119,2 Millionen Franken für die Spital Thurgau AG
TG. Der Kanton Thurgau beteiligt sich im Rahmen der Laufenden Rechnung im Jahr 2010 mit 119,2 Millionen Franken an der Spital Thurgau AG.
Die Summe ist im neuen Rahmenkontrakt zwischen dem Kanton und der Spital Thurgau AG festgelegt, der vom Regierungsrat genehmigt wurde.
Der Rahmenkontrakt wurde im Rahmen der Verhandlungen für das Jahr 2010 zwischen dem Kanton und der Spital Thurgau AG überarbeitet und entsprechend angepasst. Seit der Aufnahme der Tätigkeit der Spital Thurgau AG am 1. Januar 2000 hat sich die Zusammenarbeit zwischen den Parteien bewährt.
Im Rahmenkontrakt 2010 gibt es in einigen Dienstleistungsbereichen Anpassungen. So wurde festgehalten, dass die Auswirkungen der Gesetzesänderungen im Bereich Palliative Care in einem Konzept zuhanden des Regierungsrates zu präzisieren sind. Die Auswirkungen sollen danach in einer speziellen Leistungsvereinbarung geregelt werden. Ebenfalls im neuen Kontrakt festgeschrieben wurde, dass der Trägerverein Notfalldienst Thurgau West mit der Spital Thurgau AG eine Notfallpraxis am Kantonsspital Frauenfeld betreibt.
Gegenüber 2008 rechnet die Spital Thurgau AG im Jahr 2010 mit einer Leistungssteigerung von 3,8 Prozent bei den Fallzahlen und mit 1,2 Prozent bei den Pflegetagen. Wegen anstehender Grossprojekte, insbesondere beim Kantonsspital Münsterlingen, wird der Gesamtinvestitionsrahmen für die Periode Rahmenkontrakt 2010 bis 2011 von bisher 19 auf 25 Millionen Franken erhöht.
Der neue Rahmenkontrakt gilt ab 1. Januar 2010. Die finanziellen Verpflichtungen, die sich aus dem Vertrag ergeben, stehen unter dem Vorbehalt, dass der Grosse Rat den Staatsvoranschlag für das Jahr 2010 genehmigt.
Multisystemische Therapie wird definitiv eingeführt
I.D. Der Regierungsrat hat der Durchführung der zweiten Projektphase der «Multisystemische Therapie (MST) Thurgau» durch die Spital Thurgau AG zugestimmt und dafür einen Maximalbeitrag von 520 000 Franken genehmigt. Danach soll das Projekt MST in ein definitives Angebot des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes (KJPD) überführt werden.
Die Multisystemische Therapie (MST) ist ein Angebot für Jugendliche mit Störungen des Sozialverhaltens im Alter von 12 bis 17 Jahren. Mittels intensiver aufsuchender Therapie werden Jugendliche in ihrem häuslichen Umfeld unter Einbezug ihrer Familie, der Schule oder des Lehrbetriebs und des gesamten sozialen Umfeldes (Nachbarn, Freunde) nach den Grundsätzen des lizenzierten MST-Konzepts behandelt. Mit der MST soll eine Reduktion der Anzahl von stationären Einweisungen von Jugendlichen erreicht werden. Der Regierungsrat des Kantons Thurgau hat im Frühling 2007 eine 18-monatige Projektphase für die MST beschlossen. An den Projektkosten von 1,2 Mio. Franken beteiligten sich die Departemente für Erziehung und Kultur, Justiz und Sicherheit sowie Finanzen und Soziales zu 50 Prozent. Gemäss Schlussbericht der Fachhochschule St. Gallen vom 1. Dezember 2008 ergibt die ambulante Therapieform der MST ein deutliches Einsparungspotenzial. Die Fallkosten für die Durchführung der MST lagen um 32 bis 62 Prozent unter den Kosten für ausserfamiliäre Platzierungen. Ohne MST wären je nach notwendig gewordener Platzierungsform gesamthaft höhere Kosten von 330 000 bis 1,1 Mio. Franken entstanden. Nicht berücksichtigt sind dabei die längerfristigen Effekte wie etwa Ausbildungsabbrüche und Delikte. Mit einer Entlastung wird auch im Bereich der Sonderschulung gerechnet.
Aufgrund der positiven Studienergebnisse hat der Regierungsrat beschlossen, das Projekt in eine zweite Phase und anschliessend definitiv in ein festes Angebot der Spital Thurgau AG zu überführen. Die jährlichen Kosten für das definitive Angebot betragen für den Kanton Thurgau 400 000 Franken. Für die zweite Projektphase vom 1. April 2009 bis 31. März 2010 beträgt der Kostenanteil für den Kanton Thurgau 520 000 Franken.
«Eltern-Kind-Station» erhält finanzielle Unterstützung
I.D. In der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen (PKM) werden seit 2007 auf einer speziellen Station Mütter oder Väter, die unter psychiatrischen Störungen leiden, gemeinsam mit ihren Kindern behandelt. Der Kanton übernimmt für die Weiterführung des Projekts bis Ende 2011 die nicht gedeckten Behandlungskosten.
Mit der stationären Behandlung soll die kurzfristige Entlastung und Beruhigung der Situation für den betroffenen Elternteil und das Kind, das unter fünf Jahre alt sein muss, erreicht werden. Das Konzept der «Eltern-Kind-Station» beinhaltet Therapien des betroffenen Elternteils, des Kindes und der Beziehung zwischen Elternteil und Kind. Die Stationsgrösse beträgt vier bis sechs Erwachsene mit bis zu acht Kindern.
Der Aufenthalt der Kinder wird von der Grundversicherung nur teilweise übernommen, die Finanzierung der Restkosten erweist sich häufig als schwierig. Die Spital Thurgau AG hat bisher die jährliche Unterdeckung von 160 000 Franken übernommen. Für die Jahre 2010 und 2011 übernimmt nun der Kanton die nicht gedeckten Behandlungskosten pro Fall. Damit ist garantiert, dass das Projekt sicher bis Ende 2011 weitergeführt werden kann.
Gemäss Angaben der Spital Thurgau AG zeigt das Projekt einen ausgewiesenen medizinischen Nutzen. Aufgrund seines einzigartigen Charakters hat es schweizweit Beachtung gefunden und wird durch die Spital Thurgau AG wissenschaftlich begleitet.
Weitere Meldungen:
Das Projekt Nachwuchsförderung in der ärztlichen Grundversorgung soll weitergeführt werden. Der Regierungsrat verlängert den Vertrag mit dem Thurgauer Grundversorgerverein (TGV) und der Spital Thurgau AG bis ins Jahr 2012. Die jährliche Mitfinanzierung des Kantons beträgt maximal 150 000 Franken. Gemäss Zwischenbericht des Kantonsärztlichen Dienstes über die ersten zwei Jahre von 2006 bis 2008 lassen sich von den 18 Praxisassistentinnen und -assistenten fünf Personen im Thurgau als Hausärztin und Hausarzt nieder. Bei sechs bis zwölf Personen bestehen gute Aussichten auf eine Niederlassung im Kanton Thurgau.
Der Regierungsrat passt die Pflegeheimliste des Kantons Thurgau an. Erhöht wird die Bettenobergrenze für innerkantonale Bewohnerinnen und Bewohner im Alterszentrum Aaheim, Aadorf, von bis 60 auf neu 76 Betten und im Regionalen Alterszentrum Tannzapfenland, Münchwilen, von bisher 94 auf 112 Betten. Neu auf der Pflegeheimliste figuriert die Pflegewohngruppe Stöckli Frohegg, Wängi, mit 5 Betten.



























