Abschied nach 400 Jahren
Appenzell. Die Schwestern des Kapuzinerinnen-Klosters Maria der Engel werden die Klostergemeinschaft aufheben.
Im Sommer des vergangenen Jahres wurde erstmals darüber informiert, dass die Schwestern des Kapuzinerinnen- Klosters Maria der Engel die Klostergemeinschaft aufheben und ins Kloster St. Ottilia Grimmenstein, Walzenhausen, umziehen werden. Der Abschied rückt näher. Unterdessen steht fest, wann der Umzug erfolgt und wie es mit den Gebäuden im Klosterbesitz weitergehen wird.
Seit 29 Jahren konnte im Kloster Maria der Engel keine ewige Profess mehr gefeiert werden, die Gemeinschaft wurde immer kleiner. Mittlerweile übersteigt es die Kräfte der verbleibenden fünf Schwestern – ihr Durchschnittsalter liegt bei über 75 Jahren – die Gemeinschaft im Ort Appenzell weiter aufrecht zu erhalten. Die Schwestern hatten sich deshalb 2007 entschlossen, ein Gesuch um Klosteraufhebung an den Apostolischen Stuhl in Rom zu richten.
Dieses Gesuch wurde im August 2007 per Dekret genehmigt und der St. Galler Bischof Markus Büchel ist damit beauftragt worden, das vatikanische Dekret umzusetzen. Von kantonaler Seite her begleitet Landammann Carlo Schmid-Sutter, Kastenvogt (Klosterbeistand), den Prozess. Viele Vorbereitungsarbeiten und Abklärungen sind in den vergangenen Monaten an die Hand genommen worden.
Erleichterung und Abschied
Die Umsiedlung der Schwestern ins Kloster St. Ottilia, Grimmenstein, steht nun kurz bevor. Die Klosteraufhebung bedeutet einerseits die Entlastung der Schwestern von Verantwortungen und Aufgaben, die zu fünft und mit altersbedingt teils stark nachlassenden Kräften nicht mehr zu bewältigen waren. Andererseits fällt der Abschied verständlicherweise schwer.
Die Kapuzinerinnen von Appenzell möchten sich in aller Ruhe und in Abgeschiedenheit auf ihren Umzug vorbereiten. Per 1. März ist darum die Klosterpforte definitiv geschlossen. Im April wird die Klostergemeinschaft nach Grimmenstein übersiedeln. Zum Abschied feiert Bischof Markus Büchel am Samstag, 5. April, 10.30 Uhr, mit den Schwestern einen Gottesdienst.
Was passiert mit den Gebäuden?
In der vergangenen Woche haben die Schwestern gemeinsam mit dem Bischof und dem Kastenvogt besprochen, wie es mit den verschiedenen Gebäuden in Klosterbesitz weitergehen soll. Die Klosterliegenschaft selber soll auf Wunsch der Schwestern und auch gemäss vatikanischem Dekret wieder einer geistlichen Gemeinschaft zur Verfügung gestellt werden.
Um diesen Zweck zu erfüllen, wird eine kirchliche Stiftung eingerichtet, der das Eigentum der Klosterliegenschaft (ohne die schulisch genutzten Bauten) übertragen werden soll. Die Stiftung soll die Klosterliegenschaft auch weiterhin als ein Zentrum des religiösen Lebens führen, sich aber auch auf eine längere Zeit der Suche nach einer geeigneten Gemeinschaft einstellen können. Dass die Klosteranlage einer weltlichen Nutzung zugeführt und beispielsweise in eine Hotelanlage oder in Wohnungen umgebaut wird, steht nicht zur Diskussion.
Im Eigentum der Kapuzinerinnengemeinschaft stehen – bedingt durch die Geschichte des Klosters – auch schulisch genutzte Bauten und Liegenschaften. Diese gehen in das Eigentum des Klosters St. Ottilia, Grimmenstein, über. Die bestehenden Miet- und Baurechtsverträge zwischen dem Kloster Maria der Engel und der Schulgemeinde Appenzell werden selbstverständlich durch diesen Eigentumsübergang nicht berührt. Das Kloster Grimmenstein übernimmt die bestehenden Verträge unverändert.
Geschichtliches zum Kloster Maria der Engel
Im Jahr 1613 zog eine kleine Kapuzinerinnengemeinschaft, bestehend aus Schwestern der Klöster Grimmenstein (Walzenhausen) und Wonnenstein (Niederteufen), in das heute noch als «Schloss» bekannte Gebäude mitten im Ort Appenzell. Das Schloss war vom Staat aus Privatbesitz erworben und den Schwestern als Wohnstatt zur Verfügung gestellt worden.
Von 1619 bis 1621 dauerte der Bau der Klosterkirche, ein einfacher, längs gestreckter Renaissancebau. In den frühen 80er Jahren des 17. Jahrhunderts bauten die Schwestern das heutige Kloster. In den Blütezeiten lebten bis zu 42 Schwestern im Kloster Maria der Engel. Die Kapuzinerinnengemeinschaft war ursprünglich der strengen tridentinischen Klausur verpflichtet und lebte von verschiedenen Handarbeiten wie dem Garnspinnen, der Tuchweberei, der Produktion von Kerzen und Votiven.
1821 gründeten die Schwestern die Mädchenprimarschule und bauten drei Schulhäuser. Die öffentliche Hand hatte die Gemeinschaft um diesen Dienst an der Ausbildung der Mädchen gebeten. 1973 mussten die Schwestern ihre Schule zum allgemeinen Bedauern aufgeben, der «Personalmangel» machte sich schon damals stark bemerkbar. Im Jahr 2008 schliesst sich ein Kreis – die Schwestern kehren in ein Kloster zurück, aus dem vor rund 400 Jahren ihre Vorgängerinnen in Richtung Appenzell ausgezogen waren.



























