ISO-Zertifizierung in der Übersetzung: Was steckt dahinter?

Eine ISO-Zertifizierung zeigt, dass ein Übersetzungsbüro nach klar definierten und überprüfbaren Prozessen arbeitet. In der Übersetzungsbranche geht es dabei nicht um ein dekoratives Qualitätssiegel, aber um nachvollziehbare Abläufe, geregelte Zuständigkeiten und dokumentierte Kontrollschritte.

Gerade bei Verträgen, technischen Dokumentationen, medizinischen Unterlagen oder Geschäftsberichten ist diese Struktur entscheidend, weil Übersetzungsfehler fachliche, rechtliche oder wirtschaftliche Folgen haben können. An diesem Punkt setzt eine ISO-Zertifizierung an. Sie macht sichtbar, dass Qualität nicht dem Zufall überlassen wird, sondern auf einem geprüften System beruht.

Das bedeutet eine ISO-Zertifizierung bei Übersetzungen

Bei Übersetzungen sorgt der Begriff „zertifiziert“ regelmässig für Stirnrunzeln. Ist damit der Übersetzer gemeint? Das Übersetzungsbüro? Der fertige Text oder doch irgendein Formular, das später bei einer Behörde landet? Die kurze Antwort lautet, dass es bei einer ISO-Zertifizierung in der Regel um die Prozesse eines Übersetzungsdienstleisters geht, nicht um eine magische Veredelung jedes einzelnen Dokuments.

Auffallend relevant ist die ISO 17100. Diese Norm wurde speziell für Übersetzungsdienstleistungen entwickelt und beschreibt, welche Anforderungen ein professioneller Anbieter erfüllen muss. Dazu gehören unter anderem geeignete fachliche Ressourcen, sauber definierte Abläufe, qualifizierte Beteiligte und Kontrollschritte.

Entscheidend ist ausserdem, dass ISO selbst keine Zertifikate ausstellt. Die Organisation entwickelt Normen, während unabhängige Zertifizierungsstellen prüfen, ob ein Unternehmen diese Anforderungen erfüllt. Seriöse Anbieter können deshalb erklären, welche Norm zertifiziert wurde, welche Stelle geprüft hat, wie lange das Zertifikat gültig ist und für welchen Bereich es gilt.

ISO 17100, ISO 9001 und ISO 18587: Welche Norm regelt was?

Die ISO 17100 steht bei professionellen Übersetzungen im Mittelpunkt, denn sie legt fest, welche Rahmenbedingungen erfüllt sein müssen, damit Übersetzungsdienstleistungen strukturiert und nachvollziehbar erbracht werden. Dabei geht es nicht darum, ob ein Satz ausgesprochen elegant wirkt oder ob ein Werbetext Gänsehaut erzeugt.

Daneben taucht häufig die ISO 9001 auf. Sie ist allgemeiner gefasst und betrifft Qualitätsmanagementsysteme. Ein Übersetzungsdienstleister mit ISO 9001 zeigt also, dass auch übergeordnete Unternehmensprozesse systematisch gesteuert werden. Die ISO 17100 geht näher an die eigentliche Übersetzungsleistung heran, während ISO 9001 den grösseren Qualitätsrahmen betrachtet.

Geprüfte Prozesse sichern die Übersetzungsqualität ab

Eine gute Übersetzung beginnt selten mit dem ersten getippten Wort. Sie beginnt früher, beim Briefing, bei der Prüfung der Ausgangsdatei, bei Rückfragen, Terminologie und der Auswahl geeigneter Fachleute. Hat eine beglaubigte Übersetzung Schweiz als Ort der späteren Nutzung, dann muss dies vorher im Briefing klargestellt werden und an diesem Punkt zeigt sich der Wert geprüfter Prozesse.

Ein professioneller Dienstleister entscheidet nicht nach Bauchgefühl, welche Fachkraft einen komplexen Rechtstext, eine technische Anleitung oder eine Marketingbroschüre übersetzt. Fachgebiet, Sprachkombination, Erfahrung und verfügbare Ressourcen müssen zusammenpassen.

Danach folgt die eigentliche Übersetzung, doch damit ist die Sache nicht erledigt. Bei einem ISO-orientierten Ablauf sind Prüfschritte vorgesehen, damit Terminologie, Inhalt, Stil und Vollständigkeit kontrolliert werden. Vor allem das Vier-Augen-Prinzip spielt dabei eine grosse Rolle. Ein zweiter Blick findet nicht alles, aber er findet erstaunlich viel und manchmal exakt das, was später teuer geworden wäre.

Zertifiziert heisst nicht gleich beglaubigt

Ein ausgesprochen hartnäckiges Missverständnis betrifft beglaubigte Übersetzungen. Eine ISO-zertifizierte Arbeitsweise bedeutet nicht automatisch, dass in der Schweiz ein Dokument für Behörden, Gerichte oder Universitäten als beglaubigte Übersetzung akzeptiert wird.

Bei einer Beglaubigung geht es um formale Anforderungen, die je nach Land, Behörde und Dokument unterschiedlich ausfallen können. ISO-Zertifizierung betrifft dagegen die Arbeitsweise des Dienstleisters.

Dieser Unterschied ist klein im Wortlaut und gross in der Wirkung. Ein Übersetzungsdienstleister kann nach ISO 17100 arbeiten und trotzdem muss für bestimmte Urkunden zusätzlich eine beglaubigte Übersetzung erstellt werden.

 

Titelbild: Blue Mist Film Studios – shutterstock.com

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