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25 Jahre Privatradios in der Ostschweiz

SG/TG. Vor genau 25 Jahren, am 30. April 1984, ist in der Stadt St. Gallen «Radio aktuell» auf Sendung gegangen. Auch der Osten der Schweiz hatte damit sein erstes Privatradio.

Der erste «aktuell»- Musikchef Richard Fischbacher, heute Gemeinderatsschreiber in Bühler AR und nebenamtlicher Speaker des Fussball-Clubs St. Gallen, erinnert sich noch gut an den 30. April 1984: «Exakt um 12 Uhr gingen wir auf Sendung».

Der spätere FDP-Nationalrat Peter Weigelt habe die «Mittags-Info» moderiert. Nach den 18-Uhr-Nachrichten wurde Weigelt in den Gebärsaal gerufen. Sein drittes Kind hat den gleichen Geburtstag wie «Radio aktuell». «Um 19.30 Uhr kam unsere Tochter zur Welt, eine Stunde später war ich wieder im Studio», erinnert
sich Weigelt. Hansjörg Enz (der Mann mit der Fliege) sei derweil Aussenreporter gewesen.

Am Nachmittag war Weigelt zwischenzeitlich von Fischbacher am Mischpult abgelöst worden. Fischbacher moderierte das erste Gruppenwunschkonzert mit dem eingängigen Titel «Nach der Suppe kommt die Gruppe». Einen Teil der LPs hatte Richard Fischbacher dafür selber von Zuhause ins Studio mitgebracht.

Moderator prägte Sendung
Martin Oesch, in den 1980er-Jahren freier «aktuell»-Mitarbeiter und heute Programmleiter bei Radio FM1, das letztes Jahr aus dem Zusammenschluss von «Radio aktuell» und «Radio Ri» entstand, sagt, auch wenn die Stimme des Moderators nicht zu hören war, merkten die Hörer, wer am Mischpult sass – der
Musikstil war das Markenzeichen.

Jeannot Lucchi, der für «Radio aktuell» ungefähr 800 Oldies-Sendungen moderierte, begann jede Sendung mit einem Titel Elvis Presleys – sein Stellvertreter Fischbacher mit den Beatles. Der «aktuell»-Sound war für ältere St. Gallerinnen und St. Galler gewöhnungsbedürftig. Da hatte es schon den einen oder anderen Anruf ins Studio gegeben: «Stelled emol die Chrai-Wiiber ab!»

Im Wandel der Zeit
«Bei FM1 bestimmen heute nicht mehr die Mitarbeiter, welche Musik gespielt wird, sondern die Hörerinnen und Hörer», sagt Oesch. Hiefür macht der Sender, der heute zur `Tagblatt-`Mediengruppe gehört, wie andere Sender regelmässig aufwendige Umfragen. Die Musik kommt nicht mehr von LPs und CDs, sondern aus
dem Computer.

Auch das redaktionelle Angebot hat sich in den vergangenen 25 Jahren ständig gewandelt. Früher kam «Radio aktuell» daher wie eine klingende Zeitung. Stundenlang wurden im Studio Gäste interviewt.
Der Wortanteil ging stark zurück. «Es ist nicht so, dass wir weniger informieren», sagt Oesch, «wir bringen die Geschichten einfach schneller auf den Punkt.» Eine Stärke der Privatradios sei die Geschwindigkeit. Bei regionalen Ereignissen sei immer sofort jemand von FM1 vor Ort – daran habe sich seit 1984 nichts geändert.

Einmal zu schnell
Schnell sein wollte Richard Fischbacher einmal an einem Freitagabend Anfang der 1990er-Jahre. Er moderierte gerade das Wunschkonzert, als der Telex ein Papier der Nachrichtenagentur SPK (Schweizerische Politische Korrespondenz) ausspuckte. Fischbacher riss den Zettel ab und las, der St. Galler alt CVP-Bundesrat Kurt Furgler sei gestorben. Justament unterbrach Fischbacher das Wunschkonzert; er
vermeldete den Tod des ehemaligen Landesvaters und kündigte weitere Informationen auf später an – fast gleichzeitig warf das Telex-Gerät den Widerruf der SPK aus. «Aktuell» entschuldigte sich am nächsten Tag bei der Familie Furgler für die Falschmeldung, wie sich Fischbacher erinnert.

Sendegebiet erweitert
Heute ist FM1 nicht mehr nur das Radio der Stadt St. Gallen, sondern sendet fast in der ganzen Ostschweiz. Wegen der vielen Hügel und weil der Säntis der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG SSR idée suisse als Sender vorbehalten ist, benötigt FM1 23 Sendeanlagen, wie Oesch gegenüber der SDA
erklärt.

Bereits am 1. Januar 1984 war in Winterthur «Radio Eulach» auf Sendung gegangen. «Radio aktuell» folgten 1985 «Radio Wil» und «Radio Thurgau».

«Thurgau», «Wil» und «Eulach» schlossen sich sich 1997 zum heutigen «Radio Top» zusammen. In diesem Jahrtausend folgte dann in der Stadt St. Gallen der junge Sender toxic.fm.

ThurgauThurgau / 29.04.2009 - 10:26:20