15. Openair Frauenfeld – eine erste Bilanz
Frauenfeld/TG. Knapp 50’000 Hip-Hop-Fans haben übers Wochenende die Grossen Allmend in eine riesige Party-Arena verwandelt. Die Underdogs Sido und Deichkind gingen auf Tuchfühlung mit dem Publikum. Unterkühlt zeigten sich dagegen die Superstars Kanye West und 50 Cent.
Party ohne Ende, dieses Motto hatten sich die rund 50’000 Openair-Besucher auf die Fahne geschrieben und drei Tage durchgechillt. Vor den beiden grossen Panoramabühnen, in den unzähligen Lounges und Bars wiegte sich das Partyvolk im vorgegebenen Takt.
Die vorwiegend jugendlichen Festivalbesucher gaben sich erst nach drei Tagen Vollprogramm geschlagen. Ab und zu einen Big Burger, eine Pizza oder einen Kebab nachschieben, damit der Energiepegel wieder steigt. Auch flüssige Nahrung wurde reichlich konsumiert.
Die letzten Hemmungen fielen nach und nach: Frauenfeld glich einer pulsierenden Singlebörse. Die Boys in übergrossen Hosen, Baseball-Caps und T-Shirts ihrer Idole, die Girls in hautengen Leggins, Röckchen und hohen Stiefeln flanierten mit suchendem Blick übers Festivalgelände.
Das Musikprogramm auf der Bühne verkam immer mehr zur Nebensache. Die Darbietungen der Bands wurden wenig in Frage gestellt, der Weg zum nächsten Bier war das Ziel und der Durchblick schien längst verloren. Der Bühnenbereich blieb trotzdem ständig gestossen voll.
Kanye West entthront
Am Freitag enttäuschte der amerikanische Superstar Kanye West mit einer unnahbaren Show. Der König entthronte sich mit seinem exzentrischen Ego-Trip selbst, golden waren nur die vier Nackedeis, die er sich zu Füssen legte. Seine Stimme, wenn für einmal nicht vom Band, überzeugte nur mässig, die Songs waren lieblos aneinander gereiht und die wilden Videoeinspielungen irritierten unnötig.
Als Clubshow mag dieses Konzept aufgehen, auf einer Festivalbühne muss auch ein Rap-Heiliger mehr als eine Black-Power-Pose bieten, damit der Funke aufs Publikum überspringt. Nach dem Auftritt von West fühlte sich mancher wie nach einer Dosis K.O.-Tropfen.
Zu überzeugen vermochte dagegen Sido. Der deutsche Gangsta-Rapper legte für einmal die Maske ab und zeigte sich von seiner zugänglichen Seite. Begleitet von einer tadellosen Band spielte sich der Strassenjunge aus Berlin in die Herzen der Fans und outete sich als Fan des King of Pop.
Kanonenschüsse für 50 Cent
Der grosse Star am Samstagabend war der US-Rapper 50 Cent. Unter Kanonenschüssen betrat Fiffty die Bühne und gab ein Pflichtprogramm seiner Hits zum Besten. Tausende Hände gingen in die Luft bei Hymnen wie „Candy Shop“, „In Da Club“ oder „P.I.M.P.“ Nach rund einer Stunde, wenigen Worten an das Publikum und keiner Zugabe war dann auch schon wieder Schluss.
Wie schon am Vorabend sein Mitstreiter Kanye West liess auch 50 Cent etwas Leidenschaft und Publikumsnähe vermissen. Ganz anders die Acts auf der Nebenbühne. Die Hamburger Deichkind liessen sich mit einem Gummiboot über die jubelnde Menge tragen oder tollten auf der mitgebrachten Hüpfburg herum. Und die Underground-Stars Jedi Mind Tricks überzeugten mit ihrem rohen und kompromisslosen Raps.



























