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«365mal» zu Gast

Appenzellerland. Die Jobsuche kann einen Menschen frustrieren - oder aber auf Ideen bringen: André Bolfing war mit seinem Projekt «365mal» zu Gast.

Das Jahr hat 365 Tage. Für André Bolfing hat es 365 Bilder: Der freischaffende Kunstmaler aus Luzern malt Tag für Tag ein Bild und dies in allen Kantonen der Schweiz, das Projekt dauert folglich ein ganzes Jahr. Letzte Woche hat er an verschiedenen Orten im Appenzellerland seine Pinsel gezückt und sich auf die Suche nach brauchbaren Sujets begeben.

Vom Säntis bis zum Packpferd
Doch wie kommt man überhaupt erst auf eine solche Idee? «Nach einer beruflichen Fehlentscheidung war ich verunsichtert, was meine Berufung anbelangte. Daher besann ich mich auf meine Fähigkeiten, auf das freie Gestalten», erzählt Bolfing. Keine Zeitspanne eigne sich besser für das Projekt als ein ganzes Jahr, nur schon der Jahreszeiten wegen. «Die Schweiz habe ich als Land ausgewählt, weil sie, was das Reisen betrifft, im Bereich meiner Möglichkeiten liegt», so Bolfing, «und sie bietet eine reiche Vielfalt an Sujets.»

Im Appenzellerland hat der 25-jährige Maler sechs Bilder gemalt. Die Sujets für diese, wie auch für die anderen Bilder, wählt er wie folgt aus: «Ich erforsche die jeweilige Umgebung nach Schönem. Manchmal sind es bekannte Sehenswürdigkeiten, typisch Schweizerisches oder Regionales. Aber auch Gegenstände, die lustig aussehen, wenn sie gemalt an der Wand hängen.» Bolfing hat im Appenzellerland den Säntis, das Kirchengebäude St.Mauritius von Aussen und von Innen, einen Bauernhof bei Stein, Silvesterchläuse im Brauchtumsmuseum Urnäsch, ein Pferd im Historischen Museum Herisau sowie ein Fantasie-Burgmodell der Burg Clanx im Museum Appenzell gemalt. Der 25-Jährige erfreut sich an der Natur und den Aussichtsplätzen des Appenzellerlandes. Und: «Ich höre den Appenzellerdialekt sehr gerne!»

Der Mal-Marathon
Bolfing war zum ersten Mal im Appenzellerland. «Unsere Kantone waren nur in der Vergangenheit verschieden, heute sehe ich kaum einen Unterschied was den Lebensstil in den verschiedenen Kantonen anbelangt», meint der Luzerner. Trotzdem stört sich der Maler an der «Schweizerisierung», wie er sagt: «Alle machen bei einer Art ‚Schweizerisierung’ mit, wir sind immer weniger ortsverbunden und verlieren an Mitbestimmung unseres Umfelds.»

Zusammen mit seiner Frau macht der Maler geeignete Orte per Internet und herkömmlicher Landkarte ausfindig. Am Zielort angekommen stellt er zuerst einmal seinen Rucksack hin, «damit das Gewicht mich nicht beim Denken stört». Dann werden Blickwinkel, Format, Papierfarbe und Pinsel ausgewählt und das Malen beginnt. Für ein Bild braucht Bolfing zirka eine bis zwei Stunden. Er malt stehend oder auf einem Hocker und sobald er fertig ist, packt er seine Sachen zusammen und eilt zum Bahnhof oder einer Bushaltestelle. Das Ganze gleicht eher einem Marathon als einem gemächlichen Künstlerleben, denn Bolfing reist mit dem Generalabonnement, wenn möglich jeden Tag von seinem Wohnort Luzern aus, in die jeweiligen Kantone. Beträgt die Reisezeit mehr als zwei Stunden, übernachtet er in einer Jugendherberge.

«Grossmuetters Früchtekuchen»
Am Ende des Jahres wird Bolfing für jeden Tag im Jahr ein Bild haben. 365 Bilder – und wohin damit? «Bei mir zu Hause türmen sich die Bilder, das gefällt mir nicht so», erklärt der Maler, «sie sollten verkauft werden und anderen Menschen Freude bereiten.» Das werden sie dann auch: Auf der Homepage des Ehepaares stehen alle Bilder zur Schau und zum Kauf.

Bolfing finanziert das Projekt mit seinen Ersparnissen, mit dem Nebenverdienst seiner Frau sowie dem Verkauf der Bilder. «Ansonsten lebe ich von gutem Essen und guten Worten», sagt der 25-Jährige. Der Maler hat Freude an seinem Projekt, obwohl er gerne öfters Mal-Ideen aus dem Publikum seiner Website zugeschickt bekommen würde. Und: «An regnerischen Tagen würde ich gerne einmal in eine Stube sitzen und Grossmuetters Früchtekuchen malen.» Weitere Informationen unter www.365mal.ch

Appenzell InnerrhodenAppenzell Innerrhoden / 12.12.2007 - 13:51:00