Schweiz: Kindersitz versagt im TCS-Crashtest – Babyschale löst sich bei Frontalaufprall

Im aktuellen Kindersitztest hat der Touring Club Schweiz 26 neue Modelle geprüft.

Das Ergebnis fällt insgesamt positiv aus, wobei ein Modell mit „nicht empfehlenswert“ abschneidet. Vorsicht geboten ist bei Modellen aus dem Onlinehandel.

Nicht empfehlenswert bewertete Sitzmodelle erfüllen trotzdem gesetzliche Anforderungen und dürfen in Europa verkauft werden.

26 neue Kindersitze hat der TCS im aktuellen Test auf Sicherheit, Bedienung, Ergonomie, Schadstoffe und Umweltschadstoffe geprüft. Das Ergebnis fällt insgesamt positiv aus: 22 Sitze erhalten die Bewertung „sehr empfehlenswert“ oder „empfehlenswert“.





Die Bestenliste führen Foppapedretti mit dem „Disk Infant i-Size + Tech i-Size“ an sowie der „Glide Plus 360“ von Silver Cross, gefolgt vom „Sirona Ti“ und „Pallas G3“ von Cybex und der „Junior Fix 2 i-Size“ von Kinderkraft. Drei Sitze werden mit „bedingt empfehlenswert“ bewertet.

Beim Frontalaufprall komplett versagt

Von einem Modell rät der TCS ab. Beim „Kinderkraft Mink Pro 2 + Base Mink FX2“ löste sich beim Frontalcrash die Babyschale von der Isofix-Basisstation und wurde mitsamt Dummy durch den Versuchsaufbau geschleudert. Das Verletzungsrisiko für ein Kind wäre in einem realen Unfall massiv.



Der Sitz erhält deshalb als einziges Modell die Bewertung „nicht empfehlenswert“. Der Hersteller Kinderkraft hat reagiert und bietet Kundinnen und Kunden einen Austausch oder eine Rückgabe des Produkts an.

Die Crashtests gehen deutlich über die gesetzlichen Zulassungsprüfungen hinaus. Die Frontalaufpralltests orientieren sich an den aktuellen Euro-NCAP-Fahrzeugcrashs und simulieren deutlich höhere Belastungen als die gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungen gemäss UN-Regelung 129.

Abwertung aufgrund von Flammschutzmittel

Erfreulich: Alle Sitze erhielten im Bereich Umweltschadstoffe die Bestnote. In keinem der getesteten Modelle konnten PFAS nachgewiesen werden.

Insbesondere aufgrund ihrer hohen Umweltpersistenz und der möglichen gesundheitlichen Auswirkungen ist der Einsatz dieser Substanzen in Produkten mit direktem Kontakt zum Menschen kritisch zu beurteilen.

Beim „Jané Concord Kombikid“ wurde hingegen das Flammschutzmittel TDCPP in erhöhter Konzentration gefunden. Der Stoff steht aufgrund möglicher gesundheitlicher Risiken immer wieder in der Diskussion, insbesondere wegen einer möglichen krebserregenden Wirkung sowie der Umweltbelastung.

Daneben ist das Mittel insbesondere aufgrund der hormonellen Effekte für die Verwendung in Kindersitzen äusserst bedenklich. Der Sitz erhielt aufgrund des Schadstoffgehalts eine Abwertung.

Online-Plattformen bergen Risiken

Der Test zeigt erneut, dass insbesondere bei Produkten aus Online-Marktplätzen Vorsicht geboten ist. Mehrere Modelle, die optisch fast identisch erscheinen, zeigen erhebliche Sicherheitsprobleme.

Bereits im Herbst 2025 war der „Reecle 360“ wegen schwerer Mängel aufgefallen. Im aktuellen Test wurden sieben ähnliche Modelle untersucht – darunter „Kidiz 360“, „Ding Aiden 360“ oder „Xomax 946i“. Bei allen versagten tragende Teile der Sitzkonstruktion im Frontalcrash.

Die Sitze dürfen zwar verkauft werden, weil sie die gesetzlichen Mindestanforderungen erfüllen. Im anspruchsvolleren Test zeigten sie jedoch erhebliche Sicherheitsdefizite. Deshalb warnt der TCS vor solchen Baugleichheiten, sie haben ebenfalls die Bewertung „nicht empfehlenswert“.

Über 200 Kindersitze in der TCS Datenbank

Vor dem Kauf eines Kindersitzes sollten sich Eltern über das Angebot informieren, dabei helfen die Ergebnisse des aktuellen Kindersitztests und auch die der Vorjahre. Diese sind allesamt auf dem Vergleichsportal des TCS zur Verfügung.

Mit verschiedenen Filterkriterien erleichtert die Datenbank Müttern und Vätern die richtige Vorauswahl für einen sicheren Kindersitz für ihre Kleinen.



Nach der Vorselektion empfiehlt der TCS dennoch den Besuch im Fachgeschäft. Die in Frage kommenden Modelle sollten vor dem Kauf am eigenen Fahrzeug und mit dem Kind ausprobiert werden. Der Kindersitz muss sich möglichst stramm und standsicher im Fahrzeug einbauen lassen.

 

Quelle: Touring Club Schweiz (TCS)
Bildquelle: TCS

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