114 Diplome zum Jubiläumsjahr
Kreuzlingen. An einer würdigen Feier im Sport- und Kulturzentrum Dreispitz in Kreuzlingen erhielten 114 Absolventinnen und Absolventen der PHTG ihre Diplome. Darunter erstmals auch 9 Frauen und Männer des 2007 gestarteten Studiengangs Sekundarstufe II.
Die Zahlen sind bemerkenswert: Zum 175. Jahr der Thurgauer Lehrerinnen- und Lehrerbildung durften am Samstag 114 Studierende ihre Diplome entgegennehmen, darunter erstmals auch 9 Absolventen des binationalen Studiengangs Sekundarstufe II.
Mit exakt 100 neu diplomierten Frauen haben die Lehrerinnen ihre vorherrschende Stellung in den Schulzimmern weiter ausgebaut. Diese Geschlechterverteilung war nicht immer so, wie Rektor Ernst Preisig in seiner Begrüssungsrede vor vollem Saal des Sport- und Kulturzentrums erklärte. Als vor 175 Jahren, im Jahr 1833, der Grundstein für die Thurgauer Lehrerinnen- und Lehrerbildung gelegt wurde, absolvierten ausschliesslich Männer die zweijährige Ausbildung.
Erst 1904 wurden – versuchsweise, wie es hiess – die ersten vier Töchter aufgenommen. 1924/25 waren es, in umgekehrtem Verhältnis zu heute, 16 Seminaristinnen und 76 Seminaristen und mit dem Aufnahmejahrgang 1964/65, zu dem Ernst Preisig selber gehörte, wurden erstmals gleich viele Frauen wie Männer aufgenommen. Frauen seien den hohen Anforderungen in Unterricht und Erziehung aber genauso gut gewachsen wie Männer, dies belegen auch wissenschaftliche Studien, so Preisig. Beim Klagen über die Feminisierung der Lehrberufe müsse dieser Aspekt denn auch stets mitberücksichtigt werden. Dass auch in anderen Branchen die Geschlechterverteilung den Strömungen der Zeit unterworfen sind, illustrierte er mit Zahlen aus der Tiermedizin, wo derzeit bis zu 90% der Studienabgänger Frauen sind.
Heute sei die Lehrerinnen- und Lehrerbildung zudem offener. Es bestehe ein weitgehend schweizweiter und teilweise grenzüberschreitender Anstellungsraum. Auch sei der Lehrberuf in hohem Mass zum Lebensabschnittsberuf geworden. Mit dem Bachelor-Abschluss können Lehrerinnen und Lehrer heute zudem direkt in Masterprogramme an anderen Hochschulen einsteigen. Erfreut durfte Preisig auch auf die für Junglehrerinnen und Junglehrer entspanntere Stellensituation hinweisen: Alle 25 austretenden Vorschulstufenlehrkräfte haben bereits Stellen in Kindergärten gefunden, wie auch die Absolventen der Sekundarstufe II, die alle entsprechende Lehrverpflichtungen haben. Von den 72 Primarlehrkräften, die eine Stelle suchten, treten 52 (72%) diesen Sommer eine Vollzeit- bzw. Teilzeitstelle oder eine Stellvertretung an.
Lehrberuf als Hochseilakt und Raubtiernummer
Matthias Mölleney, Mitglied des Schulrats der PHTG, sprach in seiner Festrede die gestiegenen Anforderungen an die fachliche Kompetenz an. Man sei heute an einem Punkt angelangt, wo man sich die Frage stellen müsse, wie gross die Quantität an Wissen sei, die man als Mensch noch verarbeiten und speichern könne. Die Praxis werde umdenken müssen und nicht mehr Wissen fordern, sondern z. B. die Fähigkeit, gemeinsam mit anderen in Form von Projekten mit virtuell verfügbarem Wissen neue Lösungen erarbeiten. Dazu brauche es ein talentorientiertes Bildungssystem, das nicht die Quantität abrufbaren Wissens misst, sondern Begabungen und Talente identifiziert und fördert.
Mölleney verglich den unmittelbar folgenden Lebens- und Berufsabschnitt der Diplomandinnen und Diplomanden – passend zum für die Diplomfeier gewählten Thema „Zirkus“ – mit einem Hochseilakt, ständig bemüht um die notwendige Balance, und wünschte den Junglehrerinnen und -lehrern in der Rolle als Dompteur bzw. Dompteuse in der Raubtiernummer oder als Clown, der seine Schwächen zeigen und anderen auf angenehme Art den Spiegel vorhalten kann, die nötige Zivilcourage.
«Radio-News» und grosser Applaus
Humor und Zivilcourage bewiesen die beiden Diplomanden Martina Hügi und Ingemar Fust gleich anschliessend in ihrem unterhaltsamen Grusswort, das sie als «Radio-Nachrichten» gestalteten: mit kritischen Beiträgen zu Leistungsstress und Noten-Poker und freundlichen Sätzen über positive Erfahrungen und hilfreiche Geister, welche sie durch die letzten Jahre begleiteten.
Viel Applaus ernteten nicht nur die jungen Lehrerinnen und Lehrer bei der feierlichen Übergabe der Diplome durch Prorektor Matthias Begemann und die begleitenden Mentoratspersonen, sondern auch das Ad-hoc-Zirkus-Ensemble unter der Leitung von Eva Berger. Vor allem mit dem originellen und rhythmisch anspruchsvollen Zwischenspiel „Hand & Fuss“ von Kaspar Ewald zeigten die Musikerinnen und Musiker, wie mit einfachsten Instrumenten (Füsse, Hände, Papiersäcke) hochkarätige Musik erzeugt werden kann.
Als hochkarätig ausgezeichnet wurden auch drei Diplomarbeiten: Aus den Händen von Kantonsrätin Susanne Oberholzer, Mitglied des Fördervereins der PHTG, durfte die Verfasserinnen eine Urkunde und 400 Franken entgegennehmen. Durch den Förderverein ausgezeichnet wurden Maria Müller (Heldswil) für ihre Arbeit „Auswirkungen der Integration in der Regelklasse auf die soziale Position und das Selbstkonzept“ und Maria Wulf (Müllheim) für ihre Arbeit zu den „Voraussetzungen für das erfolgreiche Unterrichten von Tanz in der Schule“ (beide Studiengang Primarstufe) sowie Gabriela Rudin (Frauenfeld, Studiengang Vorschulstufe) für ihre Leistung zum Thema „Warum der Wald als Ausserschulischer Lernort – eine Gegenüberstellung vier verschiedener Konzepte“.



























