessen Herz sich manchmal anfühlt «wie ein nasser Bodenlumpen».
Harmonie von Wort und Klang
Klavierspieler und Erzähler stimmen Musik und Literatur, Wort und Klang präzise aufeinander ab. Patrik Neuhaus trägt das Melancholische, welches Prudenz Meister verkörpert, am Klavier und Akkordeon weiter und kreiert dabei feine, musikalische Denkpausen.
In diesem Ambiente rezitiert Pedro Lenz wachsam dem Klang der Musik folgend seine facettenreichen Texte, die ein rhythmisches Spiel mit der Sprache zulassen. Mal schlüpft er dabei (bei der Lektüre der Tagebücher Prudenz Meisters) in die Haut des Poeten, dann wieder beleuchtet er das Schicksal von Prudenz Meister als Aussenstehender oder trägt berndeutsche Gedichte des Universalgenies vor.
Es entwickelt sich eine faszinierende Figur, welche die volle Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zieht. Aufmerksamkeit für Fragen, die der ruhelose Poet aufwirft: Was ist Glück? Und warum bloss (ja warum nur?) will man so sein, wie man nicht geworden ist? Auf der Suche nach Antworten treibt es den Heimwehberner Prudenz Meister in die Welt hinaus. Nach Paris, wo die Zuschauerinnen und Zuschauer Zeugen eines Disputes zwischen Rilke, dem Schöngeist, und Meister, dem bodenständigen Gassenpoeten, werden. Oder nach Barcelona, wo sich verfolgen lässt, wie Meister durch den Krieg politisiert wird.
Vergängliche Leidenschaft
Wie die Liebesgeschichte zwischen Prudenz und Marie-Louise ausgeht: am Samstag, dem 17. Mai ist es im Arboner ZIK zu erfahren. Soviel steht aber schon jetzt fest: «Das Leben ist das, was man tut, nicht das, was man sich ausgedacht hat». Zumindest Literatur und Theater lassen hingegen auch ausgedachte Welten zu – ohne das jemand «absecklen» müsste…
Hohe Stirnen – «Absecklen wenn es Zeit ist»
Poesie & Piano mit Pedro Lenz und Patrik Neuhaus
Samstag, 17. Mai, 20.30 Uhr (Türöffnung und Barbetrieb ab 19:30 Uhr)
ZIK, Weitegasse 6, 9320 Arbon
Veranstalter:
Phonomène – off course culture
Amriswilerstrasse 94
9320 Frasnacht



























