MOLLE richtig genutzt: So konfigurieren Profis ihren Plate Carrier

Ein durchdachter Plate Carrier ist mehr als eine Trägerplatte mit Taschen. Die Anordnung der Module entscheidet im Ernstfall darüber, wie schnell ein Magazin gewechselt, ein Funkgerät erreicht oder eine Blutung gestillt werden kann. In diesem Artikel erfahren Sie, worauf Sie als Schweizer Sicherheitskraft bei der MOLLE-Konfiguration achten sollten.

Plate Carrier sind in den letzten Jahren bei Schweizer Behörden, Spezialeinheiten und in der Schweizer Armee zum Standard geworden. Sie ersetzen klassische Schutzwesten in Lagen, in denen schwere Schutzplatten und modulare Ausrüstung gefragt sind. Die Trägerplatte selbst schützt den Anwender, die richtige Bestückung entscheidet jedoch über die Einsatzfähigkeit des Trägers.

Was ist MOLLE und warum hat es sich durchgesetzt?

MOLLE steht für „Modular Lightweight Load-carrying Equipment» und wurde Ende der 1990er-Jahre von den US-Streitkräften entwickelt. Das System besteht aus parallel angeordneten Nylonschlaufen mit einem standardisierten Abstand von 2,5 cm (PALS-Raster, Pouch Attachment Ladder System). Pouches, Holster und Zusatztaschen werden mit Gegenstücken oder Riemen durch diese Schlaufen geführt und fest verzurrt.

Der Vorteil dieser scheinbar simplen Lösung liegt in der Flexibilität. Anders als bei fest vernähten Westen kann eine MOLLE-Plattform für jede Einsatzlage neu konfiguriert werden. Vom verdeckten Begleitschutz mit minimaler Beladung bis zur Vollausrüstung für taktische Zugriffe. Praktisch alle namhaften Hersteller folgen heute dem MOLLE-Standard, was Kompatibilität zwischen Plattform und Zubehör verschiedener Marken gewährleistet.

Für Schweizer Beschaffer bedeutet das: Ein einmal angeschaffter Plate Carrier lässt sich über Jahre an wechselnde Einsatzprofile anpassen, ohne dass die gesamte Plattform ersetzt werden muss. Eine breite Auswahl MOLLE-kompatibler Modelle findet sich beispielsweise in der Plattenträger-Auswahl von Army-Shop, einem spezialisierten Schweizer Anbieter, der unter anderem auch Behörden im Inland beliefert.

Die drei Zonen eines Plate Carriers

Eine sinnvolle Konfiguration teilt den Plate Carrier in drei funktionale Zonen ein. Diese Aufteilung hat sich international etabliert und wird in vielen Behörden Ausbildungen so vermittelt.

Frontpanel (vor dem Brustkorb): Hier gehört das hin, was am häufigsten und schnellsten gebraucht wird. In der Regel sind das Magazine für die primäre Langwaffe. Meist werden drei bis vier Magazine in dedizierten Pouches verwendet. Die Pouches sollten so angeordnet sein, dass die Magazine mit der starken Hand zur schwachen Hand geführt werden, wo die Waffe nachgeladen

wird. Daraus ergibt sich die Standard Platzierung der Magazintaschen auf der linken Seite des Frontpanels für Rechtsschützen, gespiegelt für Linksschützen.

Seitliche Zonen (Cummerbund). Die Cummerbund-Bereiche links und rechts der Trägerplatte sind die zweite Prioritätsstufe. Hier finden Pistolenmagazine, Funkgeräte, Handschellen, Multitools oder kleinere Ausrüstungselemente Platz. Wichtig ist die Symmetrieüberlegung: Pistolenmagazine gehören an die schwache Seite (links für Rechtsschützen), damit die starke Hand zum Pistolengriff frei bleibt. Das Funkgerät wird häufig auf der schwachen Schulter platziert, das Mikrofon an der starken Schulter befestigt.

Backpanel (Rücken). Der Rückenbereich eignet sich für Ausrüstung, die nicht im Sekundentakt gebraucht wird: Hydration Blase, Reservemagazine, im Notfall Pouches, Funkbatterie, gegebenenfalls ein Assault Pack für längere Einsätze. Wer den Plate Carrier auch im Fahrzeug trägt, sollte das Backpanel bewusst flach halten, um die Sitzposition nicht zu beeinträchtigen.

Reihenfolge nach Erreichbarkeit und Wichtigkeit

Die zentrale Regel der MOLLE-Konfiguration lautet: Was öfter gebraucht wird, kommt näher an den Körpermittelpunkt. Konkret bedeutet das eine Hierarchie der Erreichbarkeit, beginnend an der Körpermitte und nach aussen abnehmend.

Erste Priorität haben Langwaffenmagazine im zentralen Frontpanel-Bereich. Sie müssen unter Stress, mit Handschuhen und in jeder Körperhaltung erreichbar sein. Pouches mit elastischen Bungee-Retentionen haben sich gegenüber Klettverschlüssen weitgehend durchgesetzt, weil sie unter Druck schneller geöffnet werden können und gleichzeitig Magazine sicher halten.

Die zweite Priorität sind das medizinische Set und das Funkgerät. Beide entscheiden im Ernstfall über das Überleben. Sei es das eigene oder das eines Kameraden. Ein vollständiges IFAK (Individual First Aid Kit) mit Tourniquet, Trauma-Verband, Notfall-Schere und Rettungsdecke gehört an eine fest zugewiesene Position, die nicht zwischen Einsätzen wechselt. Bewährt hat sich die Platzierung im unteren Cummerbund-Bereich auf der schwachen Seite. Komplett einsatzfertige Sets in modularer Bauweise, etwa zur Befestigung über MOLLE oder Klett, sind über Schweizer Fachanbieter wie das IFAK-Sortiment von Army-Shop verfügbar.

Dritte Priorität sind sekundäre Werkzeuge: Multitool, Leuchtmittel, Reservebatterien, Schreibmaterial. Diese gehören in die äusseren Cummerbund-Bereiche oder ans Backpanel.


Die richtige Plate Carrier-Konfiguration ist entscheidend. (Bild: Dmitri T – shutterstock.com)

Die schwache und starke Seite – warum die Unterscheidung zählt

In der Ausbildung wird zwischen „starker» und „schwacher» Seite unterschieden. Die starke Seite ist diejenige der dominanten Hand – bei den meisten Rechtsschützen also rechts. Diese Differenzierung hat unmittelbare Konsequenzen für die Bestückung.

Die Pistolenmagazine gehören an die schwache Seite. Beim Pistolen-Magazinwechsel hält die starke Hand die Waffe, die schwache greift zum Reservemagazin. Liegt das Pistolenmagazin auf der starken Seite, behindert es den Griff zur Primärwaffe.

Funkgeräte werden an der schwachen Schulter platziert. Das Push-to-Talk-Mikrofon wird mit der schwachen Hand bedient, während die starke Hand die Waffe hält. Wer das Mikrofon falsch platziert, gibt unter Stress die Waffe kurz frei. Ein vermeidbares Risiko.

Das Tourniquet muss beidseitig zugänglich sein. Eine Ausnahme bildet das Tourniquet im IFAK. Es muss von beiden Händen erreicht werden können, weil Verletzungen an der dominanten Hand jederzeit möglich sind. Manche Plattformen sehen deshalb zwei Tourniquets vor: eines im IFAK, ein zweites an gut sichtbarer Position aussen am Cummerbund.

Gewicht und Schwerpunkt im Fokus

Ein voll bestückter Plattenträger wiegt mit zwei NIJ-IV-Hartplatten, Magazinen, Pistolenmunition, IFAK und Funk schnell 12 bis 18 Kilogramm. Die Schwerpunktverteilung wird dann zur biomechanischen Frage.

Schwere Komponenten wie Reservemagazine oder Batterien gehören in die unteren Cummerbund-Bereiche, leichte Module nach oben. Das senkt den Schwerpunkt und verbessert die Stabilität bei dynamischen Bewegungen, dem Sprung aus Fahrzeugen, Liegend Positionen und Treppen.

Eine weiterer wichtiger Punkt ist die Symmetrie. Eine ungleiche Gewichtsverteilung zwischen linker und rechter Seite führt nach Stunden zu Haltungsschäden und beeinträchtigt die Präzision beim Schiessen. Wer auf der einen Seite drei Magazintaschen montiert, sollte die andere Seite mit Pouches vergleichbaren Gewichts ausgleichen.

Zu guter Letzt ist darauf zu achten, dass der Cummerbund nicht überladen wird. Der Cummerbund verbindet Front- und Backpanel und überträgt einen Teil der Last auf die Hüfte. Wird er überladen, leidet die Atmung, besonders bei Krafteinwirkung von vorn oder beim Tragen über mehrere Stunden.

Typische Anfängerfehler

In der Praxis lassen sich immer wieder dieselben Konfigurationsfehler beobachten, auch bei erfahrenem Personal nach Wechsel der Plattform.

Zu viele Pouches: Der häufigste Fehler. Die MOLLE-Plattform verleitet dazu, jeden freien Quadratzentimeter zu bestücken. Im Einsatz zählt aber nicht, was getragen wird, sondern was schnell erreicht werden kann. Eine reduzierte Konfiguration mit drei Magazinpouches, IFAK, Funk und Pistolenmagazinen ist in den meisten Lagen ausreichend.

Pouches im Sichtfeld: Wer beim Anschlag der Langwaffe die Visierlinie über eine Magazintasche führen muss, hat falsch konfiguriert. Pouches im oberen Frontpanel-Bereich sollten flach genug bleiben, damit das Schussbild nicht verlegt wird.

Vergessener Snap-to-Drop: Hochwertige Plate Carrier verfügen über einen Schnellabwurf-Mechanismus, mit dem die Plattform im Verletzungsfall innert Sekunden geöffnet werden kann. Wer Pouches so montiert, dass sie die Abwurf Gurte blockieren, neutralisiert dieses lebensrettende Feature.

IFAK unter Magazintaschen. Wird der IFAK aus Platzgründen hinter oder unter andere Pouches gelegt, ist er im Notfall nicht erreichbar. Das medizinische Set braucht eine eigene, freie Position –idealerweise mit farblicher oder taktiler Markierung, damit es auch von Kameradinnen oder Kameraden im Dunkeln gefunden wird.

Klettverschlüsse ohne Sicherung. Reine Klettverschlüsse können sich bei Bewegung lösen. Hochwertige Pouches kombinieren Klett mit Druckknopf oder Bungee-Retention. Wer beim Sprint die Ausrüstung verliert, hat falsch eingekauft!

Empfehlung für die Beschaffung

Für Schweizer Behörden empfiehlt sich beim Aufbau einer Plate-Carrier-Plattform ein systematisches Vorgehen. Zuerst sollte die Trägerplatte selbst entsprechend der Schutzklassen-Anforderung (in der Regel NIJ IIIA für Streifendienst, NIJ III oder IV für taktische Einsätze) gewählt werden. Erst danach folgen die Module. Wer in umgekehrter Reihenfolge vorgeht und teure Pouches anschafft, die später nicht zur Plattform passen, verschenkt Budget.

Bewährt hat sich die Beschaffung von Plattform und Modulen aus einer Hand, um Kompatibilitätsprobleme zu vermeiden. Schweizer Fachhändler mit Behörden-Erfahrung können dabei beraten und stellen sicher, dass die Konfiguration den schweizerischen Einsatzanforderungen entspricht. Eine durchdachte Plattform begleitet Einsatzkräfte über viele Jahre – die initiale Sorgfalt bei der Konfiguration zahlt sich entsprechend lange aus.

Über den Autor: Dieser Beitrag wurde in Zusammenarbeit mit dem Team von Army-Shop.ch erstellt, einem Schweizer Fachhändler für taktische und militärische Ausrüstung mit Sitz in Herzogenbuchsee. Army-Shop beliefert seit über drei Jahrzehnten Schweizer Behörden, Sicherheitsdienste und private Kunden.

 

Titelbild: Dmitri T – shutterstock.com

Empfehlungen