166 Millionen zugunsten aller
Kreuzlingen – Das seit 2006 grenzüberschreitend entstehende Agglomerationsprogramm Kreuzlingen/Konstanz liegt mittlerweile dem Bund zur Prüfung vor. Um die Bevölkerung vollumfänglich über das Mammut-Projekt zu informieren, sind die Unterlagen nun auf den Homepages der involvierten Gemeinden abrufbar.
Auf Schweizer Seite erstreckt sich das Agglomerationsgebiet von Ermatingen bis Güttingen. Nach der Analyse des Ist-Zustandes in den Bereichen Verkehr und Siedlung und der Ermittlung der bestehenden und kommenden Schwachstellen wurden insgesamt 62 Massnahmenvorschläge erarbeitet. Davon entfallen 14 auf den Bereich Siedlung und Landschaft, 19 auf Velo- und Fussverkehr, 14 auf öffentlichen Verkehr, sieben auf Motorisierten Individualverkehr (MIV) sowie sechs auf das Verkehrssystem- und Mobilitäts-Management. Insgesamt werden zur Umsetzung des Programms 166 Millionen Franken veranschlagt, wobei die Löwenanteile auf ÖV (69,5 Millionen) und MIV (58 Millionen) entfallen. Aus dem Infrastrukturfonds des Bundes könnten bis zu 40 Prozent der Mittel einfliessen.
Um kommende Schwächen in der Region Kreuzlingen/Konstanz aufzuspüren, wurde, ausgehend von der heutigen Situation des Agglomerationsgebietes, der Referenzzustand 2020 untersucht. Der Referenzzustand beinhaltet alle Verkehrs- und Siedlungsmassnahmen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auch ohne Agglomerationsprogramm bis 2020 realisiert werden würden.
Demnach droht eine verstärkte Siedlungsentwicklung an den Rändern (Zersiedelung), die ÖV-Anbindungen blieben ungenügend, das Verhältnis zwischen ÖV und MIV wäre etwa 14 Prozent zu 86 Prozent. Die Rad- und Fusswege bilden auch kein flächendeckendes Netz, vor allem über die Landesgrenzen. Grenzüberschreitende Regionalzugverbindungen fehlen zum Teil, das grenzüberschreitende Busangebot ist mit nur einer Linie ungenügend. Der massive und wachsende MIV sorgt für Stauungen und behindert zusätzlich die Busse. Damit wirkt der MIV auch negativ auf die Lebensqualität der Stadt- bzw. Ortszentren.
All diesen Punkten soll entgegengewirkt werden. Ziele sind die Verkehrssicherheit zu erhöhen, das Verkehrssystem zu verbessern, Siedlungsentwicklung nach innen voranzutreiben und die Umweltbelastung sowie den Ressourcenverbrauch zu senken.
Über das Grünzonenkonzept soll dafür gesorgt werden, dass ein weiteres Zusammenwachsen der Südufer-Gemeinden verhindert wird und stattdessen die Grünkorridore und Freihalteflächen unangetastet bleiben.
Stadtammann Andreas Netzle nannte als wichtigste Ziele für Kreuzlingen die Schaffung einer interkommunalen Arbeitszone, eine Aufwertung des Langsamverkehrs, eine Kanalisierung des Transitverkehrs sowie die Erleichterung des Umstiegs von MIV auf den ÖV. Erhalten bleiben müsse die Verbindung zwischen Stadt und See.
Bis Mai wird eine Rückmeldung vom Bund erwartet, bis 23. April kann die Bevölkerung die Unterlagen einsehen. Ab 2015 sollen die im Agglomerationsprogramm beschriebenen Massnahmen in Angriff genommen und bis etwa 2020 umgesetzt werden.



























