Warth. 31 Kunstschaffende haben sich mit der Bedrohung der Erde durch die Klimaveränderung beschäftigt.
Die Ergebnisse dieser Beschäftigung sind vom 8. Juni bis zum 26. Oktober im Kunstmuseum des Kantons Thurgau in der Kartause Ittingen zu sehen.
Gerade die «idyllische Museumsanlage» im ehemaligen Kartäuserkloster habe sich angeboten, sich mit den Auswirkungen der Klimaveränderung zu beschäftigen, hielt Kuratorin Dorothee Messmer bei der Präsentation der Ausstellung «Moralische Fatasien» am Donnerstag fest.
Vom Können und Fühlen
Es sei nachgerade eine Pflicht der Kunstschaffenden, sich mit dem Thema auseinander zu setzen, betonte Mit-Kurator Reimar Stange (Berlin). Nur die Kunst könne erreichen, dass «das sinnliche Vermögen und das praktische Vermögen» wieder deckungsgleich würden, meinte er.
Er bezog sich damit auf den Sozialphilosophen Günther Anders (1902-1992). Dieser hatte eine Diskrepanz ausgemacht zwischen dem, was der Mensch tun und dem, was er emotional verarbeiten kann. Stange fand, diese Diskrepanz erkläre, warum bei der Frage der Klimakatastrophe trotz des Wissens kaum etwas passiere.
Gletscher und Kunststoff-Bänke
Die an der Ausstellung Beteiligten von Olafur Eliasson und Johannes Gees über Douglas Gordon, Christoph Keller, Deborah Ligorio, Anna Meyer und Marie Velardi bis Christine Würmeli haben sich in Form von Videos, Installationen, Collagen, Klangarbeiten und Malerei mit dem Thema beschäftigt.
Herausgekommen sind Serienfotos isländischer Gletscher, TV-Bilder flackernder Kaminfeuer gepaart mit dem «Schneetreiben» nach Sendeschluss und dem Ton vorbeirauschenden Verkehrs, hellgrüne Sitzbänke aus wiederverwertetem Kunststoff und computer-bearbeitete Seiten der «Bild»-Zeitung.
Aber auch Video-Installationen: Da läuft ein Michael-Jackson-Video, in dem er die Welt rettet, rückwärts. So wird die idyllische Welt zerstört. Oder man schaut in einen blauen Himmel mit weissen Wolken, durch den immer mal wieder ein Flugzeug braust.
Inseln und Pipelines
Man kann auch einen Atlas der «verlorenen Inseln» durchblättern. In ihm hat Marie Velardi dokumentiert, welche Inseln bis 2100 durch die steigenden Meeresspiegel untergangen sein werden. Johannes Gees wiederum hat gleich ein ganzes, heruntergekommenes Auto ins Museum gebracht.
Anna Meyer hat stark beeinträchtigte Idyllen auf durchsichtige Plastikbahnen gemalt, die nun als «Wegweiser» durch die Ausstellung dienen. Ursula Biemann wiederum präsentiert eine reportagenartige Filmarbeit über die Auswirkungen eines Pipeline-Baus am Schwarzen Meer.
Notiz: «Moralische Fantasien» in der Kartause Ittingen, Warth TG, vom 8. Juni bis 26. Oktober jeweils Montag bis Freitag 14 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr. www.kunstmuseum.ch



























