Abkühlung der Wirtschaft setzt sich fort

Die Thurgauer Wirtschaft hat sich im dritten Quartal 2008 weiter abgekühlt.

Die Industriebetriebe sind mit ihrer Geschäftslage insgesamt noch knapp zufrieden, äussern sich jedoch für die kommenden Monate skeptisch. Im Baugewerbe zeichnet sich – bei momentan noch gutem Auftragsbestand – ein Rückgang der Auftragseingänge ab.

Gemäss der soeben erschienenen Ausgabe des «Thurgauer Wirtschaftsbarometers», das vom Kanton Thurgau, der Thurgauer Kantonalbank und der Industrie- und Handelskammer Thurgau gemeinsam getragen wird, hat sich der Geschäftsgang in der Thurgauer Industrie im dritten Quartal 2008 deutlich eingetrübt.

Positive Geschäftslagebeurteilung überwiegt noch knapp
Trotz dieser Abkühlung waren die Anfang Oktober 2008 von der KOF ETH befragten Thurgauer Industriebetriebe mit ihrer Geschäftslage insgesamt zufrieden. Allerdings hat sich der Anteil der Betriebe, die ihre Geschäftslage als «gut» bezeichneten, innerhalb von drei Monaten von rund 50 Prozent auf gut 25 Prozent deutlich reduziert. Im Gegenzug hat das Lager der Betriebe, die ihre Geschäftslage als «befriedigend» einstufen, markant zugenommen. Knapp 15 Prozent der Betriebe meldeten eine schlechte Geschäftslage, ungefähr gleich viele wie im Quartal zuvor.

Rückläufige Industrieproduktion
Die Industrieproduktion war im dritten Quartal 2008 rückläufig, nachdem sie bis zum Sommer noch expandiert hatte. Damit hat sich die Kapazitätsauslastung innert Quartalsfrist um zwei Prozentpunkte auf rund 82 Prozent verringert und liegt jetzt etwas unter dem langfristigen Durchschnitt.

Markant schlechtere Beurteilung des Auftragsbestands
Wie die Produktion lief auch der Bestellungseingang im dritten Quartal harziger. Entsprechend trübte sich die Beurteilung des Auftragsbestands markant ein. Während noch im Juli beinahe 20 Prozent der Industriebetriebe ihren Auftragsbestand als gross bezeichneten, waren es Anfang Oktober nur noch 8 Prozent. Im Gegenzug verdoppelte sich der Anteil der Unternehmen mit zu kleinem Auftragsbestand innert Quartalsfrist beinahe und erreichte 39 Prozent. Besonders ungünstig wurde der Auftragsbestand aus dem Ausland eingestuft.

Verhaltener Exportzuwachs
Im Zeitraum Januar bis September 2008 führte die Thurgauer Exportwirtschaft Waren im Wert von 2,4 Prozent mehr als in der entsprechenden Vorjahresperiode aus. Damit hat sich die Exportwirtschaft im Vergleich zum Vorjahr, als der Auslandsabsatz um 16 Prozent expandiert hatte, deutlich abgekühlt. Zudem blieb das Thurgauer Exportergebnis im Dreivierteljahr 2008 hinter dem gesamtschweizerischen zurück, wo ein Zuwachs von 7,5 Prozent verzeichnet werden konnte. Weniger Waren aus dem Thurgau wurden insbesondere in den aussereuropäischen Industrieländern abgesetzt. Im EU-Raum nahm der Absatz von Thurgauer Industrieerzeugnissen verhalten zu (+1%). Die Importe erhöhten sich im Thurgau im ersten Dreivierteljahr 2008 mit knapp drei Prozent ebenfalls nur moderat.

Skeptischer Ausblick
Auf den Zeitraum bis zum Jahresende 2008 blicken die Thurgauer Industriebetriebe skeptisch. Bei Produktion und Bestellungseingang rechnen sie mit weiteren Einbussen. Entsprechend sollen der Vorprodukteeinkauf zurückgefahren und die Beschäftigtenzahl eingeschränkt werden.

Leicht trübere Baukonjunktur
Das Thurgauer Baugewerbe war mit seiner Geschäftslage im dritten Quartal 2008 überwiegend zufrieden. Obwohl sich die Bautätigkeit etwas zurückgebildet hat, werden die Auftragsbestände noch mehrheitlich als gross bezeichnet. Eine Abkühlung ist jedoch sowohl bei den Auftragsbeständen als auch bei der Geschäftslagebeurteilung unübersehbar. Dies ist ausschliesslich auf das Bauhauptgewerbe zurückzuführen, während im Ausbaugewerbe kaum Eintrübungstendenzen zu erkennen sind. Für das vierte Quartal 2008 rechnen die von der KOF ETH befragten Baubetriebe mit rückläufigen Auftragseingängen bei anhaltendem Preisdruck.

Bewölkung im Detailhandel
Eine Abkühlung zeigte sich im dritten Quartal 2008 auch im Thurgauer Detailhandel, selbst wenn die Zufriedenheit bei den Anfang Oktober von der KOF ETH befragten Betrieben nach wie vor überwog. Die zukünftige Entwicklung wird verhalten optimistisch eingeschätzt. Für die kommenden drei Monate erwartet jeder dritte Thurgauer Detailhändler eine Umsatzverbesserung, nur jeder sechste hingegen einen Umsatzrückgang.

Statistikplattform Bodensee
In der aktuellen Ausgabe des «Thurgauer Wirtschaftsbarometers» wird zudem das Interreg III A-Projekt «Statistikplattform Bodensee» vorgestellt, in dem Daten zur Bodenseeregion aufbereitet und der Öffentlichkeit auf der Internetseite www.statistik.euregiobodensee.org zur Verfügung gestellt werden.

Thurgau / 21.11.2008 - 08:44:00
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